Warum ich anfange zu schreiben

Überall auf der Welt gibt es Orte und Momente, in denen ich in meiner eigenen Gedankenwelt bin. Immer wieder diskutiere ich mit mir selber Fragen des Lebens, reflektiere Gedanken und Gefühle und übersetze sie in Worte, die ich bisher nie ausgesprochen habe. Ich kommentiere mein Leben, als wäre ich eine außenstehende Autorin oder Erzählerin, und oft erfüllt mich dabei das Gefühl einer Leidenschaft, als ob ich den Sinn des Lebens klar vor Augen hätte und meinen Weg sehen würde. Gedanken fliegen durch meinen Kopf, sie sind schön, sie machen mich stark, aber sie verfliegen im Stress des Alltags wieder. Inspirationen füllen diese Lücken, treiben mich an, etwas Bestimmtes zu tun, doch es sind nur kleine Funken, an die ich mich selten erinnern kann. Dabei waren dort in meinem Kopf irgendwo Worte, die ich niemals wieder vergessen wollte. Ich kann es schwer erklären, wie sich das anfühlt, aber jeder, der kreativ ist, weiß wohl, von was ich spreche. Man weiß nie, woher es auf einmal kommt, aber plötzlich ist dort ein Gedanke, der so ausdrucksstark und weise ist, dass man das Gefühl hat, in schlechten Zeiten nie wieder was anderes machen zu müssen, als sich daran zu erinnern, um wieder glücklich zu sein. Doch sie kommen nur kurz vorbei, wie eine Welle im Ozean und verschwinden wieder in der Gedankenflut. Ich kann sie nicht mehr greifen, Sorgen und Probleme unterdrücken die Flämmchen meiner Inspirationen, bis ich wieder neue positive Energie erfahren darf. Auf einmal brodelt es wieder in mir, die altbekannte Leidenschaft ist wieder zurück und da ich weiß, dass sie wieder zu schnell unterdrückt werden kann, halte ich sie diesmal fest. Es ist nicht leicht, diese Flamme, die in mir brennt, am Leben zu halten, aber sie wird wachsen, mich stärker und lebendiger machen, solange ich schreibe. Durch das Schreiben werde ich sie immer wieder aufs Neue greifen können. 

Ich bin selbstverständlich nicht die Einzige, die solche Dinge in ihr Notizheft kritzelt, denn es gibt viele Menschen, die ihre Träume der letzten Nacht aufschreiben, ein Tagebuch führen, ihre Ziele zu Papier bringen, um diese nicht aus den Augen zu verlieren. Ich denke, das ist eine ganz wunderbare Methode, sich auf Dinge zu konzentrieren, sie zu verarbeiten oder einfach nur kreativ zu sein. 

Aus diesem Grund habe ich mir in Sydney wunderhübsche Notizhefte gekauft, lausche zu akustischer Musik und verschwinde in meine Welt, während andere Fahrgäste der Deutschen Bahn sich über die verzögerte Weiterfahrt ärgern...