Warum ich bisher nicht geschrieben habe

Wo soll man da anfangen, wie erkläre ich das Hin und Her in meinem Kopf von dem niemand weiß? Schrieb ich mal Tagebuch oder Texte, die meine Gefühle äußerten, so kam ich mir dumm vor, diese zu lesen. Niemals würde ich jemanden bitten, diese Einträge zu lesen! Immer wenn ich Gedichte für meinen Vater zum Geburtstag schrieb, war es mir peinlich, wenn diese

anderen vorgelesen wurden. Warum war es mir peinlich? Liegt es daran, dass ich nicht gut genug bin? Denn  ist es nicht lächerlich zu schreiben, auch wenn man nicht John Steinbeck heißt? Muss man überhaupt "gut genug" sein? Reicht es nicht, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und nur man selbst liest es? Ist man vielleicht auch schon gut genug, so wie man ist?Oder bin ich mir einfach selbst nicht gut genug? Woher kommt dieser Drang zur Perfektion? Woher kommt diese innere Stimme, die sich über einen selbst lustig macht? Stört es mich, dass erwartet wird, man müsse hochgradig intelligente Literatur formulieren? Wird das überhaupt erwartet oder interessiert es keinen?

So viele Fragen sind dort, die mich immer daran hinderten, noch mehr Gedichte zu schreiben als nur für meinen Vater, der meine Gedichte sehr schön findet. Doch was passiert, wenn man es doch wagt und diesen Schritt geht? Man blüht auf! Da ist so viel mehr, was man geben kann, warum also nicht rauslassen?! Man ist immerhin erwachsen genug, um sich nicht mehr für das rechtfertigen zu müssen, was man ist.  Und darum ging es immer: Selbstzweifel und die Angst von anderen, negativ kritisiert zu werden. Aber eben das darf nicht die Überhand über das volle Ausleben seiner eigenen Natur nehmen! Niemals darf man sich von Außenstehenden unterdrücken lassen. Es wird immer Zweifler, Kritiker und "Hater" geben, Menschen, die sich nur auf das Schlechte fokussieren können, aber das ist nicht wichtig. Wichtiger sind die Menschen, die einen dafür lieben, die dieselben Zweifel haben und mit einem gehen, die sich Dinge

trauen, das Gute sehen und mit ihrer Ausstrahlung Leute fesseln!

Ich rang also all die Zweifel nieder und ließ mich darauf ein, wer ich war. Es war phantastisch, denn kaum akzeptierte und liebte ich mich selber von ganzem Herzen, fand ich ganz wundervolle Menschen, die auf meine Änderungen reagierten und mir Mut machten. Ich fand neue Freunde, die so viel Licht in das Dunkel brachten und mit denen ich stundenlang philosophieren könnte. Es ist tatsächlich so wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die einen verstehen, einen lieben und schätzen! Sie ermutigten mich immer wieder, meine verschiedenen Seiten auszuleben! Vielleicht geht es genau darum, sich in mehrere Richtungen zu entfalten, um aufzuleben. Also  alles mitzunehmen, was man liebt. Ein Freund von mir sagte einmal, dass es

ihn stören würde, dass seine Freundin so unterschiedliche Kleidungsstile hätte. Mal cool im Boyfriendlook, mal sexy, mal süß.. "Kann sie sich nicht entscheiden, wer sie sein will?!" Da dachte ich: "ja, ich bin genauso! Ich liebe es, "mehrere Gesichter" zu haben und ich sagte ihm, dass das keine Identitätsrollen sind, in die sie mal reinschnuppert, sondern eben zu ihrer Persönlichkeit dazugehört, dass sie bunt wie ein Schmetterling sein kann. Eben eine Rolle, die das Wandelbare liebt, die sich anpassen kann aber dennoch so herrlich abwechslungsreich ist.

Ich kannte seine Freundin nicht persönlich, aber ich verstand sie! Und durch dieses Gespräch realisierte ich, dass ich nicht noch in einer Phase steckte, sondern dass es wie bei ihr mein Ding war, nicht nur in einer Schublade zu stecken. Es fing an, in mir zu kribbeln und auch jetzt gerade habe ich dieses Gefühl: ich will alles rauslassen. Ich möchte malen, Musik machen, tanzen, Gedichte schreiben, singen. Doch es ist zunächst wie wenn man ein Lied hört, das man feiert, und man kann nicht mitsingen, weil man den Text nicht kennt. Es ist, wie im Traum rennen zu wollen, doch es geht nicht. Im Traum fange ich dann einfach an, wie ein Hühnchen mit den Armen zu wackeln und dann fliege ich einfach weg. Vielleicht ist es im echten Leben genauso: etwas scheinbar Unmögliches auszuprobieren, um dann auf einmal zu fliegen? Vielleicht wird

dadurch etwas freigesetzt, das es uns ermöglicht, unsere Träume zu erreichen? Mein Traum ist unter anderem, vieles gut zu können, wie Ukulele zu spielen, Gedichte genauso gut zu schreiben wie Lieder zu trällern. Yoga genauso gut zu können wie zu tanzen. Doch irgendwie wird einem in unserer Gesellschaft immer wieder indirekt mitgeteilt, dass man sich zu entscheiden hat. Man muss dies und das tun, aber bloß nicht jenes- wieder diese verdammten Schubladen!  Aber wenn man genau hinhört, dann hört man auch Zusprüche! Und nur die zählen! "Du kannst mehr aus dir machen!", "Du kannst doch singen!", "Du bist so kreativ!", "Die dichterische Ader hast du von deiner Oma!" (Sie hat btw damals jede Woche ein Gedicht für eine Zeitung geschrieben, das dann veröffentlicht wurde, sowie sogar ein Buch mit ihren Gedichten herausgebracht.), "Ich liebe deine Cupcakes!",...

Es wird Zeit, mal an sich zu glauben, auf den Körper zu hören, auf Zusprüche der Familie und der Freunde zu vertrauen, Lob anzunehmen, und keine Ausreden zu suchen. Es ist nicht schlimm, sich in dem auszuleben, in dem man gut ist, auch wenn es Menschen gibt, die einem das vermiesen wollen! Es ist nicht arrogant, auch nicht peinlich oder lächerlich, anders zu sein. Jeder von uns ist das auf andere Weise und jeder sollte genau das sein können, was er sein möchte!

Und ich für meinen Teil möchte kreativ sein, also here we go..