7. Airlie Beach und Whitsunday Islands

Als wir aus dem Bus ausstiegen rannten wir gegen eine Wand heißer Luft und gingen, nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten, erstmal straight ahead zur Lagoone um uns dort abzukühlen. Dabei sahen wir die Straßenpromenade von Airlie Beach und waren begeistert: Viele Läden, Bars und schöne Straßen an einer Palmenfront. Diesmal konnten wir nicht anders als uns die hübschen Sommerkleider und Bikinis anzuschauen, bevor wir zum Hafen und damit zum nächsten Abenteuer aufbrachen.  Denn dort wartete die “New Horizon“ auf uns, ein Segelboot, auf dem wir die nächsten Tage verbringen sollten.  Die Crew, bestehend aus vier Surferboys, begrüßte uns mit Umarmungen und guter Stimmung und wir bezogen voller Vorfreude unsere Kojen. Die Leinen wurden losgelassen und wir segelten unter der heißen Sonne auf das Meer hinaus in Richtung Whitsundays. Das sind viele kleine Inseln vor dem Great Barrier Reef und sie haben mit die weißesten Strände überhaupt! Wirklich: schneeweiß! Das Wasser durch das wir schifften, war von einem so satten hellen Blau, dass ich mir sicher war, dass es nicht schöner aussehen konnte.  Während die ersten Fotos gemacht wurden, öffneten sich auch schon die ersten Bierchen und diejenigen, die noch nichts getrunken hatten durften  in die Neoprenanzüge  schlüpfen und ins Wasser springen. Für diesen Spaß war extra ein Sprungbrett in drei Metern Höhe am Boot angebracht worden, von dem aus wir herunter ins offene Meer sprangen. Das war das erste Mal, dass ich weit draußen im australischen Meer schwimmen gegangen bin und die Angst vor Haien war durch die lockere Atmosphäre schnell verflogen. Ich hüpfte auf die Schultern von dem Größten der Crew, er stellte sich mit mir auf das Sprungbrett und sprang- ach was war das für ein Spaß. Als nur noch Lisa und ein anderer im Wasser waren, warfen die Jungs heimlich weiches Brot vom Schiff und innerhalb von Sekunden tauchten graue Flossen aus und ich bekam den Schreck meines Lebens, da ich sofort an Haie dachte. Lisa war wohl genauso erschrocken wie ich, wahrscheinlich noch mehr, denn sie war nicht auf dem sicheren Boot. Später erzählte sie mir, dass sie in dem Moment an Stachelrochen dachte, bevor sich die Tiere als abgefahrene Fische erkennbar machten. Die sogenannten  Batfishes  sind  nicht gefährlich, jedoch sehen ihre Rücken aus wie gefährliche Flossen, zumindest im ersten Moment.  Als klar war, was dort unten schwamm trauten sich auch wieder andere ins Wasser und wir tauchten neben den Fischen im ruhigen Meer. Das  viele Plantschen machte uns hungrig und so kletterten wir für das langersehnte Dinner an Bord. Mit den Tellern voll duftendem Essen saßen wir auf dem Deck und beobachteten den romantischen Sonnenuntergang. Übermüdet mussten wir am nächsten Tag ziemlich früh raus, da der „activity morning“ anstand. Die Müdigkeit nach einer langen Nacht ist jedoch schnell verflogen, wenn man als erste Tätigkeit des Tages mit einem Motorboot zum Schnorcheln rausgefahren wird. An dem Riff angelangt, wurden wir nach einer kurzen Erklärung der Notsignale über Bord geworfen. Diese Welt dort unten im Wasser ist eine so Faszinierende und ganz andere als die, die wir kennen. Unter uns waren tausende dicke, schillernde Fische und kunterbunte Korallen wohin das Auge reichte. Manchmal sah man mehrere Meter tiefe Abgründe, in denen man noch größere Fische entdecken konnte. Ich war ganz still und rührte mich nicht vom Fleck, ließ alles auf mich wirken. Ich hörte ein durchgängiges und lautes Knistern, was ensteht, wenn hunderte Fische an den Korallen knabbern. Ich blickte mich um und weiter ins Meer hinaus.. und dann sah ich ihn.. dümdümdüm.. nein, leider kein Hai, sondern „Alvis“! Er ist ein riesiger Fisch mit aufgeblasenen Lippen, wie nach einer Botoxbehandlung. Das Beste an ihm ist, dass man alles mit ihm machen kann: sich von ihm ziehen lassen oder ihn streicheln.. einfach alles, den juckt das nicht. Im Gegenteil, er scheint die Aufmerksamkeit zu genießen und sucht die Nähe. Beim Schnorcheln war es allerdings schwierig ihn tatsächlich mal zu berühren, aber das war nicht weiter schlimm, denn die nächste Aktivität auf dem Plan war das scuba diving. Auf dem Boot wurde uns die Taucherausrüstung gezeigt und beigebracht wie man atmet, was man tun sollte, wenn man das Mundstück verliert, die Handzeichen Unterwasser, das Verhalten wenn man einem gefährlichen Tier begegnet und wie man auf – und abtaucht. Das waren so viele Information auf einmal, an die man sich auch noch beim Tauchen erinnern muss, damit einem nicht aus Versehen die Ohren platzen. Diese ganzen wichtigen Einweisungen erzählten die Jungs uns so nebenbei und ließen uns währenddessen ein Formular unterschreiben auf dem wir bestätigten, dass wir uns im Klaren waren, dass wir sterben könnten- darunter eine Liste tödlicher Tiere, denen wir möglicherweise begegnen konnten. Dann ging es auch schon ab auf das Motorboot und wieder raus zum Riff. Die wichtigsten Dinge wurden uns noch einmal gezeigt und dann ließen wir uns rückwärts vom Boot fallen. Wir sanken alle erstmal auf zwei Meter ab und organisierten uns. Dann ging die Reise los. Neben mir ragten die Korallen in die Höhe und tausende Schwärme von regenbogenfarbenen Fischen schwammen um uns herum. Wir machten mehrere Fotos und folgten mit großen Augen unserem Leader. Langsam glitten wir durch das Wasser, wobei ich vollkommen relaxed war und mir vorkam wie in einem bunten Traum in dem man fliegt. Irgendwie wünschte ich mir aber auch einen Hai zu sehen.. zumindest von Weitem oder zumindest einen Delfin. Aber leider, oder vielleicht besser zum Glück, sahen wir keine Haie, dafür begegnete uns Alvis erneut und ich hing mich an ihn dran, schwamm unter ihm und streichelte ihn. Wir waren eine halbe Stunde unter Wasser und als wir wieder auftauchten hatte ich das Gefühl nur fünf Minuten dort unten gewesen zu sein. Das erste Mal richtig zu Tauchen und das an einem so wunderschönen Ort war ein unfassbares Erlebnis, sodass man sich erstmal mit einem richtig guten Lunch stärken musste. Die New Horizon schipperte weiter hinaus an vielen Inseln vorbei bis hin zu der Insel mit dem schönsten Strand Australiens- dem Whitehaven beach. Doch um dorthin zu kommen mussten wir durch einen urigen Wald voller trällender Vögel laufen und blieben auf einer Aussichtsplattform stehen um den Strand von oben zu sehen- WOW! Das Wasser war türkis blau und die Strände so weiß wie Schnee! Ich konnte es kaum erwarten am Strand anzukommen und stolperte hektisch den Weg entlang. Endlich angekommen machte ich taaaausende Fotos und Videos bevor ich ins Wasser hüpfte, denn ich musste diesen Anblick festhalten! Ich war so abgelenkt, dass ich vergaß den Neoprenanzug anzuziehen, der mich vor den tödlichen Quallen und Stachelrochen schützen sollte. Als ich im Wasser war fiel mir auf, dass ich die Einzige ohne Anzug war und schaute mich ständig nach Tieren um. Tatsächlich sah ich einen Stachelrochen (Mörder von Steve Irwin) und einen kleinen Hai, den aller ersten in Australien! Wir verbrachten den ganzen Tag an diesem paradiesischen Strand, machten Gruppenfotos, lasen in Büchern oder sonnten uns einfach nur. Stunden vergingen und als der Hunger sich bemerkbar machte marschierten wir zum Boot zurück und aßen köstlichen Fisch während wir mal wieder den Sonnenuntergang bestaunen konnten.  Schließlich wurde die Musik aufgedreht und die Lichter des Bootes beleuchteten das Wasser, sodass  man  „rüschtsch „(wie Lisa in ihrem Sächsisch immer sagt) tief gucken. Wir sahen Fische, die sehr aggressiv sind uns aussehen wir Riffhaie, weswegen man sie häufig mit ihnen verwechselt. Mit einem Bierchen in der Hand schaute ich zu wie sie andere kleine Fische fingen und dann sprang plötzlich ein Delfin vor meiner Nase aus dem Meer. Jeder auf unserem Boot rannte an die Reling und als ihm alle zujubelten, hüpfte er immer häufiger aus dem Wasser in das Scheinwerferlicht, als ob er die Aufmerksamkeit richtig genießen würde.  Die Nacht gestaltete sich aus Trinkspielen unter dem - mal wieder- herausragenden Sternenhimmel. Zum Abschluss unserer Segeltour baute die Crew am nächsten Morgen eine riesige aufblasbare Rutsche auf, die von der Kapitänskabine bis ins blaue Wasser reichte. Auf dem Bauch und auf dem Rücken, rückwärts und vorwärts rutschten wir immer wieder herunter bis uns alles wehtat. Noch vor dem Frühstück schnappten wir uns die  Schnorchel Und Taucherbrillen und fuhren mit dem Motorboot zum Riff rüber, wo Lisa und ich alleine tauchten und schwammen. Erneut war wieder so viel zu sehen, sodass wir anstatt der geplanten halben Stunde 1 1/2 Stunden schnorchelten, da wir jegliches Zeitgefühl verloren hatten. So könnte von mir aus jeder Morgen beginnen! Doch das Abenteuer musste ja weiter gehen und so segelten wir zurück nach Airlie Beach wo wir uns zum Abschied von der Crew umarmten. Wir waren zu solchen Wassernixen geworden, dass wir in Airlie Beach zuerst an der Lagoone blieben, bevor wir eine Didgeridoo Unterrichtsstunde bekamen. In dem kleinen Laden gab es unzählige verschiedene Didgeridoos , von denen man sich eines aussuchen konnte. In einer kleinen Gruppe standen wir vor dem Ladenbesitzer, der uns erklärte wie genau man in so ein Ding reinbläst. Fakt, wir hatten allesamt kein Talent darin, doch es machte trotzdem Spaß das traditionelle Musikinstrument mal auszuprobieren. Die letzten Stunden verbrachten wir gediegen mit Pizza am Strand bevor es dann mal wieder mit dem Greyhoundbus weiter in Richtung Norden ging.