3. BRISBANE

Brissy- eine Stadt, die mir bei meinem ersten Besuch nicht direkt gefiel. Wahrscheinlich lag das daran, dass Byron Bay mein Lieblingsort auf der Welt ist und alles danach nicht genug wie Byron war. Mittlerweile liebe ich Brisbane für seine schöne Innenstadt, der Skyline, den bunt leuchtenden Brücken in der Nacht und den vielen Fleckchen Natur zwischen den Hochhäusern. Brisbane liegt an einem Fluss der sich um die Stadt schlängelt und in dem Schwimmen deshalb verboten ist, da dort Bullsharks leben- eine der aggressivsten Haiarten überhaupt. In der ersten Nacht schliefen wir in einem Hostel, was uns ein wenig zu langweilig war. Aber ein Glück hatte ich ein paar Wochen vorher einen Deutschen in einem Hostel kennengelernt, der mit seiner Freundin im Citybackpackers wohnte und uns empfahl dorthin zu wechseln. Die beiden Hostels waren Nachbarhäuser und der Umzug somit unkompliziert. Wir verabredeten uns mit dem besagten Deutschen, sein Name ist Rob, und seinen Freunden für den Abend um feiern zu gehen. So und damit beginnt eine der in meinem Leben am häufigsten erzählten Geschichten: Wir trafen uns auf der Terrasse des Hostels und saßen an einem großen Tisch, da einige von der Gruppe noch zu Abend aßen. Da kam ein hübscher Kerl um die Ecke und setzte sich mir schräg gegenüber an den Tisch. Er stellte sich mir als Nicki vor und wir führten den üblichen Smalltalk. Er fragte mich wo ich herkomme und ich sagte ihm, dass ich aus Wiesbaden in Deutschland bin. Da wurden seine grünen Augen ganz groß und ich fügte hinzu, dass das in der Nähe von Frankfurt liegt. Als er seine Worte wiederfand sagte er, er wisse wo Wiesbaden liege, denn er käme ebenfalls daher. Meine Augen wurden noch größer als seine, als ich ihn fragte, woher er denn genau komme und er den selben kleinen Vorort nannte, wo ich wohnte! Dieser gutaussehende Kerl, wohnte in Deutschland tatsächlich nur 1,5 Kilometer von mir entfernt und wir hatten uns noch nie vorher gesehen!!! Ihr könnt euch vorstellen, dass wir die Anderen am Tisch schnell vergaßen und uns über die Heimat austauschten. [Zwischenbemerkung: Mittlerweile ist es 2018 und ich bin seit 3 1/2 Jahren mit ihm zusammen und seit einem Jahr wohnen wir in unserer gemeinsamen Wohnung. Da fragt man sich doch, was das soll, dass man erst um die halbe Welt fliegen muss, um seine große Liebe zu finden]. An diesem Abend gingen Nicki und ich nicht mit feiern, sondern tranken ein Bierchen, oder vielleicht auch mehr, an der Hostelbar  und redeten bis spät in die Nacht. Wir verstanden uns von Anfang an gut, weshalb wir auch an den nächsten Abenden zusammen unterwegs waren. In einer dieser jungen Nächte, entschieden wir spontan zu der Lagoone der Stadt zu gehen um ein nächtliches Bad zu nehmen. Diese Stadtlagoonen gibt es überall in den Städten, in denen man nicht ins natürliche Wasser darf und bestehen meist aus riesigem Pool und aufgeschüttetem Sand. Zwischen den Palmen zogen wir uns bis auf die Unterwäsche aus und glitten so vorsichtig wie möglich in das kühle Nass. Dabei musste ich immer wieder kichern, denn eigentlich war es verboten Nachts dort zu schwimmen. Ein Mann stand am Ufer und deichselte irgendetwas und wir versteckten uns hinter den künstlichen Felsen, bis sich herausstellte, dass dies nur ein Putzmann und keine Security war. Da  lachten wir beide und es fühlte sich so an, als ob ich ihn schon ewig kennen würde. Auf dem Rückweg leuchteten die Brücken in allen möglichen Farben und Nicki trug mich auf seinem Rücken über eine dieser Bauwerke. Dieser Abend war einer der schönsten in Brisbane, doch ich war natürlich auch mit Lisa unterwegs. Vor allem tagsüber trennten wir uns nur selten und ich sah auch Nicki bei der Arbeit. Im Nachhinein fühle ich mich schlecht, dass ich bei einer solchen Organisation, wenn man das so nennen kann, gearbeitet habe. Jedoch war das der einzige Job, bei dem man gutes Geld, keinen Arbeitsvertrag und flexible Arbeitstage zur Verfügung hatte. Ganz legal war das Ganze bestimmt nicht! Schon sehr früh morgens stellten sich alle Backpacker, die dort arbeiteten, vor das Hostel und warteten auf mehrere Autos. Aus diesen stiegen drei komische Männer aus, die mit wenig Worten die Auswahl trafen. Man kam sich dabei vor wie auf dem Viehmarkt, denn man wurde zunächst von oben bis unten gemustert und dann in ein bestimmtes Auto gesteckt. Dabei wurde nicht jeder ausgewählt und diejenigen mussten zurück ins Hostel und ihr Glück am nächsten Tag versuchen. Die Autos fuhren in unterschiedliche Richtungen und man wurde teilweise nach einer zweistündigen Fahrt irgendwo vor einem Supermarkt abgesetzt, bekam Schilder und Spendendosen in die Hand gedrückt und musste dort dann den Tag über das Kleingeld der Leute erbetteln. Manchmal sammelen wir Geld für die angebliche Australian Animal Rescue und an machen Tagen für deaf Children. Bis heute weiß ich nicht, ob es diese Organisationen wirklich gab, was ich aber weiß ist, dass je mehr Geld man sammelte, man auch mehr Geld verdiente. Und das waren zumindest bei mir am Tag 300$, eine Summe also, mit der man als Backpacker sehr zufrieden sein kann. 

Nach der Arbeit waren Lisa und ich immer so glücklich über unseren Verdienst, dass wir die Stadt unsicher machten, laut Musik hörten und auf den Straßen tanzten und lachten. Vor allem das Lachen mit Lisa ist eines meiner schönsten Hobbies, denn es ist so toll eine Freundin wie sie zu haben. Inzwischen ist sie meine beste Freundin und es hat sich nichts geändert. Aber vor allem die Zei in Brissi ist mir in der Hinsicht im Gedächtnis geblieben, denn sie machte viele Lieder zu den unseren! Ich verbinde damit eine so wundervolle Zeit mit zwei neuen und ganz besonderen Personen in meinem Leben!