4. Bushcamp Noosa

Ich erzählte am Anfang, dass wir unsere Reise an der Ostküste entlang, durch unsere Agentur geplant hatten. Wir bekamen also auch Vorschläge für Dinge, die wir machen mussten und uns wurden Busse organisiert, die uns abholten und zum nächsten Stop brachten. So auch am Busbahnhof in Noosa , wo ein langhaariger Mann mit Sonnenhut auf uns wartete. Wir bekamen ein kurzes Briefing, bei dem wir erfuhren, dass es nicht in ein Hostel gehen sollte, wie zuerst gedacht, sondern direkt in ein Buschcamp. Ich war zunächst erschrocken weil ich gar nicht darauf vorbereitet war und eigentlich endlich was essen wollte. Doch uns blieb ja nichts anderes übrig als in den Van zu hüpfen und ins Nirgendwo zu fahren. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einem kleinen Lebensmittelgeschäft und mussten für drei Tage einkaufen, was uns, weil wir so unvorbereitet darauf waren, überforderte. Nach einer 20 minütigen Fahrt kamen wir dann irgendwo im Wald an wo mehrere große grüne Zelte auf einer Lichtung standen und viele junge Leute herum sprangen. Und BAM – Liebe! Es war so wunderschön dort. Der Boden war sandig , die Küche , die Bar und der Fernsehraum waren offen und so hatte man stets einen tollen Ausblick auf den grünen Regenwald und dem Noosa- River . Wir bezogen unsere Zelte und lernten alle coolen Leute kennen mit denen wir zusammen kochten. Nachdem es endlich Essen gegeben hatte, fiel ich totmüde in mein Hängemattenartiges Bett. Am nächsten Morgen wurde ich von den unendlich vielen und exotischen Vogelstimmen geweckt und das machte mich trotz aller Frühe wahnsinnig gut gelaunt. An diesem Tag stand eine 14 Kilometer weite Kanutour auf dem Plan. Bei schönstem Wetter war das auch einfach der Wahnsinn. Wir lernten noch mehr Leute kennen und hatten so viel Spaß miteinander in den vielen bunten Kanus. Bei einer kleinen Pause am Uferrand beschlossen die Jungs dann einfach mal von einem Baum ins trübe Wasser zu springen, ohne dass wir wirklich wussten was für gefährliche Tiere dort unten schwammen oder wie tief das Wasser war. Nach den ganzen Kilometern, die wir zurückgelegt hatten, kamen wir endlich an dem Strand an, der unser finales Ziel war. Dort picknickten wir im Schatten und hielten unseren Mittagsschlaf im warmen Sand. Auf dem Rückweg ging es über das Wasser eines FLUSSES voller Rochen, Quallen und Haien in Richtung Camp. Auch am nächsten Tag paddelten wir los , diesmal kürzer, um von der Anlegestelle vom Vortag zu einem noch größeren und schöneren Strand zu kommen. Dafür mussten wir, nachdem wir unsere Kanus an das Ufer gebunden hatten, über eine typische australische Landstraße laufen, die mit den bekannten Koala- Warnschildern bestückt war. Es war so unglaublich heiß, weswegen das türkisblaue Meerwasser genau die richtige Belohnung für unsere Wanderung war. An diesem breiten, weißen Sandstrand verbrachten wir alle zusammen den Tag. Wieder zurück im Camp gingen wir direkt ins Zelt, denn es war schon spät. Lisa schlief direkt ein, doch ich war noch so aufgekratzt von dem tollen Tag, dass ich aufstand um in die Küche zu gehen. Wie oben erwähnt hatte diese nur eine Überdachung und keine Wände und so entdeckte ich mehrerer unserer Leute an einem Lagerfeuer. Ich gesellte mich mit meinem Tee dazu und lauschte der Gitarrenmusik von zwei jungen Männern. [Damals war ich noch lange nicht mit meinem jetzigen Freund zusammen, deshalb nicht wundern was jetzt kommt, aber ich will ehrlich sein und zu den späteren Erzählungen ist es wichtig. Immerhin will ich euch erzählen, wie es wirklich war]. Einer dieser jungen Männer sprang mir direkt ins Auge, allein die Gitarre und seine Stimme ließen jede Frau am Feuer dahinschmelzen. Ehrlich gesagt hatte er mich schon an der Angel, als er sich durch seine dunklen Haare fuhr und auf schwedisch mit seinen Freunden redete. Das klang so unglaublich sexy, und ich dachte mir: Verdammt, du bist zerzaust, ungeschminkt und dreckig von dem blöden australischen Busch und triffst auf so einen Traumkerl. Erwartet man ja auch nicht im BUSCH. Also blieb ich einfach dort sitzen, vergaß, dass ich eigentlich nach meinem Tee wieder ins Bett wollte, und beobachtete. Dann fing er wieder an zu spielen und ich plapperte los, dass ich den Song liebe, bevor ich merkte, dass ich ja gar nicht wollte, dass er mich in dem Zustand bemerkt. Er schaute mich mit seinen blauen Augen an und ließ den Blick nicht von mir ab, er schaute mich den ganzen verdammten Song lang an, und zwar direkt in meine Augen. Mir war das so unangenehm, dass ich nicht mehr weiß, was er zu mir sagte, aber mein Herz raste wie wild, es war ein ganz ungewohntes Gefühl. Als er fertig war, fragte er mich welches Lied ich hören will und ich nannte ihm eines. Er bat das Mädchen neben sich Platz für mich zu machen und wir sangen zusammen meinen Song nachdem er sich als Calle vorgestellt hatte. So langsam waren die meisten Leute aufgestanden und gegangen, ohne das wir das bemerkten. Es fühlte sich so vertraut an mit ihm zu reden und ich war schon lange nicht mehr so nervös wegen eines Typen gewesen. Als er mich bat mit ihm einen Spaziergang zu machen, stand er auf, legte den Arm um mich und wir gingen zu einer Lichtung im Camp von der aus man einen wahnsinns Ausblick auf den Himmel hatte. Wir redeten über so viel und es war so witzig. Als er mir dann sagte, dass er denkt mich schon ewig zu kennen und dass er als er mich gesehen hatte einfach nur dachte “wow, who the fuck is this?!“ war ich vollkommen sicher zu träumen. Doch als er mich dann anfing zu küssen und mein Gesicht zwischen seinen Händen hielt war mir klar, dass das gerade wirklich passiert. Dieser Abend war ein perfekter Abschluss von einem wundervollen Tag, die Sterne leuchteten um die Wette und um uns herum das romantische Feuer auf einer Lichtung im Wald. Besonders der Sternenhimmel in Australien ist mir im Gedächtnis geblieben, die Sterne kommen einem so viel größer vor und es gibt so viele Sternschnuppen -  mal wieder dachte ich, dass ich noch nie so etwas Schönes gesehen hatte!Leider mussten wir am nächsten Tag auschecken und ich hinterließ ihm eine Nachricht an seiner Gitarre.