5. Noosa

Die ersten Tage zurück in der Zivilisation verbrachten Lisa und ich im „Nomads“- Hostel im Zentrum von Noosa. Nach dem Buschcamp – Abenteuer waren wir heilfroh saubere Duschen und vor allem wieder Steckdosen zu haben. Noosa ist wunderschön mit seinen vielen tollen Stränden, dem Nationalpark und dem großen Fluss in der Mitte. Leider wurde Lisa ziemlich schnell am Anfang krank- ich rede hier nicht von ein wenig  Rumgeschniefe, sondern von etwas, von dem wir bis heute nicht genau wissen, was es war. Alles fing im Buschcamp an,  als sie jeden Abend mit Kopfschmerzen im Bett verbrachte. Am Tag als wir im Nomads eincheckten, erzählte sie mir, dass sie einfach ohnmächtig wurde und dass ihr ständig kalt sei.Natürlich guckten uns alle komisch an als sie in Pullover und Regenjacke ins Hostel spazierte, denn es waren ca. 30 Grad. Die Tage danach wurde es immer schlimmer, sie konnte nicht aufstehen, weil ihr sonst direkt schwarz vor Augen wurde. Ich machte mir so unglaubliche Sorgen und wusste einfach nicht wie ich ihr helfen konnte. Sie wollte nichts essen und eigentlich nur den ganzen Tag schlafen. Also verbrachte ich fast jeden Tag alleine, und wenn ich mal nicht unterwegs war , versuchte ich Lisa irgendwie aufzupeppeln. In der Zeit, wo ich Noosa alleine erkunden musste, traf ich auch Calle wieder, mit dem ich bis dato viel geschrieben hatte. Wir verbrachten einen unglaublich schönen Tag am Strand und im Nationalpark und er spielte auf seiner Gitarre für mich. Abends gestand er mir dann, dass er sich in mich verliebt hatte. Also Mädels, ihr könnt an dieser Stelle sicher nachvollziehen, dass ich ebenfalls mein Herz verlor. Doch ich wehrte mich noch zu sehr gegen eine Beziehung, denn ich hatte gerade erst gelernt nur mit mir zu sein und dazu gehörte auch erstmal Single zu bleiben. Als Calle weiter reiste war ich nicht mehr lange alleine, denn das Gute daran,  dass Lisa krank war, war, dass ich viele neue Leute kennen lernte.  Also war ich jeden Abend mit einer Gruppe von neuen Freunden unterwegs und hatte viel Spaß. Zum Beispiel sprach mich ein Typ am Pool an, der mich schon in Brisbane im Hostel gesehen hatte (mal wieder ein witziger Zufall) und lud mich zum BBQ mit seinen Freunden ein und ich sagte natürlich nicht nein.  Wir verstanden uns alle super und hatten einen langen tollen Abend, bis ich bemerkte, dass mein Geld aus meiner Tasche gestohlen worden war. Der Abend war für mich eigentlich schon gelaufen bis etwas passierte, was ich einfach immer noch nicht glauben kann. Ich, voll enttäuscht mein Geld verloren zu haben, lief alleine nach Hause bis mich ein junger Kerl unbedingt begleiten wollte, da es gefährlich sei alleine zu gehen. Wir unterhielten uns und ich beklagte mich die ganze Zeit darüber, dass mein Geld weg war. Beim Hostel angekommen, hätte man meinen können, er würde irgendetwas von mir verlangen, aber anstatt mich anzugraben steckte er mir 50$ und seine Handynummer zu und verschwand einfach. Ich war so perplex , dass ich einfach so dastand und nicht wusste wie ich reagieren sollte. Da er aber so schnell im Dunklen verschwunden war, wie er auch gekommen war, ging ich in mein Zimmer und der Abend war gerettet. Da Lisa immer noch krank war mussten wir so langsam umplanen und deshalb entschied ich mich in einem anderen Hostel als Kellnerin arbeiten zu gehen, damit ich wenigstens dort eine kostenlose Unterkunft und Essen bekam und mich um sie kümmern konnte.  Mit nur 100m Entfernung vom Strand war das Hostel keine schlechte Wahl, doch das Beste war eigentlich, dass ich nicht nur ein kostenloses Bett hatte, sondern auch Essen aus dem Restaurant for free genießen konnte. Jetzt war erstmal für eine Bleibe gesorgt und ich konnte mich weiter Lisa widmen. Ich ging mit ihr zum Arzt als es nach einer Woche nicht besser wurde. Bei der Anmeldung beim Arzt passierte dann etwas Unheimliches. Die Arzthelferin sprach mit Lisa, während diese vor dem Empfangstisch stand und sich ihre Finger in den Tisch krallten. Sie war kreidebleich im Gesicht und reagierte einfach nicht mehr. Dann fing sie an zu schwanken und ihre Augen schienen ins Leere zu starren. Ich versuchte sie zur Couch zu führen, doch sie bewegte sich keinen Zentimeter. Eigentlich war sie so schwach, dass sie sich normalerweise nicht mal selber halten konnte, aber in diesem Moment schaffte sie es, dass drei Frauen an ihr zogen und sie einfach stocksteif dagegen hielt. Ich rief ihren Namen und versuchte sie aus diesem Trance- Zustand aufzuwecken aber sie drehte nur ihren Kopf und schaute mich direkt an… mit ihrem leeren Blick und ihrem Gesicht so weiß wie ein Geist. Sowas hatte ich bisher nur in Horrorfilmen gesehen und ich hatte Angst, dass sie mich anspringt und aufisst oder so. Wir brachten ihr schließlich einen Rollstuhl und drückten sie mit aller Kraft hinein und dann wurde sie endlich wieder lebendig. Gebracht hatte das Ganze allerdings nichts, da weder der Arzt aus dem medical centre, noch der aus dem Krankenhaus wusste was ihr fehlte. Ich blieb also in der Hoffnung, dass die Massen an Tabletten ihr halfen und verbrachte meine Tage damit, nach dem Frühstück durch den Nationalpark zu joggen, danach am Strand zu liegen und Abends zu arbeiten. Das klingt zum Teil langweilig, wenn man bedenkt, dass sonst jeder Tag unterschiedlich verlaufen war, jedoch freute ich mich tatsächlich jeden Morgen, wenn mein Wecker klingelte, denn es gab immer richtig leckeres Frühstück, wie bspw. Pancakes, bei dem einem kunterbunte und wildlebende Papageien Gesellschaft leisteten und man sie füttern konnte. Danach ging ich jeden Morgen durch den Park joggen und das war schon ein Erlebnis: Einmal entdeckte ich eine riesige Echse mit bestimmt 1,50m Körpergröße. Sie marschierte einen Berg hinauf während ein Bushturkey kreischend hinter ihr herlief (und das rückwärts) um sie mit den Füßen mit Dreck zu beschmeißen. Gejuckt hat es das Riesenvieh aber nicht. Selbst als ein Kakadu angeflogen kam und im „Turkey- Team“ mit vier anderen Vögeln die Echse angriffen , machte diese nichts anderes, als sich ab und zu lässig umzudrehen, sodass sich alle Tiere erschreckten. So eine ungewöhnliche Situation kann man auch nur in Australien erleben, wo es so viele verrückte Tiere gibt. Zum Beispiel begegnete ich in der Dusche einem Schmetterling, der so groß war, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Die Tage waren außer solchen kleineren Erlebnissen fast gleich. In der 2. Woche kam dann Nicki mit seinen Freunden nach Noosa und das wurde erstmal gefeiert. In dem Club in den wir gingen machte ich dann mal wieder spontan bei einem Contest mit um wieder ein bisschen Geld rein zu bekommen. Ein Typ im Hostel nannte mich immer Megan, weil er meinte das könne er sich bei mir besser merken und daher nutzte ich meinen neuen Spitznamen für meinen "Bühnennamen". Ich wollte nicht, dass jeder meinen richtigen Namen kannte. Dann war es mal wieder so weit, ich stand also da oben auf der Bühne und war mega aufgeregt als alle Augen auf mich gerichtet waren. Als dann die Musik losging war ich in meinem Element. Doch der hauptsächliche Grund, weshalb ich es immer wieder liebte dort mitzumachen, war der Moment der Entscheidung, wenn man im Finale steht und die Entscheidung zwischen dir und der Konkurrentin in jedem Moment fällt.  Als der Moderator ins Mikrofon brüllte : “ Shout for Megan! “ und die Menge meinen "Namen“ rief und sie alle jubelten bekam ich Gänsehaut. In der Menge sah ich ab und zu ein Gesicht meiner Freunde die mir zu riefen, einfach alle brüllten sich die Seele aus dem Leib. Die Entscheidung war gefallen, ich hatte gewonnen und konnte es nicht glauben, mit einem Song 200$ verdient zu haben und das nachdem mir ein paar Tage vorher Geld geklaut wurde! Am nächsten Tag ging es dann mit Nicki und den anderen zu einer Waldlichtung mit kleinem See und Bach. Die Fahrt dorthin dauerte lange, aber die Landschaft war einfach grandios. Von den Bergen hatte man einen tollen Ausblick auf die Wälder und das Meer. Am See angekommen entdeckten wir ein Seil von dem man in den See springen konnte. Selbstverständlich wurde das direkt ausprobiert. Dazu musste man erstmal ein Stück an den Felsen hoch klettern um sich das Seil zu krallen um dann einen kleinen Abhang runter zu schwingen, bevor man dann ca 5m über dem See hing. Ich hatte Angst, dass ich mich nicht lang genug festhalten konnte und vorher in das Gebüsch fallen würde, was sich 2m unter einem befand, sobald man am Seil hing und noch bevor man sich fallen lassen konnte. Ich schaffte es den Schwung und den Fall zu überstehen und war voller Adrenalin. Auf dem Rückweg war ich totmüde und schaute mir den Sonnenuntergang und schließlich den Sternenhimmel an. Als ich so halb auf einer Luftmatraze lag und aus dem Autofenster in den wunderschönen Himmel blickte, dachte ich nur einfach : „Verdammt, hab ich ein Glück. “ Es mag zwar kitschig klingen, aber in dem Augenblick dankte ich Gott dafür, dass ich das alles erleben durfte und dass alles so gut lief. Ein paar Tage später ging ich joggen, schaute auf das Meer was neben mir blau in der stechenden Sonne glitzerte und war vollkommen zufrieden. So zufrieden, dass ich doppelt so weit rannte als normalerweise und dafür wurde ich belohnt. Ich kam an einem 2 km langen Strand an, der einfach komplett leer war. Niemand außer mir war da, und ich blickte auf den Ozean hinaus und stand erstmal einfach so da. Ich konnte nicht fassen, dass ich die Einzige war, die diesen Anblick genießen durfte. Ich rastete richtig aus, sprang herum, drehte mich im Kreis , lachte, tanzte  und schrie herum. Währenddessen zog ich mich komplett aus und sprang ins kühlende Meer. Als ich wieder raus kam stand ein junger und gutaussehender Australier grinsend da und hielt mir meine Klamotten hin. Ich wurde rot wie eine Tomate und bemerkte erst nach dem ersten Schock, dass er genauso nackt war wie ich. Ich glaube ich hab mich noch nie so schnell angezogen wie in diesem Moment. Mir war das alles so peinlich, denn er musste mich bei meinem Ausraster beobachtet haben. Er war aber ganz lässig und meinte: “ You are crazy, i like you  “ und  erzählte mir, dass das ein inoffizieller FKK Strand sei. Da hatte mein Instinkt nackt baden gehen zu wollen mich nicht getäuscht. Obwohl wir uns super verstanden, verschwand ich schnell wieder. Mir war die Situation immer noch peinlich,obwohl wir ausgiebig darüber gelacht hatten. Wenn ich jetzt darüber schreibe, ist es einfach nur noch lustig und wieder ein Erlebnis , was ich nie vergessen werde. An meinem freien Tag besuchten Lisa und ich den Australia Zoo, den Steve Irwin aufgebaut hatte. Den ganzen Tag über strahlten wir beide, denn Lisa ging es besser  und wir hatten endlich wieder Spaß zusammen. Als wir wieder zurück im Hostel waren, stand erstmal mein erstes Fotoshooting in Australien an. Ich hatte mich schon riesig darauf gefreut, da ich bisher jede Anfrage aus Australien verpasst hatte, weil ich immer schon weitergereist war. Dieses war ein Werbeshooting für das Hostel, bei dem ich Tischfußball spielen sollte, Bier trinken und Burger essen musste, bzw durfte  . Die letzten paar Tage verbrachten wir damit unser Leben zu feiern und ich zeigte Lisa all die Orte, die sie während ihrer Krankheit verpasst hatte. Nach drei Wochen Aufenthalt wurde es aber Zeit weiterzureisen, denn geplant war eigentlich nur eine Woche, doch wegen Lisas Krankheit konnten wir nicht früher los. Das war aber vollkommen okay für mich, denn ich hatte tolle Leute kennengelernt und eine schöne Zeit gehabt.