6. Rainbow Beach und Fraser Island

Der Abschied von Noosa fiel mir schwer, da man sich nach 3 Wochen an die Leute und die Stadt gewöhnt und ein kleines Zuhause gefunden hatte. Aber „der Motor muss laufen“ wie mein Trainer immer sagte, nächster Halt also: Rainbow Beach. Dieser Name ist so typisch für Australien, Städtenamen, Vogelnamen, Strände, einfach alles, was besonders ist hat einen tollen Namen und das zeigt mal wieder, dass nicht immer alles ordnungsgemäß sein muss. Macht es das Leben denn nicht viel schöner, wenn man nach 'Surfers Paradise' fährt oder auf den Nummernschildern 'Sunshine State' liest?! Zurück zu Rainbow Beach: Der kleine Ort hatte nur wenig Wohnhäuser und nur eine kleine Straße markierte das Zentrum, das nur aus ein Paar Läden und Hostels bestand . Am Ende dieser Straße erstreckte sich ein großer gelber Sandstrand, genannt 'Rainbow Beach'. 

 

Ich hatte schon viele Situationen im Leben, in denen ich die Möglichkeit bekam etwas zu erleben und mich spontan dafür entschied. Jedes dieser Male wurden meine Erwartungen übertroffen und ich verinnerlichte immer mehr dieses Mantra: "do it". In Rainbow Beach erlebte ich eine dieser Situationen. Unser Hostel hatte an jedem Tag verschiedene Programme, so auch an unserem Ankunftstag- auf dem Plan stand mit allen den Sonnenuntergang zu gucken. Lisa und ich hatten nicht viel zu tun an diesem kleinen Flecken Zivilisation. Anders gesagt, uns war langweilig. Klar, wir verbrachten den Tag im Paradies und uns konnte es nicht besser gehen, aber Shoppen konnte man nicht, da man mit wenig Gepäck reisen musste. Wir lagen also den lieben langen Tag am Strand und sehnten uns Abends nach Abwechslung und Abenteuer. Daher gingen wir  mit den anderen aus dem Hostel zum Strand und breiteten uns auf einer riesigen Sanddüne aus, so riesig, dass sie sich auch "die 2. längste Sanddüne der Welt" nennen darf. Schließlich spazierten wir zu einem Sandhügel und kletterten diesen hoch wo Sandboards erwarteten. Sandboarding  ist so ähnlich wie Schlittenfahren, nur eben mit Sand und einem Board. Es hat so Spaß gemacht den Hügel runter zu sausen, mit dem Bauch auf dem Board liegend und einer Sandwolke hinter sich.  Wir kletterten immer wieder nach oben und sausten erneut herunter bis wir vollkommen durchgepustet waren. Inmitten dieser wüstenähnlichen Landschaft am Meer, wurde uns dann gezeigt, wie man einen Boomerang wirft. In Australien gehören sie zur Tradition und Geschichte dazu und deshalb zeigte uns auch ein Australier, wie man sie richtig wirft, sodass sie zurückgeflogen kommen. Während die Sonne unterging liefen wir über die Düne zurück und als die Sonne schließlich untergegangen war,  spielten wir noch bis spät in die Nacht Billiard in unserem Hostel. Am nächsten Tag ging es früh morgens los auf Fraser Island. Darauf hatte ich mich schon seitdem wir diese Tour in Sydney gebucht hatten, gefreut! Überall ist Fraser als eine riesige Insel, ungefähr doppelt so groß wie Rügen, mit weißen Stränden und um die 200 Süßwasserseen bekannt. In der Sprache der Aborigines heißt sie übersetzt 'Paradies'.  Wir wurden in Gruppen eingeteilt und kontrollierten unser Auto und unsere Sachen fürs Campen. In unserer Gruppe waren zwei weitere deutsche Mädchen, zwei Französinnen und zwei Dänen. Lisa und ich überließen den zwei Deutschen das akribische Zählen von dem Besteck und setzten uns ins Auto, wo wir nur  Quatsch machten und laut lachten. Dabei überhörten wir, dass allen Anderen was von unserem Leader erzählt wurde. Kichernd stellten wir uns zu der Gruppe und bekamen die andere Hälfte von den Informationen noch mit. Uns wurde erklärt wie man Autos auf Fraser fährt, weil diese nämlich 2 Schalthebel haben und man dort nicht auf Straßen, sondern auf Sand fährt. Dadurch, dass ich die Hälfte nicht mitbekommen hatte , überließ ich jemand Anderem das erste Fahren. Auf dem Weg zur Fähre ernannten Lisa und ich unser Auto zum Partycar, denn alles was wir wollten, war Spaß! Die anderen aus der Gruppe waren zunächst etwas schüchtern, aber Lisa und ich tanzten weiter und sangen laut mit bis schließlich selbst das Eis bei den spießigen Deutschen geschmolzen war. Kaum waren wir  auf der Insel angekommen, sahen wir eine tote Riesenschildkröte, den ersten Dingo und leider auch viele schwarze tote Vögel. Die armen Viecher fliegen weite Strecken nach Australien und sind dann so erschöpft, dass sie am Strand landen und sich nicht mehr fortbewegen können um sich zu ernähren. Sie warten dort nur auf ihren Tod und sterben dann entweder von alleine oder werden von den Autos überfahren. Es klingt brutal, aber zunächst schockt es einen, wenn man weiß, dass gerade Vögel totgefahren werden, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran, dass es sich nicht verhindern lässt bei diesen Massen. Wir fuhren also über den Strand an den Vögeln vorbei und zu unserem ersten Ziel, einem grünen See. Um dort hinzukommen mussten wir lange durch den schönen Wald und über eine große Sanddüne laufen. Der See leuchtete in einem wunderschönen kräftigen Grün zwischen all dem hellen Sand. Lisa und ich waren mit die Ersten im Wasser, spielten Krokodil (fragt nicht!) und veranstalten eine lustige Sandschlacht in die einige andere mit einstiegen. Das Wasser dort in den Seen wirkt wie Conditioner auf die Haare, da am Rand Pflanzen wie Eukalyptus und Teebäume wachsen, deren Superkräfte in vielen Pflegeprodukten als Inhaltsstoffe wieder zu finden sind. In unserer Autokarawane erkundeten wir viele solcher Orte, in denen die Natur zeigt was sie kann. So auch bei unserem nächsten Stop, einem Aussichtspunkt, von dem aus man die komplette Sandlandschaft betrachten konnte. Der Tag bestand daraus in unseren Autos über die Insel zu fahren und immer wieder Halt zu machen, um die Natur zu genießen. Wieder zurück am Auto, wechselten wir immer den Fahrer und ich traute mich als erstes Mädchen hinters Steuer. Die Autos waren dafür gemacht durch tiefen Sand zu fahren und waren dementsprechend groß, so groß, dass selbst ich mit meinen 170 cm gerade so über das Lenkrad rübergucken konnte. Zum Glück war die Stimmung in unserem Auto super, sodass es viel Spaß machte zu fahren, auch wenn man sich erstmal an das Fahren auf der linken Seite gewöhnen musste. Dann hieß es auf einmal durchs Walkie- Talkie : "2. Schalthebel umstellen, Arme locker lassen, Konzentration, Schnelligkeit- es geht über den Track." Das hieß ich musste nun über die Sandstraßen durch den Wald fahren, wo der Sand richtig tief und weich war und links und rechts Bäume und Abhänge aufragten. Die Räder suchten sich ihren eigenen Weg und dadurch wurde das Lenkrad hin und her gerissen. Doch hektisch Gegenlenken hätte alles nur verschlimmert, also "no worries" und locker bleiben. Als ob das nicht schon genug gewesen wäre, waren auf den Wegen auch noch riesige Löcher und viele Hügel, bei denen das Auto wie bei einer Achterbahnfahrt wackelte. Zum Glück schaffte ich es eine Stunde am Lenkrad zu sitzen, ohne einen Unfall, im Sand stecken zu bleiben oder Verletzungen. Als die Sandwege hinter uns lagen, war ich mächtig stolz auf mich und freute mich riesig über den Applaus den ich bekam und die netten Worte durchs Walkie Talkie:  „Good Job Group 4“.  Endlich kamen wir am Meer an, wo wir hinter ein Paar Dünen unsere Zelte aufbauten und unser Dinner vorbereiteten. Als es dunkel wurde, packten manche die silbernen Plastikbeutel aus, zu denen  jeder Backpacker eine Hass-Liebe empfindet: Goon- der ekelhafteste "Wein", den es auf Erden gibt, aber daher auch schön billig. Man lernte in lustiger Runde alle Leute kennen und lachte und tanzte bis spät in die Nacht. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen wuschen wir unser Geschirr im Ozean und sprangen in unsere Autos um in den nächsten ereignisreichen Tag zu starten. Wir fuhren auf den breiten weißen Stränden, hängten unsere Köpfe aus dem Fenster und jubelten vor Glück. Unser erster Halt war ein Bach, der am Strand mündete und in allen möglichen Grün- und Blautönen zwischen dem satten Busch hervorschimmerte. Über einen Holzsteg gelangte man in das Wasser, wo wir uns einfach auf den Rücken legen und uns bis zur Mündung treiben lassen konnten, während wir nichts weiter taten, als in den hellblauen Himmel zu schauen. Am Strand schossen wir dann die ersten Gruppenfotos mit unseren geliebten Autos und bauten die typische Menschenpyramide, wo ich zum Glück ganz oben sein durfte. Auf dem Rückweg erklärte sich Lisa als nächste Fahrerin, was damit endete, dass unser Auto fast auf der Seite lag, als sie schräg den Hang am Straßenrand der tiefen Sandwege hochfuhr. Ich guckte sie vom Beifahrersitz erschrocken an und anstatt durch ihr Fenster die Bäume zu sehen, sah ich den Boden. Das war zwar krass, soll aber nicht  heißen, dass sie eine schlechte Fahrerin ist, da wie schon erwähnt, das Fahren dort ziemlich ziemlich anspruchsvoll ist. Auch andere Autos aus unserer Karawane hatten so ihre Probleme. Eine Fahrerin rammte sogar einen Baum und brachte das Auto fast zum Umkippen und ein anderer Fahrer ließ das Auto festfahren. Doch wir schafften es zum Glück alle unverletzt zu unserem nächsten Halt. Diesmal kletterten wir eine der höchsten Klippen auf Fraser hinauf und ruhten uns an ihrer Spitze aus. Von dort blickten wir auf die paradiesische Insel und entdeckten sogar Delfine in dem türkisen Wasser. Diese gewaltige Schönheit der Insel ergriff mich, sodass ich nur da saß und in diesem Moment nichts anderes gebraucht hätte außer mich, Luft und diese Aussicht um rundum glücklich zu sein. Ich wäre dort gerne länger geblieben, doch auf Fraser gab es noch so viel mehr zu sehen. An einem dieser weißen Strände liegt bis heute ein Frack von einem alten, großen Schiff, das man sich aus nächster Nähe anschauen kann. Dann gibt es dort noch die so genannten „Champagne- Pools“, wo sich das sprudelnde Meerwasser in großen Löchern in den Steinen am Meer sammelt. Entstanden sind sie durch die Wellen, die ständig über die Felsen rüber spritzen und die Pools mit frischem Wasser versorgen.  Der Abend an diesem Tag war unter anderem einer der schönsten Abende in Australien. Es war mal wieder Goon-Time und wir spielten viele Gemeinschaftsspiele. Nach dem Tanzen und dem Spielen gingen wir alle an den Strand und legten uns in die Dünen und blickten in die sternenreiche Nacht. Der Sternenhimmel ist in Australien unbeschreiblich faszinierend-  ich werde es nie satt davon zu erzählen, da es immer wieder das Wunderschönste ist, das ich je gesehen habe. Milliarden von strahlenden Sternen bedeckten den Himmel von dem unzählige Sternschnuppen herunterfielen. Im silbernen Licht dieser Nacht forderte uns unser Leader zum Moonwalk im Sand auf und toppte damit alles! Denn sobald wir den Sand mit unseren Füßen zur Seite schoben, spiegelten sich "die Sterne" darin wieder. Natürlich waren es nicht die echten Sterne, aber ihr müsst euch vorstellen, dass es tatsächlich im Sand blau leuchtete, denn durch unseren Tanz berührten wir Bakterien, die dadurch anfingen zu leuchten und das sah aus wie ein blaues Meer aus leuchtenden Diamanten. Den nächsten und letzten Tag auf Fraser verbrachten wir an einem der schönsten Seen der Erde, dem Lake McKenzie. Er besteht nur aus Regenwasser und ist so klar wie Glas, dass man beim Schwimmen bis zu vier Meter in die Tiefe gucken kann und auch beim Tauchen alles um sich herum erkennt. Was den so noch so besonders atemberaubend macht, ist sein blendend weißer Strand, wo wir den ganzen Tag verbrachten. Auf dem Rückweg zur Fähre mussten wir über halb Fraser zurückfahren und so konnte man in Ruhe von dieser beeindruckenden Insel Abschied nehmen. Wieder in Rainbow Beach angelangt,  feierten wir mit allen den Abschied bei einem feucht-fröhlichen Karaokeabend im Hostel. Mal wieder hatten wir tolle Leute kennengelernt von denen es uns schwer fiel Abschied zu nehmen. Den letzten Tag in Rainbow verbrachten wir am Strand und am Pool, wo wir die Zeit nochmals Revue passieren ließen und darüber lachen mussten, wie wir unsere Truppe auf Trab gehalten hatten mit unseren wilden Tänzen im Auto, dass sie schließlich alle aus ihrer Komfortzone rauskamen und mit uns Spaß hatten und alle Nicht-Deutschen nun „Prost“ sagen konnten. Doch mal wieder rief der Greyhoundbus, diesmal nach Airlie Beach und immer, immer weiter in den heißen Norden Australiens und immer, immer näher an den Äquator. Nach einem kurzen Stop in Hervey Bay folgte eine lange Nachtfahrt.