1. Sydney

Endlich landeten wir in Sydney! Kaum waren wir aus dem Flughafen draußen wurden alle, die mit Praktikawelten geflogen waren, von einem Shuttlebus abgeholt und durch die Stadt zum Hostel kutschiert. Auf dieser Fahrt wurde ich direkt mit neuen Eindrücken konfrontiert und ich wusste kaum, wo ich zuerst hingucken sollte. Die Straßen, die Häuser, DIE SKYLINE- allein diese Fahrt machte mich so glücklich- endlich war ich angekommen und das Abenteuer konnte beginnen! Als wir am Hostel ankamen wurden wir in Gruppen aufgeteilt. Die einen durften in dem Hostel bleiben, die anderen mussten weiter zu einem anderen. Und dazu gehörte auch Lisa. Ich weiß noch wie sie mit ihrem Rucksack aufgeschnallt dort stand  und als sie ihren Namen hörte eine dicke Schnute in meine Richtung machte. Nein, wir wollten nicht getrennt werden! Doch wir wussten, dass wir zusammen als Gruppe unsere Bankaccounts eröffnen würden und Treffen in der Agentur hatten. Also fügten wir uns zunächst unserem Schicksal und checkten in unsere Hostels ein. Da noch viel vom Tag übrig war beschlossen ein paar Mädels aus meinem Zimmer und ich direkt mal Sydney zu erkunden. Das wichtigste nach einem so langen Flug ist erstmal den Jetlag loszuwerden. Man muss es schaffen am ersten Abend im neuen Land müde zu sein um direkt deren Schlafrhythmus mitzumachen. Das heißt also, dass man trotz unerträglicher Müdigkeit, tagsüber nicht schläft! Also war der Plan, am Ankunftstag eine Seightseeingtour zu machen, gar nicht mal so dumm, denn im Laufen kann man bekanntlich nicht schlafen. Wir erkundeten die Umgebung vom Opera- House und als ich dann dort an der Oper stand und die Sonne auf mein Gesicht schien, die Harbourbridge am Horizont und der Blick auf die Hochhäuser im Hafen, hatte ich zum ersten Mal diesen WOW- Effekt. Dies ist ein Moment in dem ich nicht fassen kann, wie schön alles ist. Was mich in diesem Moment durchströmt ist dann pure Zufriedenheit und ich könnte mich nicht glücklicher fühlen. Diese Momente sollte ich noch öfter haben. In diesem einen  Moment aber, genoss ich die Gegenwart so sehr, dass ich  nicht an die ungewisse Zukunft dachte. Ich ließ meinen Blick über den Hafen schweifen, eine Etage unter uns spielte jemand live auf einer Gitarre und die Menschen saßen draußen und lauschten den Gitarrenklängen und tranken ihren ersten Cocktail. Die Oper neben mir leuchtete weiß im Sonnenschein, das Wasser glitzerte und die Möwen flogen mir durch's Bild. Es war atemberaubend schön!

Später kauften wir für's Abendessen ein und da erlebte ich zum ersten Mal, wie schwer es ist so einzukaufen, dass man nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Essen hat, denn die Aufbewahrung in den Kühlschränken der Hostels ist nur beschränkt möglich. Da wurde mir bewusst, dass ich nun das erste Mal so richtig auf mich allein gestellt war. Am nächsten Tag trafen wir uns mit den Leuten der Agentur und sie halfen uns einen Bankaccount zu erstellen, den richtigen Handyvertrag zu finden und stellten uns reduzierte East-Coast- Trips vor. Ich war froh, dass ich mich nicht um das alles alleine kümmern musste, ich war noch viel zu sehr mit den ganzen Eindrücken beschäftigt. Zum Glück sah ich auch Lisa wieder und wir konnten endlich unsere neuen australischen Handynummern austauschen. Wir beschlossen, dass wir ab hier gemeinsam reisen würden und planten mit den Angeboten der Agentur, die Ostküste hoch bis nach Cairns zu bereisen. Nun war klar, dass ich sie nicht so schnell wieder gehen lassen würde und sie schien das selbe über mich zu denken. Die nächsten Abende und Tage verbrachten wir deshalb natürlich zusammen und sie zog dann auch in mein Hostel und konnte sogar das Bett über mir beziehen. An einem etwas regnerischen Tag zogen wir los und besichtigten den Bondi Beach, einen der bekanntesten Strände Sydneys. Kaum waren wir angekommen kam die Sonne raus und wir saßen einfach nur im weichen Sand, blickten auf's Meer hinaus und beobachteten die Surfer. Es war zwar noch nicht so warm, aber die Füße dippten wir dann doch mal in das kühle, salzige Nass. Ich fühlte mich so frei, so weit weg von all den Problemen Zuhause, dass ich das Gefühl hatte meine Sorgen wären einfach weg geflogen. Ich hatte kein Heimweh, kein Liebeskummer, keine Zukunftsängste- Nichts! Ich war einfach nur glücklich, wie es war, was mich selber überraschte. Ach Sydney ist einfach so eine schöne Stadt, mit ihren Parks mitten in der Großstadt und den vielen zahmen und exotischen Tieren darin. Diese Vereinigung von Natur und Stadtleben, auf der einen Seite diese Ruhe und auf der anderen ist immer was los, genau das machte, dass ich mich direkt in diese Stadt verliebte. Die Australier sind so gelassen und immer freundlich und hilfsbereit, vor allem offen gegenüber Fremden, dass ich einen richtigen Hass auf die Spießigkeit und Verschlossenheit der Deutschen entwickelte. Zum Glück war das alles weit weg!  An einem der nächsten Tage nutzten wir ein kostenloses Ticket unserer Agentur für eine der Bootstouren zu einem anderen Strand. Wir hatten keine großen Erwartungen und wurden komplett überrascht von dem, was uns am Ziel geboten wurde. Das Boot fuhr uns zum sogenannten Watsons Bay, wo es einen kleinen Strand gab und einige sehr hübsche Restaurants direkt dahinter. Daneben führte ein Pfad durch einen kleinen Park und einen Hügel hoch, dem wir gespannt folgten. Aufeinmal erstreckte sich das offene Meer vor uns und wir standen auf einer Klippe, an der es einige Wanderwege zum Erkunden gab. Wir liefen dort entlang, sahen in der Ferne die Skyline von Sydney und harrten einen Moment lang aus um die Aussicht zu genießen. Wieder einer der Wow- Momente. Als die Sonne dann schließlich unterging beendete sie einen wundervollen Tag und ich war gespannt auf unsere Tour die Ostküste hoch, die bald starten würde..