13. Alice Springs

Viel zu früh morgens klingelte der Wecker in unserem Zimmer in Melbourne. Jetzt mussten Sachen fertig gepackt und alles sauber gemacht werden. Noch im Dunklen stiegen wir in den Shuttlebus ein und fuhren ein letztes Mal durch StKilda und die Innenstadt Melbournes. Ich war so aufgeregt und freute mich unglaublich nach zwei Monaten endlich wieder zu reisen. Es war ein Gefühl von Vorfreude auf Urlaub im Urlaub und der Freude aufs Fliegen. Ich ergatterte in unserem Flugzeug einen Fensterplatz  und konnte die Handykamera kaum aus der Hand legen. Die Aussicht war einfach fantastisch. Schon meilenweit vor Alice Springs fing die rote Wüste an und ab und zu sah man schwarze Berge, ausgetrocknete Salzseen und dunkelgrüne Pflanzen. Das Wetter war hervorragend und die Sonne erhitzte diesen Teil des Landes viel viel mehr als im Süden. Als wir ausstiegen kam uns eine solche Hitzewelle entgegen, sodass die langen Hosen gleich in die Taschen gepackt wurden und wir luftige kurze Hosen anzogen. In den letzten Wochen in Melbourne war es immer kälter geworden, da es auf den australischen Herbst zuging, und so waren wir froh über die Hitze. Bisher waren wir immer der Sonne hinterhergereist, was auch der Grund für unser Verlassen Melbournes war. Zum Glück mussten wir am Flughafen in Alice Springs nicht lange warten und wurden in einem kühlen Bus zu unserem Hostel chauffiert, das wohl einzige Hostel dort. Klein, aber dennoch mit eigener Bar , Pool und sauberen bunten Zimmern. Nach dem Flug kam uns eine Runde schwimmen ganz gelegen, sodass wir den ganzen Tag am Pool lagen und eine Runde durch Alice Springs liefen. Die Kleinstadt in der Mitte Australiens, hat eine „Innenstadt“, die ziemlich klein ist. Es gibt dort zwischen all den kleinen Kneipen und Aboriginal- Läden zwei große Supermärkte, Dominos- Pizza, McDonalds und K-Mart. Drumherum liegt die Wüste mit roten Felsbrocken, an denen sich ein ausgetrockneter Fluss vorbeischlängelt. Es war wunderschön, aber viel zu heiß, voller Fliegen und überall lagen betrunkene Aboriginals. Kennt man die Geschichte Australiens, so tun einem diese Menschen leid, denn immerhin wurden sie in ihrem Land in die Mitte der Wüste verdrängt und sind in den Städten an der Küste nicht gerne gesehen. Ich habe nicht verstanden warum auch noch heutzutage kein gemeinsames Leben an einem Ort möglich ist, doch in Alice verstand ich es. Klar, es mag auch andere Aboriginals geben, aber alle, die ich bisher gesehen hatte, lagen volltrunken am Rand der Straßen und pöbelten die vorbeigehenden Menschen an. Natürlich ist es schrecklich, was mit diesem Volk geschah, aber deshalb muss man ja nicht gleich assozial werden und sich selber so tief sinken lassen. Das war leider sehr traurig mit anzusehen, aber was sollten wir machen?! 

Am nächsten Morgen mussten wir wieder früh raus, um die gebuchte Outbacktour in einer größeren Gruppe zu starten. Um 6 Uhr standen wir dann alle vor der Rezeption parat und hörten den Guides zu, die sich einzeln vorstellten. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt und kleinen Bussen zugeordnet, die aussahen wie ziemlich coole staubige Schulbusse. Unser Guide war ein Australier, hieß Chris und sah dem Schauspieler Zach Galifianakis, „Alan“ in dem Film „Hangover“ , ziemlich ähnlich. Er war mindestens genauso witzig und gutgelaunt drauf und sang in den folgenden Tagen immer laut mit, sobald Musik lief. Wir fuhren eine lange Strecke durch das rote Outback und hörten "Roadtrip"- Musik, wie ich es nenne. Chris hatte uns zu Beginn der Fahrt wasserlösliche Stifte gegeben, mit denen jeder sein eigenes Fenster bemalen sollte und so waren wir erstmal alle beschäftigt. Als Chris ein Känguru auf der Straße liegen sah, stieg er aus, zog es beiseite in den Busch, als ob es das Normalste der Welt wäre. Für ihn war es das wahrcheinlich auch, denn er ist im Outback aufgewachsen und verbrachte auch viel Zeit dort draußen und trank zwischen 6-8 (!) Liter Wasser pro Tag, wie er uns später erzählte.  Er drängte uns deshalb dazu ebenfalls viel zu trinken, da es in der roten Wüste ziemlich gefährlich sein kann mit nur wenig Wasser. Das führte allerdings dazu, dass wir oft aufs Klo mussten und uns teilweise in das karge Buschland am Rand der Straße hocken mussten. Jedesmal hatte ich Angst, dass mich eine Schlange in den Po beißt. Unser erstes Ziel war eine Kamelfarm, bei der man auf Kamelen reiten, etwas über ihre Geschichte in Australien lesen und Emus, Dingos und Kängurus angucken konnte. Der Ritt auf den Kamelen war allerdings zu teuer und die Tiere taten mir leid, da sie mit dicken Stricken, die an einem Stab durch deren Nase führten, festgebunden waren. Wir stiegen alle wieder in den Bus und fuhren zu einem Punkt am Straßenrand, von dem aus man einen Berg von Weitem sehen konnte. Dieser ragte grau-rot am Horizont in die Luft und war damit der einzige Hügel in diesem sonst flachen Land. Chris malte dessen Umrisse in den rostroten Sand und erklärte ein wenig über dessen Geschichte. Danach brachte er uns ein paar Aboriginal Symbole bei, die man oft in deren Gemälde oder Wandbemalungen sieht. Es war ziemlich interessant die australische Geschichte auf diese Weise kennenzulernen und nicht nur Großstädte und das moderne Leben zu sehen. Doch noch mehr freute ich mich über den nächsten Halt am Ayers Rock, bei dem man doch tatsächlich Eintritt bezahlen musste. Schon lange vor dem Eingang sahen wir den berühmten roten Felsen durch die Fenster des Busses. Wir fuhren ganz nah an ihn ran und stiegen aus, um erstmal ein Kulturcenter über die Aboriginals anzuschauen und dann eine kleine Wanderung um einen Teil des Berges zu unternehmen. Insgesamt kann man 11 km um den Uluru, das ist der einheimische Name, herumlaufen. Wir schafften in der Hitze aber nur 2 km und blieben dafür umso öfter stehen, um echte Wandmalereien oder Wasserlöcher anzuschauen. Wieder am Parkplatz angekommen, wurden wir mit kalten Früchten belohnt und machten eine Pause im Schatten. Nicht alle waren zur selben Zeit am Treffpunkt angekommen, deswegen warteten wir und warteten und warteten. Nach einer halben Stunde beschloss Chris nach den Anderen zu sehen, denn ein Mädchen aus unserer Gruppe hatte ein verletztes Bein und war immernoch nicht mit ihren Freunden aufgetaucht. Wir warteten eine weitere halbe Stunde bis der Freund des Mädchens angerannt kam. Er war ganz verblüfft als Chris nicht aufzufinden war, denn er wollte ihn darum bitten den Bus zum Startpunkt der Wanderung zurückzufahren, wo seine Freundin in der Hitze und ohne Wasser wartete, denn es war zu schwer für sie gewesen den ganzen Weg zu laufen. Das Problem war nur, dass es nur einen einzigen Weg um den Uluru gab und Chris und ihr Freund sich hätten begegnen müssen. Also warteten wir bis Chris hoffentlich bald zurückkommen würde, und nach einer weiteren halben Stunde kam dieser wieder angejoggt. Niemand wusste warum sich die beiden verpasst hatten, aber jeder wusste, dass wir schnell zu dem verletzten Mädchen zurück mussten. Wir kehrten um und sammelten die noch fitte Franzosin ein. Dann umrundeten wir den Rest des Berges mit dem Bus und schauten zu wie die sinkende Sonne den majestätischen Berg orange färbte. Wir stoppten an einem Aussichtspunkt ,ein paar Kilometer entfernt vom Ayers Rock, und öffneten die Sektflaschen. Während dem Sonnenuntergang hinter den Bergen „Kata Tjuta“ prosteten wir uns zu und machten tausend Fotos mit dem Ayers Rock der von der Sonne mittlerweile tief rot leuchtete. Wir sahen sogar ein australisches Reptil, den Dornteufel, der wohl nur im Outback vorkommt und wie ein kleiner Drache aussieht. Schon bald konnte man wegen der aufgehenden Dunkelheit nichts mehr sehen und deswegen fuhren wir über die unbeleuchteten Straßen zu unserem ersten Camp. Dort wurde das Dinner vorbereitet und die Swags aufgebaut in denen wir schlafen sollten. Sie sind wie Schlafsäcke nur größer, schwerer und an den Seiten höher, sodass keine Tiere herein krabbeln können, während man auf dem Boden schläft. Unter freiem Himmel zu liegen, im Outback Australiens, bei einer nächtlichen Temperatur von über 27 Grad, ist das Schönste was man vor dem Einschlafen machen kann, denn man sieht den atemberaubensten Sternenhimmel, den zumindest ich noch nie vorher gesehen habe. Natürlich habe ich schon wahnsinnig volle Sternenhimmel in Australien beobachtet, wovon ich auch jedes Mal berichtet habe, aber dieser war mit Abstand der Schönste in meinem bisherigen Leben. Man kann dort im Outback die komplette Milchstraße sehen, unzählige Sterne an einer Stelle, sodass eher ein weißer Streif am Himmel, anstatt einzelne Sterne,  zu sehen ist. Der Mond schien ebenfalls so hell wie noch nie und ich zwang mich meine immer wieder zufallenden Augen aufzuhalten, weil ich nie wieder aufhören wollte nach oben zu schauen. Schließlich schlief ich doch ein, denn der Tag war sehr anstrengend und aufregend gewesen. Um 4:30 wurden wir jeder einzelne von uns mit einem „good morning little one“ geweckt und wir frühstückten zusammen in unserer Camphütte. Im Dunklen fuhr unser Bus los zu einem Aussichtspunkt von dem wir den Sonnenaufgang über dem Ayers Rock ansehen konnten. Ganz weit blickten wir über das flache Land und die Sonne ließ sich reichlich Zeit hinter dem Uluru aufzutauchen, sodass wir auch hier genug Zeit für Fotos hatten. Diesmal wurden die Kata Tjutas, eine Bergkette, angestrahlt und leuchteten ebenfalls in einem dunklen rot. Mit jedem Sonnenstrahl mehr wurden aber auch die lästigen Fliegen mehr, so zischten wir schnell wieder in den Bus sobald die Sonne aufgegangen war. Noch vor der Lunchtime fuhren wir für eine Wanderung zu den Kata Tjuta. Die Felsen konnte man nur mit viel Energie und guten Schuhen betreten, da jeder Weg hoch und runter ging und ziemlich steinig war. Knapp 6 Kilometer wanderten wir schon am Vormittag durch die felsige und wunderschöne Natur. In den Schluchten der Berge fühlte man sich so klein und ich hatte ziemlich Respekt vor den steilen roten Wänden, die um mich herum ewig in die Höhe ragten. Wir kletterten bei der Hälfte des Weges auf einen kleineren Hügel und hatten eine fabelhafte Aussicht auf andere Berge, und einem Tal was in das flache Outback mündete. Ich hätte Stunden dort verbringen können, einfach dort sitzen, die frische Luft einatmen und jedes kleine Detail der Landschaft betrachten. Doch die Sonne stieg höher und höher, sodass es immer heißer wurde und wir mussten ja noch knapp 3 Kilometer zurück über Stock und Stein. Also machten wir uns auf den Weg und wurden währenddessen von den Fliegen so sehr belästigt, dass ich mein Top bis über die Nase hochziehen musste und trotz Hitze die Haare auf ließ. Komischerweise gingen die Viecher aber in den ganzen 3 Tagen mehr auf Lisa los anstatt auf mich. Trotz der Fliegen war der Trip toll und machte uns alle hungrig. Es ist ein gutes Gefühl vor dem Essen früh morgens etwas Fabelhaftes erlebt zu haben, denn das gibt einem so viel positive Energie für den Rest des Tages. So legte ich mich nach dem Mittagessen im Camp erstmal zum Sonnen nach draußen und wartete auf die Weiterfahrt. Als nächstes fuhren wir in Richtung 2. Camp und hielten auf dem Weg am Rand eines kleinen Waldes mit vielen toten Bäumen an. Dort sammelten wir Holz für das spätere Lagerfeuer und Chris buddelte bis zu den Wurzeln der Bäume, um nach diesen weißen Riesenmaden zu suchen, die sich in den Wurzeln befinden. Leider fand er keine, aber ich hätte auch nicht gerne gesehen wie jemand das wirklich isst, denn wir hatten ein paar Kerle dabei, die das lebende Protein in den Mund geschoben hätten. 

Angekommen im Camp wurde das Lagerfeuer angemacht und Chris bereitete Teig für ein typisches Australisches Brot vor. Dieses wurde ganz traditionell in einen Topf geworfen und auf heiße Asche gestellt. Dort buk es knapp 2 Stunden, während wir einen kurzen Marsch zu einem naheliegenden Hügel unternahmen. Dort schauten wir uns den nie langweilig werdenden Sonnenuntergang an und beobachteten erneut die rot werdenden Berge in der Ferne. Dann gab es endlich das australische BBQ, bei dem es Kamel- und Känguru Burger gab. Ich hatte schon einmal einen Happen Känguru probiert und fand es lecker, weshalb ich dieses Fleisch auf jeden Fall nochmal aß. Kamel war allerdings neu für ich, schmeckte mir aber nicht so gut, denn es war für meinen Geschmack zu streng schmeckend.  Das frische selbstgebackene Brot wurde mit dazu serviert und schmeckte einfach himmlisch- viel besser als deutsches Stockbrot. Zum Nachtisch steckten wir Marshmallows an Stöcke und brachten diese über dem Lagerfeuer zum Schmelzen. Wir ließen den Tag gediegen ausklingen bis uns Chris wieder auf den Hügel in der Nähe unseres Camps schleppte, um weg von den Lichtern zu kommen, denn der Sternenhimmel war in dieser Nacht besser als in der davor. Ich sah ein paar Sternschnuppen und die Milchstraße überzog den gesamten Himmel- es war das Schönste was ich jemals gesehen hatte! Chris erklärte uns viel über die Sternenbilder, unsere Galaxie und wie man Himmelsrichtungen bestimmt. Auch diese Nacht schliefen wir in den Swags und ich blickte lange nach oben und dachte über all das nach, was unser Guide uns erklärt hatte. Die Flammen des Lagerfeuers flackerten noch immer mehrere Meter neben mir, als ich in einen tiefen Schlaf fiel. Wieder wurden wir um 4 Uhr nachts geweckt und erfuhren, dass mehrere Skorpione in der Nacht an unser Lagerfeuer gekommen waren, während wir seelig geschlafen hatten. Leider hatte uns niemand geweckt, ich hätte gerne mal welche live gesehen. Nach dem Frühstück fuhren wir eine halbe Stunde zum Kings Canyon, mehreren Bergen mit einer riesigen Schlucht. Noch vor Sonnenaufgang bestiegen wir den Berg und setzten uns an den Rand der Berge um die Sonne zu beobachten, wie sie langsam alles erhitzte und die Landschaft um uns in goldenes Licht tauchte. Als sie über den Berg blitzte wanderten wir weiter zwischen Felsen und an Schluchten vorbei. Teilweise sah es aus wie auf einem anderen Planeten und ich schoss so viele Bilder wie ich es zuvor noch nie gemacht hatte. An einem Rand einer Klippe bot Chris uns an Bilder zu machen, die ein wenig abenteuerlich waren. Dazu mussten wir uns auf den Rücken legen und so weit rücken, bis unsere Köpfe über den Rand der Klippe hinaus ragten. Unter uns ging es 20m in die Tiefe und ich hatte einen wahnsinns Adrenalin Schub, aber strahlte übers ganze Gesicht, während Chris meinen Körper zwischen seinen Füßen festklemmte und Fotos von oben machte. Den Rest des Weges wanderten wir zu mehreren Schluchten hinunter und wieder hinauf bis wir zu einer ganz Besonderen kamen, genannt “Garden Eden“. Zwischen den Felsen wuchsen leuchtend grüne Bäume und ein kleiner See mit glasklarem Wasser befand sich ebenfalls dort. Viele kleine weiß-grüne Vögel flogen aus den Löchern der Klippen heraus und kamen ganz nah an uns heran, während sie ihr Lied zwitscherten. Ich sah sogar kleine braune und grüne Frösche die fröhlich zwischen unseren Füßen umher hüpften- es war ein verborgenes Paradies! Um 11 Uhr Vormittags hatten wir dann schon 8 Kilometer hinter uns gelassen und wurden mit unserem Bus zurück zum Camp gebracht. Dort wurde das Mittagessen eingenommen, bevor wir die Rückreise antraten. Der Weg nach Alice Springs dauerte mit unserem Bus mehrere Stunden in denen ich die ganze Zeit die Landschaft bewunderte, während Chris Classic Rock spielte. Kleine Windrosen, weit entfernter Lagerfeuer-Rauch von den Aboriginals und Wüstenpflanzen waren zu sehen. Der blaue Himmel hatte kaum eine Wolke vor sich, sodass die Sonne mit mir um die Wette lächelte. Kurz vor Alice hielten wir an dem berühmten Stadtschild in roter Felsform an und machten Gruppenbilder. Schon wieder waren die Tage viel zu schnell vorbeigegangen und ich war ein wenig traurig das rostrote Herz Australiens auch schon wieder bald verlassen zu müssen . Nachdem ich mir, zurück im altbekannten Hostel in Alice, den roten Sand vom Körper gewaschen hatte trafen wir uns alle in der hauseigenen Bar und tranken Bier und aßen Pizza. Viele Gruppenspiele wurden gespielt und wir hatten viel Spaß zusammen. Wir hatten wieder tolle Leute in den paar Tagen kennengelernt und mussten uns nun mal wieder verabschieden. Nur noch eine weitere Nacht blieben wir in dem Hostel und verbrachten den nächsten Tag in der Nähe des Pools im Schatten. Als ich die ganzen Bilder durchging wurde mir klar, dass nur noch ein einziger neuer Stop vor mir lag, bevor es von Sydney aus wieder nach Hause ging- Darwin!