9. Brisbane 2.0

Angekommen in der altbekannten Großstadt, checkten wir in das luxeriöse und viel zu überteuerte Hostel ein. An dem Wochenende unserer Ankunft fand ein Musikfestival in Brisbane statt, sodass jedes Hostel ausgebucht war und wir kurz vor der Arbeit verzweifelt Anrufe machten. Für 40$ die Nacht fanden wir eines für das Wochenende und nahmen uns von unserem frisch verdienten Geld nach der Arbeit ein Taxi dorthin.  Für so viel Geld erwartet man ein schönes Hostel, wie das die Nacht davor, aber unseres war das Geld absolut nicht wert. Im Treppenhaus begegnete uns ein betrunkener Typ der dort in die Ecke pinkelte und auch die Küche war mindestens genauso ekelhaft. Überall waren assoziale Leute, es stank und Lisas Raum war vollgemüllt. Da alles ausgebucht war, lebten wir an diesem Wochenende in getrennten Zimmern und ich hatte im Gegensatz zu ihr Glück mit meinem Raum. Ich hatte einen Fernseher, ein eigenes Bad und Kühlschrank, was ich mir aber mit fünf Jungs teilen musste. Die waren jeden Abend, wie alle anderen im Hostel, fleißig am trinken und versuchten mich dazu zu überreden mitzumachen. Allerdings musste ich sehr früh aufstehen um dann den ganzen Tag  vor einem Supermarkt zu stehen und Spenden zu sammeln. Nach den drei Nächten dort waren wir beide froh in unser liebstes Hostel einzuchecken, indem wir das letzte Mal in Brisbane untergebracht waren und wo ich Nicki kennengelernt hatte: Das Citybackpackers. Zufälligerweise war auch Nicki zu der Zeit wieder dort, der zwischenzeitlich auch die Ostküste hochgereist war. Dort machten wir am ersten Abend mit ihm und anderen bei einem Biertrinkspiel in der Hostelbar mit und wurden als Gruppe voller Deutscher sogar zweite. Es gab ja auch was zu feiern: endlich wieder ein Bett in einem schönen Hostel und das für mehrere Nächte, einen gut bezahlten Job und Weihnachten vor der Tür. Wir hatten vor wieder in das nur zwei Stunden entfernte Byron Bay zu fahren, dort Weihnachten zu verbringen und schließlich für Silvester wieder in Sydney zu sein. Wir kümmerten uns um alles von Brisbane aus und waren froh wieder einen Plan zu haben. Zwei Wochen lang verbrachten wir in Brisbane, arbeiteten tagsüber sehr viel und genossen Abends das Hostelleben. Eines Tages landete ich in einem kleinen Kaff vor Surfers Paradise um dort vor einem Supermarkt zu arbeiten.  Ich stand dort und entdeckte plötzlich ein bekanntes Gesicht zwischen all den Leuten. Und neben dem Jungen, den ich gesehen hatte, ein zweites Bekanntes. Da kamen mir doch grinsend Max und Philipp entgegen, die mit mir in Frankfurt gearbeitet hatten- Was ein Zufall, dass ausgerechnet ich zu diesem Spot gebracht wurde. Noch voll geflasht saß ich abends im Auto, was mich zurück nach Brisbane brachte. Und hier ist es eigentlich interessant zu erzählen wer da so am Steuer saß bei meinem Job. Es gab vier verschiedene Autos, die jeden Morgen mit uns Sammlern losfuhren und mein Fahrer war an diesem Tag der Drogenjunky schlechthin. Er war so gut wie immer auf irgendwelchen Pillen und als er uns erzählte, dass er die Straße nicht sieht, sondern hört, hatte ich ein wenig Angst. Doch wie ihr merkt habe ich diese Fahrten auch überlebt. Eine kleine witzige Geschichte muss ich hier mal anhängen, denn sie bringt mich noch jetzt zum lachen: Lisa und ich gingen auf der Suche nach Waschmittel durch den Coles, einem australischen Supermarkt. Als wir die Abteilung für Putzzeug & co fanden fiel ihr die Entscheidung schwer, welches Wachmittel wohl das Beste sei. Deshalb nahm sie eine große Flasche aus dem Regal, öffnete diese und wollte daran schnüffeln. Sie hielt ihre Nase ganz nah an die Öffnung und drückte auf die Tube um den Duft in die Nase zu bekommen. Dabei spritzte sie sich eine große Menge blaues Waschmittel in Auge, Nase und Mund. Ihr hättet mal ihr Gesicht sehen sollen, wie erschrocken sie guckte und anfing zu schreien weil das Zeug in ihren Augen brannte. Schadenfroh wie ich bin, musste ich so lachen, dass ich sie nicht ernst nehmen konnte. Als ich mich beruhigen und wieder normal atmen konnte, lief ich zu dem Gang mit dem Klopapierrollen, riss eine Packung auf und brachte sie ihr, damit sie sich ihr Gesicht sauber machen konnte. Die blaue Sauerei war weg, mein Grinsen blieb. Trotz der vielen Arbeit hatten wir eine tolle Zeit im Citybackpacker Hostel, was mein absolutes Lieblingshostel in Australien ist. Es ist groß, hat seine eigene Bar und einen mega Ausblick auf den Brisbane River und die Skyline. Besonders Abends fühlt man sich wie auf einem Dach eines der Hochhäuser, von dem aus man all die bunten Lichter der Stadt sehen kann. Weil ich diesen Ausblick so liebte, verbrachte  ich so gut wie jeden Abend auf der Terrasse mit Freunden. Egal wie viel Schlaf mir fehlte, es musste meistens einfach sein. Denn bei so vielen Stunden stehender Arbeit, hat man schnell das Gefühl etwas von dem Tag zu verpassen, wenn man nicht wenigstens Abends etwas unternimmt. So raffte ich mich auch ein paar mal auf, um nach der Arbeit noch joggen zu gehen. An meinen wenigen freien Tagen beschäftigte ich mich dennoch lieber mit Dingen, zu denen ich sonst nie kam.. Ich holte Lisas Weihnachtsgeschenk, ging in die Bibliothek oder an die Lagoone. Die Zeit dort ging viel zu schnell um, plötzlich war der letzte Abend da: Lisa und ein Mädchen von unserer Arbeit machten Party im „DownUnder“. Wir entdeckten zwei Typen mit einem leuchtend grünen Getränk in einer durchsichtigen Plastikdose und ich fragte die beiden was das denn sei. Daraufhin nahmen sie uns mit an die Bar und gaben uns ein solches Getränk aus. Ich unterhielt mich eine Weile mit dem einen, bzw . er sich mit mir, da ich die typischen Gespräche „wo kommst du her? / Wo warst du schon überall?/Wo willst du als nächstes hin?“ eindeutig satt hatte. Irgendwann gab er es auf mit mir zu reden und wir tanzten lieber mit vielen anderen Leuten. Irgendwann gingen die beiden Typen hinaus und plötzlich wurden wir von allen Seiten angequatscht, was wir uns denn denken würden diesen Kerl nicht mit nach Hause zu nehmen. Angeblich war er ein berühmter australischer Cricketspieler (Ashton Anders oder so), der schon mit 19 Jahren Millionär war. Als ich mit den Schultern zuckte und sagte “ ja und? “ waren sie ganz verblüfft. Also wirklich, was denken sich manche Jungs denn!? Dass Geld ein Grund für uns ist, einen Kerl aufzureißen?! Natürlich war es cool so jemanden zu treffen, keine Frage, aber wenn man denjenigen nicht als berühmte Person kennenlernt, ist es eben nicht so besonders, wie für andere Menschen. Wie auch immer, wir tanzten bis spät in die Nacht und dies blieb eine lustige Geschichte. Auf dem Weg zurück ins Hostel sahen wir viele beleuchtete Weihnachtsbäume, und eine riesige weihnachtliche Lichtershow, die auf ein Haus projiziert wurde. Trotzdem kam noch keine wirkliche Weihnachtsstimmung bei uns auf, was wahrscheinlich an den Hotpants lag, die wir trugen und den hochsommerlichen Temperaturen mitten in der Nacht. Am nächsten Tag wartete der Reisebus, der uns nach Byron Bay brachte, wo wir Weihnachten feiern wollten. Mal wieder folgte ein harter Abschied bei der Fahrt durch die Stadt zur Autobahn. Ich gewöhnte mich nie daran einerseits eine Stadt derartig zu vermissen und andererseits voller Vorfreude auf den nächsten Abschnitt zu sein. Wenigstens stand als nächstes Byron Bay auf unserem Plan, dem Ort wo ich auch heute noch am liebsten bin.