10. Byron Bay 2.0

Wieder zurück in Byron Bay blühte ich vollkommen auf. Weihnachten stand vor der Tür und ich war ganz gespannt auf die neuen Erfahrungen an diesem Tag. Wir lebten in einem wunderschönen Hostel am Ortsrand, in dem es einen Pool gab und viele grüne Palmen. Am 24. Dezember gingen wir an den Strand und frühstückten dort Sandwiches und Smoothies aus einem süßen Eck-Café, während die Sonne heiß auf uns runter prasselte. Weihnachten fing also schon mal ganz anders an, als gewohnt. Wegen der Hitze verbrachten wir den Nachmittag am schönen Hostelpool, bevor es dann zum BBQ an den Strand ging. Dort wimmelte es nur so von Köpfen mit roten Mützen, die allesamt die selbe Idee hatten wie wir, nämlich das Weihnachtsmahl am Grill zu essen. In der Gruppe der vielen Leute trafen wir drei Deutsche, die ich im Citybackpackers kennengelernt hatte und die sich mit ihrer Kiste Bier zu uns gesellten. Der Lachs brutzelte auf dem BBQ Grill, während wir uns im Sand zuprosteten. Schließlich machten wir uns fürs Feiern fertig. Im Club ( „Cheeky Monkeys“ ) kam endlich die gewohnte Weihnachtsstimmung auf.  Zu den typischen Weihnachtsliedern wurde auf den Tischen getanzt und geschunkelt und währenddessen ging der Nikolaus herum und brachte uns Geschenke, wie blinkende Weihnachtsmützen und Gutscheine. Für die Australier ist Weihnachten erst am 25. Dezember und deshalb wurde um kurz vor zwölf ein Countdown an die Wand gestrahlt bei dem wir alle laut mitzählten.  Als dieser abgelaufen war, rasteten alle aus, es war wie an Silvester, denn alle grölten und umarmten sich. Ich weiß ja, dass Australier Weihnachten lieben, da sie hier alle Wochen vorher mit Christmas- Jumpern herumlaufen und die Frauen Christbaumkugel-Ohrringe tragen , aber dass es auch in den Clubs so weihnachtlich zugeht hätte ich nicht gedacht.

Totmüde fielen wir an diesem Abend ins Bett, mit dem Wissen, dass wir nicht lange schlafen würden, denn wir hatten vor morgens früh aufzustehen, zum Leuchtturm zu laufen und den Sonnenaufgang anzuschauen. In der Zeit in Byron versuchte ich es mehrere Male um 4 Uhr aufzustehen und zum Leuchtturm zu laufen, aber entweder scheiterte es daran, dass ich einfach liegen blieb, oder die anderen verschliefen. Aber wer konnte uns das verübeln, da Lisa nur zwei Tage in Byron Bay bleiben wollte und wir daher jeden Abend in den Bars unterwegs und dementsprechend müde waren. In einer solchen Nacht trafen wir Eric und Nico, die mit unserer Agentur mitgereist waren und mit denen wir die erste Woche in Sydney verbracht hatten. Wir freuten uns über das zufällige Wiedersehen und exakt im selben Moment begegneten wir Marc und seinen Freunden, die ich im Citybackpackers in Brisbane kennengelernt hatte. Es war immer wieder toll alte Bekannte wieder zu treffen und das passierte so oft!

Tagsüber fuhren wir mit dem Australier Tom und seinen Freunden zu einem Wasserfall in der Nähe von Nimbin. Bei ihm hatten wir im Sharehouse gelebt, als wir das letzte Mal in Byron wohnten. Bei dem Wasserfall sprangen wir wie immer von den Felsen in das Wasser und ließen es uns auch sonst ganz gut gehen. Schließlich kam der Zeitpunkt an dem ich mich zum ersten Mal für mehrere Tage von Lisa verabschieden musste, denn sie ging in das Surfcamp außerhalb von Byron, das sie ganz am Anfang vor ihrer Australien Reise gebucht hatte. Ich wollte so gerne mit, aber blieb vernünftig um mein hart erarbeitetes Geld für den Campervan zu sparen, den wir an Silvester in Sydney als Unterkunft haben sollten. Ich verabschiedete mich von ihr und merkte, dass alles nur halb so spannend ist, wenn man niemanden zum reden hat. Ich hatte zwar die deutschen Jungs und lag den ganzen Tag mit Ihnen am Strand und chillte auf deren Dachterrasse, um den Sonnenuntergang anzuschauen, aber eine Freundin dabei zu haben ist schon was anderes. Auch die nächsten Tage verbrachte ich relaxed am Pool bevor ich wieder in Toms WG- Haus einzog. Da alles ausgebucht war und noch dazu sehr teuer, war das die perfekte Lösung. Es war sehr angenehm aus dem Hostelleben rauszukommen und den Luxus eines normalen australischen Lebens genießen zu können, bzw das Leben in einer australischen Jungs-WG. Am ersten Tag war ich am Strand und ging eine Runde shoppen. Da Lisa nicht da war, und alle anderen entweder nach Nimbin oder Sydney gereist waren, musste ich mich alleine beschäftigen, solange meine Mitbewohner noch arbeiten waren. Ich schlenderte durch Byron, bis ich an einem Tattoo Shop vorbeikam , in dem ich schon einmal mit Lisa einen Piercing kaufen war. Beim Vorbeilaufen kam mir dann der Gedanke ich könnte ja mal nachfragen wie viel so ein Tattoo kosten würde, das mir die ganze Zeit im Kopf herumschwirrte. Ich betrat den kleinen aber bunten Laden, in dem ich direkt freundlich begrüßt wurde. Als ich dem Herrn meine Tattooidee erklärte, nickte er nur und meinte:“ jaja kein Thema, hast du Zeit ?“ . Ich war so verblüfft, denn eigentlich hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht, ob ich es sofort haben wollen würde, ich wollte ja nur erstmal nachfragen. Da ich mich aber wohlfühlte und eh nichts besseres zu tun hatte, willigte ich ein. Ich unterhielt mich die ganze Zeit mit den Tättowierern die sich alle für mich freuten und später auch bei meiner ersten Tättowierung zuschauten. Ich saß auf einem Stuhl und hörte die Nadel bedrohlich brummen, aber erstaunlicherweise tat es kein bisschen weh (ich ließ mir auch nur die Outline von Australien auf den Knöchel stechen) . Es stimmte was Lisa immer sagte : "Der Schmerz ist ein guter Schmerz“. Voller Stolz marschierte ich aus dem kühlen Laden in die Sonne hinaus und konnte es kaum erwarten allen davon zu berichten. Zurück im Haus wurde es von meinen Australiern bewundert, die alle schon mehrere Tattoos hatten. Hier ist es echt nichts besonderes, da so gut wie jeder tättowiert ist, weshalb ich um so stolzer wegen der ganzen Aufmerksamkeit war. Auch Toms Schwester hatte sich am selben Tag eines machen lassen, sodass ich und mein Australien- Tattoo in guten Händen waren. Zur Feier der neuen Verzierungen ging ich mit ihr und Tom zu seinem Vater in das Nachbarhaus essen und bekam dort selbstgemachte Ohrringe geschenkt, die ich noch heute trage und über alles liebe. Die Gastfreundlichkeit der Australier ist grenzenlos und mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn man direkt umarmt wird und aufgenommen wird wie ein neues Familienmitglied. Später am Abend gingen wir dann nochmal in das Zentrum Byrons, wo wir Chai Latte am Strand tranken und auf das schwarze Meer hinausblickten. Neben uns spielte Musik und die Hippies wedelten mit leuchtenden Tüchern in der Luft herum. An meinem letzten Tag in Byron weckte mich Tom viel zu früh auf und schleppte mich an den Strand auf der anderen Seite des Leuchtturms, wo kaum ein Mensch war. Der erste Nachteil an meinem Tattoo: ich durfte nicht ins Meer schwimmen gehen. Weil ich mir aber selten was verbieten lasse und Dinge trotzdem mache wurde ich auch hier kreativ um meine Abkühlung an diesem heißen Tag doch noch zu bekommen. Auf dem Rücken liegend , mein tättowiertes Bein in die Luft gestreckt, kroch ich so weit in das Wasser, dass nur noch mein Bein herausschaute, was wohl sehr amüsant ausgesehen haben muss. Danach gönnte ich mir seit Noosa endlich wieder Nacktsonnen, nachdem Tom zur Arbeit gegangen war. Ich verbrachte den ganzen Vormittag dort in der Sonne und blickte Stunden auf den weißen Sand und das blaue Meer hinaus. Mein Nachmittag sah ungefähr gleich aus , nur dass ich den Strand wechselte und mich an dem anderen mit einer Gruppe anderer Backpacker unterhielt. Nach diesem doch so tollen Tag folgte einer meiner schlimmsten Tage. In der Nacht wurde ich wieder zum Single gekürt, was zwar absehbar aber dennoch schlimm für mich war. Doch das war nicht das Schlimmste an diesem Tag, denn ich musste Byron Bay verlassen um mich auf den Weg nach Sydney zu machen, wo ich mich mit Lisa kurz vor Silvester wiedertreffen wollte. Um dorthin zu kommen musste ich 13 Stunden lang im Bus sitzen während der ich mich nur in der Zeit wo mein Laptopakku lebte,  ablenken konnte. Mein Handy blieb auch aus, damit ich genug Batterie haben würde, um mich in der nächsten Nacht an der Bushaltestelle zu beschäftigen, bzw zu telefonieren, falls etwas passieren sollte. Und das ist der nächste Punkt, der diesen Tag so schrecklich machte: Ich hatte keinen Platz mehr in einem Hostel bekommen, denn an Silvester ist Sydney voll und zudem überteuert! Ich musste nach meiner spätabendlichen Ankunft die Nacht durchmachen bis Lisa ankommen würde. Da sie mit einem anderen Bus anreiste als ich, war es also auch nicht möglich das alles zu zweit zu überleben und den Van, den wir für die nächste Zeit gemietet hatten, konnte auch erst am nächsten Vormittag abgeholt werden. Während ich im Bus saß und aus dem Fenster guckte, blieb mir nichts anderes übrig, als über die Trennung und die kommende Nacht nachzudenken, ob ich wollte oder nicht.