14. Darwin

Mit Reis-Hühnchen Curry vor der Nase flogen wir in Richtung Sonnenuntergang und warteten ganz gespannt darauf, die ersten Lichter der nördlich gelegenen Stadt Darwins zu erkennen. Im Landeanflug sahen wir zum ersten Mal die Straßen und das Meer unserer neuen Heimat, was uns zu der Zeit noch alles völlig unbekannt war. Es war immer aufs Neue aufregend in eine unbekannte Stadt zu kommen, denn jedes Mal dachte ich mir, "das alles kennst du noch nicht, doch in einiger Zeit ist das hier dein neues Zuhause und all das wirst du irgendwann lieben und vermissen." Darwin war in gewisser Weise so ähnlich wie Cairns, von den Straßen her, vom Klima und von den Leuten her auch. Mir gefiel Darwin nicht so gut, wie die anderen Städte, denn es ist sehr klein und die Straßen sind nicht so schön, wie wir es von anderen Orten gewöhnt waren. Auch lag es zwar am Meer, jedoch gibt es im Norden Australiens Krokodile UND Haie darin, weshalb es nur eine Lagoone zum Abkühlen gab. Es war nämlich sehr heiß und schwül dort oben und man konnte auch nicht besonders viel in der Stadt machen, außer zu shoppen oder an der Lagoone zu hängen. Doch ersteinmal zurück zu unserer Ankunft in Darwin: Als wir aus der Flughafentür herauskamen "knallten" wir gegen eine erdrückende Wand aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. Obwohl es schon dunkel war, waren es noch locker 30 Grad und genau das wollte ich, denn ich liebe die Hitze! Eine ,von Weitem jung aussehende Frau, kam auf einem Weg zwischen hohen Palmen auf uns zu und stellte sich mit „Karen“ vor. Sie sollte bald unsere neue Hausmama, die Farmfrau oder eben einfach nur die gesunde Karen sein. Warum gesund? Erzähle ich gleich. Sie und ihr Mann „Phill“ lebten zusammen auf einem 24hkt großen Grundstück, ein bisschen außerhalb von der Innenstadt, in einem für zwei Personen viel zu großen Haus, wo wir in der nächsten Woche mithelfen sollten. Wir fuhren durch das Eingangstor in die große Einfahrt hinein, die durch einen Kiesweg gekennzeichnet war. Neben dem großen Haus mit braunem Dach gab es eine Überdachung unter der ein Segelboot und 3 andere Autos standen, mehr oder minder neu und sauber. Eine kleinere Art von einem Windhund kam uns entgegengesprungen als wir ausstiegen und begrüßte uns mit freudigem Bellen und Schwanzgewedel. Sein Name war Martin, genau wie der meines Vaters, und das süße Ding war auch mindestens genauso liebevoll. In der Küche begrüßten wir dann den weißhaarigen Phill, der für sein Alter noch eine sehr gute Figur hatte, und deren braunen Kater Austin, der nur biss wenn man aufhörte ihn zu streicheln. Überall roch es schon nach dem Abendessen, das wahrscheinlich wie alles andere auch, nur aus organischen Zutaten zubereitet wurde. Wir unterhielten uns und lernten einander besser kennen, doch mussten wir bald dringend in unser Zimmer um uns von der anstrengenden Reise auszuruhen. Wir schliefen in einem Zimmer neben der Überdachung für die Autos, wo wir abgetrennt vom Haupthaus somit unser eigenes Reich hatten. Beide schliefen wir wie Murmeltiere bis der Wecker uns Morgens unfreundlich aus dem Schlaf riss. Die erste Farmarbeit stand an. In unserer Zeit hier mähten wir den Rasen, rupften Mengen an Unkraut, säuberten den Hühnerstall, putzten unzählige Fenster, befreiten so Einiges von Spinnenweben, halfen beim Kochen oder stellten uns nur zu zweit in die Küche um ein zwei Gänge Menü mit Kuchen am Schluss der ganzen Familie mit Eltern, Tochter, Kind und Mann vor die Nase zu setzen. Die Arbeit in der Hitze war besonders hart, weswegen wir immer früh aufstanden, um nicht komplett in der prallen Sonne zu schuften. Für das Schaffen bekamen wir allerdings eine freie Unterkunft und Essen, wodurch wir ziemlich viel Geld sparten - dieses Prinzip nennt sich "Woofing". An dem ersten Morgen bestand unsere Aufgabe allerdings darin, Karen beim Einkaufen zu begleiten und da wurde uns klar: die Beiden lebten verdammt gesund. Im Supermarkt wurden nur organische Lebensmittel gekauft, egal ob sie teurer waren oder nicht und zurück im Haus wurde jede Portion mit einer exakten Menge an winzigen Tomatenscheiben geschmückt. Das kleine bisschen was von der Tomate übrig blieb wurde in eine kleine Tupperbox gelegt, da es viel zu viel gewesen wäre dieses Stückchen noch auf die Teller zu verteilen, und dann in den Kühlschrank gepackt. Dieser war vollgestopft mit kleinen Tupperdosen in denen ebenfalls kleine Essensrest-Portiönchen aufbewahrt wurden, die , da immer frisch gekocht wurde, sowieso nach einem Tag überhaupt nicht mehr essbar waren und weggeworfen wurden. Unserer Meinung nach eine komplette Verschwendung und übertrieben. Wahrscheinlich mochte das daran liegen, dass wir Backpacker waren und Essen für uns mehr wert war, als  für reiche Leute wie dieses Ehepaar. Ich hätte mich Stunden darüber aufregen können, dass sie nicht einmal normalen Zucker im Haushalt hatten, geschweige denn Schockolade oder gar Saft. Ich fühlte mich prinzipiell immer von ihnen beim Essen beobachtet und auch bei der Arbeit waren sie sehr kleinlich. Deswegen war es gut, dass Lisa und ich unter der Woche den ganzen Tag alleine waren und so schnell arbeiten konnten wie wir wollten und so große Portionen essen konnten, wie wir Hunger hatten. Selbst wenn wir früh aufstanden, waren Beide schon längst schwimmen, joggen oder im Fitnessstudio. Trotz ihrer Verrücktheit, waren sie sehr nett zu uns und sie waren ein spßes Pärchen. In den zwei Wochen, die wir bei ihnen verbrachten, bekamen wir jeden Mittwoch frei und fuhren früh Morgens mit Karen in die Stadt, um von dem Stadtteil in dem ihre Arbeit war, mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren. Jedes Mal holten wir ihre 27 jährige Tochter mit ihrem einjährigen Sohn "Brendon" ab , und mussten feststellen, dass sie komplett anders geraten war als ihre Eltern. Immer am lachen und kindliche Witze reißen, besessen von Schokolade, aber immerhin genauso Gym- begeistert. Sie erzählte uns einmal, dass sie als Kind zu Ostern Schokoladeneier im Garten gesammelt hatte und als sie diese auspackte, waren darin Trauben eingewickelt. Jetzt konnte sie drüber lachen und ihre Mutter mit ihrem Wahn aufzuehen, doch damals fand sie das nicht so witzig verständlicherweise. 

Die Stadt hatten wir schnell einmal durchlaufen und blieben schon zu früh an der Lagoone liegen. Die paar Hauptstraßen Darwins waren voll mit Bars, Hostels und kleinen Einkaufszentren, aber am Vormittag war es dort noch ziemlich ausgestorben. Uns wurde schnell langweilig, da wir auch kein Geld für den teuren Krokodilzoo oder andere Aktivitäten ausgeben wollten. Also fuhren wir freiwillig in ein kostenloses Museum mit aboriginaler Kunst, ausgestopften Tieren und Fakten über den schrecklichen, historischen Sturm in Darwin. Den Rest des Tages verbrachten wir mit dem Verteilen von Lisas Lebensläufen, denn sie wollte dort länger bleiben und Geld verdienen, und Stadtgebummel. 

Die Tage an denen wir arbeiten mussten verbrachten wir meistens nur auf der Farm. Nach der schweißtreibenden Gartenarbeit sprangen wir in den Pool und blieben da auch erstmal für Stunden.  Neben dem Pool wuchsen Büsche mit rosa Blüten und die Palmenkronen breiten sich in dem Blau des Himmels aus, während große Schwarz-braune Greifvögel umhersegelten. Kaum sahen wir auch nur ein Wölckchen am Himmel und es war so still, dass wir nur das plätschernde Wasser und unsere Musik hören konnten. Ab und zu sahen wir ein Wallaby, eine kleinere Känguru-Art, über das Grundstück hüpfen und entdeckten sogar eines in der Nacht. Karen leuchtete es mit einer Taschenlampe an, sodass ich außerhalb von dem Lichtkegel langsam heranschleichen konnte um ein paar Fotos zu machen. Als ich ein bisschen zu laut raschelte erschrak es sich und sprang davon. Immernoch von dem Licht geblendet sah es den kleinen Baum nicht, gegen den es dann mit einem lauten "Bums" hüpfte. Es tat mir ein bisschen leid, aber diese Situation wie ein erschrockenes Känguru gegen einen Baum prallt war einfach zu lustig! In der Nacht kann man hier allerdings auch noch andere Dinge beobachten, als nur gegen Bäume springende Kängurus. Zum Beispiel zeigte uns Phill kleine blau leuchtende Punkte auf dem Boden, die man nur sehen konnte, wenn man direkt in den Bereich des Lichtkegels einer Taschenlampe schaute. Sie sahen aus wie kleine Diamanten und Unmengen von ihnen glitzerten auf dem ganzen Grundstück zwischen den Gräsern hervor. Diese Dinger waren Tiere und man glaubt es kaum, aber es waren Spinnen. Die meisten sind ganz klein, andere können aber auch größer sein, doch den Unterschied kann man anhand des blauen Lichtes nicht erkennen. Es war immer nur ein kleiner Punkt. Doch nicht nur Nachts sahen wir Spinnen, auch Tagsüber entdeckten wir ein riesen Vieh in einem Baum. Sie hatte schwarze Beine und einen orangenen Körper, und war genauso groß wie die Hand eines erwachsenen Mannes- ekelig! Wir sahen sogar eine kleine, weiß- graue Schlange, die aber vollkommen ungefährlich war. Wir lebten zwar mitten in der australischen Natur und so gab es dort auch viele süße Geckos und fette Kröten, die man immer mit einem Spaten aus dem Pool fischen musste. Karen und Phill erzählten uns, dass die Australier diese Kröten gleich töten, denn sie sind eine furchtbare Plage und zudem nicht gerade ungiftig. Manchmal werden sie einfach in eine Tüte und dann in die Gefriertruhe gesteckt, der Kopf wird abgehauen oder sie klatschen sie gegen eine Wand. Ist das nicht brutal?! Ich hingegen warf sie mit dem Spaten aus dem Pool heraus ins Gebüsch und einmal ausversehen gegen einen Baum, die es aber überlebte. 

Die ersten Freunde, Bier und Klippenspringen:

Jeden Abend halfen wir beim Kochen und verschwanden dann schnell ins Bett. Unsere Tage waren demnach nicht sehr spannend und so war ich froh, als ich übers Internet einen 21 jährigen Soldaten von der australischen Army kennenlernte, sein Name war Josh. Wir schrieben sehr viel und er bot uns an eine Nationalparktour mit ihm und seinen Freunden zu machen. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so holten er und sie anderen uns mit einem weißen Geländewagen von unserer Farm ab. Zunächst hielten wir an einem Haus von seinen Kunpels und verbrachten dort ein Weilchen mit deren Hundewelpen, und einer tollen großen Hausschlange, die wir uns auch mal um den Hals legen konnten. Das Pärchen was dort wohnte besaß ein wahnsinns Grundstück mit einem großen Haus, was übrigens nichts Ungewöhnliches in diesem Alter in Australien ist. Das Pärchen und die Schwester des Typen kamen alle mit und wir verstanden uns direkt gut. Laura, eines der Mädels,  war ganz erschrocken, als sie erfuhr, dass sie bei der Army mehr in der Woche verdiente als wir in Deutschland in einem Monat. Mit zwei großen Geländewagen fuhren wir zum Litchfield Nationalpark , der bekannt für seine Wasserfälle ist. An dem Ersten plätscherten aus 10 Meter Höhe zwei verschiedene Wasserströme in den darunterliegenden See und wir ließen es uns natürlich nicht nehmen traditionell von den Klippen zu springen. Im Schwimmbad würde ich bei 5 Metern schon Kribbeln im Bauch haben aber in der freien Natur ist dieses Kribbeln verbunden mit dem Gefühl von Freiheit und Spaß und nicht mit Gefahr (Sollte das nicht eigentlich anders herum sein ?!) . In dem nächsten Fluss zu dem wir fuhren, bestehend aus Pool, Wasserfall, Pool, Wasserfall, setzten wir uns zwischen die Steine ins Wasser und öffneten die Ciderflaschen. Wir hatten Unmengen an Spaß und die Krönung kam zum Schluss als ich auch mal Joshs Auto fahren durfte und wir alle zusammen ein tolles BBQ unter dem Sternenhimmel machten. An einem anderen Tag trafen wir uns mit unseren neuen Freunden zum Schießen. Die  Jungs kannten sich alle von der Army und wollten uns unbedingt zeigen, wie es ist, mit einer echten Waffe zu schießen. Uns wurde lange vorher erklärt, wie man mit einem Gewehr umgeht und was wir beachten mussten. Mit dem neuen Wissen stiegen wir wieder in zwei verschiedene Geländewagen und tourten auf staubigen Straßen durch die Wälder. An einem Grundstück zogen die Jungs den Zaun aus dem Boden und fuhren mit uns auf die andere Seite. Plötzlich hielten sie an , denn ein fetter schwarzer Bulle stand hundert Meter entfernt auf der Straße, sodass wir nicht passieren konnten. Natürlich machten sie Späße darüber, dass man ihn ja abschießen könne, doch diese Witze konnten wir Mädels nicht gut heißen, weswegen wir langsam und gemächlich auf ihn zufuhren, sodass er von alleine verschwand. Wir sahen diese massiven Fußabdrücke im Schlamm und ich war froh, dass wir ihn nicht wütend gemacht hatten. Über Stock und Stein ging es weiter und das Auto wackelte wie auf Fraser Islands „Straßen“. Wir blieben in einem großen Schlammloch stecken, und brauchten mehrere Anläufe bis wir dieses Schiff von Auto aus dem Loch bekamen. Nach ein paar weiteren Minuten kamen wir an dem Platz an wo es gleich knallen sollte. Wir stellten einige Flaschen auf einen Baum und die Jungs zeigten uns wie man schießt. Dann war ich dran und ganz aufgerdeht. Josh musste mir meine Ohren zuhalten, da so ein Knall echt laut ist. Ich zielte, drückte ab und - "BAM"- schoss gleich aufeinmal 2 Flaschen um. Ich freute mich riesig und war sehr stolz auf meine Schießkünste. Passend zu einem solchen Tag kam ein Gewitter auf und als die Sonne unterging beleuchtete sie die aufziehenden dunklen Wolken mit buntem Licht. Darwin ist bekannt als die Stadt mit den meisten Blitzen und sich das live anzuschauen haute einen um! Ich konnte Fotos schießen und erwischte immer irgendwo im Bild einen herunterkommenden Blitz. Es donnerte mächtig und als Josh uns nach Hause fuhr und wir gerade zur Tür rein kamen schüttete es gewaltig, doch es war trotzdem noch ziemlich heiß draußen. An diesem Abend kochten wir deutsch für unsere Gastfamilie: es gab Kartoffelbrei, Hühnchen und Sauerkraut, endlich mal wieder etwas Anständiges. ;) In den letzten Tagen bei Phill und Karen entschied sich unserer weiterer Aufenthalt in Darwin. Bisher hatten wir keine Ahnung wo wir unterkommen würden und ob das Geld für ein Hostel überhaupt ausreichen würde. Also bemühten wir uns eine weitere Farm zu finden bei der wir für freie Unterkunft arbeiten konnten. Mal wieder hatten wir unglaubliches Glück und fanden etwas für ein paar Tage. Nun war also zunächst der Abschied von unserer bisherigen Gastfamilie angesagt. Die Tochter von Karen und Phill lud uns zum Dinner bei sich Zuhause ein, am nächsten Morgen wurden wir mit Crepes und Smoothies verwöhnt und gingen Abends in einen Pub zum Essen. Als Abschiedsgeschenk mussten wir selbstverständlich nichts bezahlen und prosteten uns mit Bier zu. An diesem Abend öffnete sich für Lisa eine neue Tür. Hätte ich mir kein zweites Bier gewünscht, wäre Phill nicht zur Bar gegangen um es zu bestellen und hätte nicht mit dem Chef geredet. Dieser sprach ihn nämlich auf Lisa und mich an und Phill erzählte ihm, dass Lisa Arbeit suchen würde. Also gab der Chef ihm einen Zettel mit Nummer und ein paar Infos. Es stellte sich heraus, dass sie nach dem Aufenthalt auf der zweiten Farm eine kostenlose Unterkunft und bezahlte Arbeit bekommen würde und nahm das Angebot dankbar an. Wir konnten also beruhigt in das nächste Abenteuer starten. Die Verabschiedung von Karen und Phill war sehr herzlich und die Begrüßung mit Russell und Morten ebenfalls. Russell, unser neuer Gastvater, war ein stämmiger, tättowierter und biertrinkender Mann, der mit langem Bart und starkem Akzent ein typischer Australier war. Sein Sohn Morten , 13 Jahre alt , war ebenso ein wenig pummelig, aber liebenswert und gut erzogen. In dem fetten 4×4 sitzend,auf dem Weg zu ihrem Gelände, erzählten sie über ihr Fischerhobby und über die Arbeit auf ihrem Grundstück. Dieses war genauso beeindruckend wie das von Karen und Phill. Inmitten von einem tropischen Wald stand ein rotes, großes Haus mit Pool, Trampolin, einer offenen Garage mit Quads, Bar , Motorrädern und Schiff, daneben Ställe mit Schwein , Hühnern und 3 Hunden, ein riesiger Namens Bingo und zwei kleinere „China“ und „Amy“ . Direkt nach unserer Ankunft durften wir schon mit den Quads die Umgebung erkunden. Nach ein paar Minuten Fahrt durch den dichten Wald kamen wir zu einem Bereich der unter Wasser stand. Der Sumpf war schwarz und sah bedrohlich nach Krokodilen aus. Wir versuchten nicht stecken zu bleiben und fuhren die verschiedenen Wege wieder und wieder. Irgendwann pfiff uns Russell herunter, aber nicht wegen dem Verbrauchen des Sprits, sondern um uns zu zeigen wie man schießt. Ein bisschen Ahnung hatten wir ja schon vom letzten Mal mit Josh & Co. Wir stellten ein paar leere Bierdosen auf und knallten alle weg. Russell erlaubte uns nach der „Arbeit“ zu schießen und Quad zu fahren so lange und so oft wie wir wollten. Da wir allerdings nicht wirklich arbeiten mussten, verbrachten wir somit viel Zeit mit den abenteuerlichen Hobbies, die uns zur freien Verfügung standen. Nur ein einziges Mal mussten wir Unkraut rupfen und sonst nur für alle kochen, also ein kompletter Unterschied zu unserer Farmarbeit zuvor. In diesen Tagen wurden Mort und Russell enge Freunde, weshalb wir sie oft im Alltag begleiteten. So kam es, dass wir bei Russells Freunden Zuhause landeten, die ein unglaublich großes Grundstück besaßen, mit selbstgebautem See, 8m Terasse von der man ins Wasser hüpfen konnte, Bächen mit Krokodilen, Babywallaby und rosa Papagei im Wohnzimmer, sowie Possums, Hunde und viele Motorräder. Wir verbrachten den ganzen Tag mit Schwimmen, Springen, Knuddeln und Fotos schießen und auch mit einer Krokodilsuche im hinteren Bereich des Grundstücks. Jeder Tag auf der Farm war wie ein neues Abenteuer und brachte mir vor Augen, wie spannend das Leben sein kann. In dieser Woche fuhren wir zu dritt (Russ, Lisa und ich) raus zu einem Fluss mit Fischerboot und Ködern im Anhang. Gerade als wir das Boot über die Rampe in das Wasser transportieren wollten fing es an wie aus Eimern zu schütten, doch die Luft war so heiß, dass es uns nichts ausmachte. So hüpften wir trotzdem ins Boot und steuerten einige Minuten den Fluss abwärts. Russ zeigte uns wie man Köder in Krabbenkäfige packt, sie

auswirft und brachte mir bei, wie man fischt. Manche Backpacker bezahlen dafür eine Bootstour durch die Flüsse zu machen und wir bekamen alles kostenlos und privat. Leider sahen wir kein Krokodil bei Tag, aber dafür in der Nacht. Als Lisa im oben genannten LitchfieldPub anfing zu arbeiten und ich schon in der Stadt wohnte, beschloss ich Russell zu besuchen und Lisa damit zu überraschen sie nach Feierabend abzuholen. Wir fuhren also zu ihrem Pub um dort unser Dinner einzunehmen und schleppten sie nach mehreren Billiardspielen mit auf die Farm. Wir schnallten Bier auf die Quads und Russell plus Freund fuhren uns raus zu einer Creek. Lisa nahm die Taschenlampe in die Hand und wir bahnten uns einen Weg zwischen den Steinen am großen Bach entlang um Kokodile zu finden. In der Nacht kann man sie dadurch erkennen, dass die Augen rot leuchten wenn sie in einen Lichtkegel geraten. Und tatsächlich sahen wir immer wieder rote Punkte blinken und ab und auftauchen.

Mein Herz raste und ich leuchtete immer wieder hektisch mit meiner Handytaschenlampe um mich herum um sicher zu sein, dass kein Croc plötzlich neben mir lag. Diese ganze Krokodilsache war eines der Dinge die auf meiner To Do Liste stand und wurde mit dem nächsten Tag direkt abgehakt. In Darwin gibt es die Möglichkeit freilebende Krokodile in Action zu sehen, indem man mit einem Boot und vielen Touristen auf den Adelaide River fährt. Ein MUSS! Krokodilsichtung zu 100% und das Geld absolut wert. Das Boot war zweistöckig und man konnte sowohl unten direkt am Fenster Krokodile beobachten, als auch von dem Geländer oben direkt auf sie hinunter blicken. Die Tourguides hielten Angeln mit Fleischstücken übers Wasser und brachten die massiven Tiere dazu aus dem Wasser zu springen. Ein wahnsinniges Ereigniss direkt vor unseren Augen! Für mich war nach diesen Tagen das Farmleben vorbei und das Stadtleben begann. Ich wohnte in den letzten drei Wochen mit Josh in einem Appartment direkt in der Innenstadt. Da ein Mitbewohner wegen einer OP nicht da war, konnte ich kostenlos das Zimmer beziehen und genoss den Luxus einer eigenen Wohnung mit Fernsehen und freiem Internet. Es war allerdings hart für mich diese Zeit ohne Lisa zu verbringen. Sie wohnte direkt bei ihrer Arbeit weit draußen in Litchfield und dort gab es nichts außer dem Pub und einer Straße ohne öffentliche Verkehrsmittel. Für sie gab es also keine Chance ohne Auto in die Stadt zu kommen und für mich ohne Auto kein Weg zu ihr. Also musste ich ab und zu Josh anbetteln mich zu ihr rauszufahren, was er auch oft genug tat. Doch jede Besuch bei ihr endete mit einem Abschied, bei dem wir nicht wussten, wann wir uns wiedersehen würden. Ich machte mir dann häufig einen Spaß daraus sie mit einem Besuch zu überraschen und verband diesen mit einem Tag auf Russells Farm, die in der Nähe lag. Einmal fuhr ich mit dem Quad zu ihrer Bleibe und setzte sie auf den Rücksitz um ein paar Stunden mit ihr zu verbringen. Es war so cool auf den Feldwegen richtig Gas zu geben und den Staub ins Gesicht geschleudert zu bekommen. Freiheit pur! Immer wenn ich mich nach diesem Gefühl sehnte, verschwand ich für Stunden auf die Farm um dort Abenteuer zu erleben. Da man in Australien schon sehr jung Motorrad auf dem eigenen Grundstück fahren darf, brachte mir der dreizehnjährige Mort bei wie man es auch fährt. Schnell hatte ich raus wie man schaltet und brauste durch die Wälder die ich schon von unseren Quadtouren kannte. Die Zeit in der Stadt gestaltete sich im kompletten Gegenteil mit abendlichen Bar- Besuchen, Kinogängen, Shoppen und Relaxen an Stränden zu denen ich mit Josh fuhr. Meinen ersten Casinobesuch machte ich mit Lisa und einem Bekannten zusammen an ihrem freien Tag. Das Essen und die Cocktails dort waren zwar teuer aber mega lecker. Das Casino besaß zwei verschiedene Pools in denen wir den halben Tag verbrachten. Der eine war Luxus pur, mit weißem Strand, Palmen und einer Bar an der man im Wasser sitzend Cocktails schlürfen konnte, der andere mehr sportlich, von dem man aus über den kompletten Strand und das Meer schauen konnte. Am Abend versuchte ich mich an Glücksspielen und scheiterte, doch dieser perfekte Tag machte das verlorene Geld wieder wett. Einen anderen Abend verbrachte ich in der Nähe des Casinos mit Aussicht auf das

Meer und Sonnenuntergang. Weit entfernt schimmerten die Lichter der kleinen Skyline Darwins und als es dunkel wurde sahen Josh und ich schwarze Spitzen im Wasser die langsam um einen kleinen Bereich im Wasser kreisten. Es war eine Gruppe von Haien, die wohl etwas Totes entdeckt hatten. Zu schade, dass es zu weit weg war um sie komplett und deutlich zu sehen.

Aber das sollte nicht das letzte Mal sein, dass ich Haie sah, denn Russell fragte mich ob ich nicht Lust hätte mit Fischen zu kommen. Da man dabei oft Haie sichten konnte, sagte ich nicht nein und fuhr mitten in der Nacht los um ihn und seinen Fischerfreund zu begleiten. Bevor die Sonne aufging ließen wir die Fischeryacht ins Meer und fuhren los. Das Boot hüpfte über die Wellen, sodass ich mich festhalten musste um nicht umzufallen. In unserem Rücken stieg währenddessen die Sonne auf und das Wasser färbte sich von Grusel-Schwarz zu Diamant- Blau. Mit der Sonne stieg auch die Temperatur und ich genoss den Wind in meinem Gesicht und meinen Haaren. Wir fuhren verschiedene Riffe an und ließen die Angeln ins Wasser.

Stundenlang saßen wir da, shakerten herum, verbrachten die Wartezeit mit dem Schießen auf Dosen und sonnten uns. Auch ich durfte das Boot mal fahren und folgte den Vögeln, die versuchten sich die springenden Fische zu krallen. Wir sahen sogar Delphine, Schildkröten, eine Würfelqualle ( die lebensgefährlich ist und genau unter meinen herunterbaumelnden Füßen entlangschwamm) und einen kleinen Riffhai ( mein erster Fang ). Ich war zwar kein Profi, aber ab und zu fing auch ich einen Fisch, die allerdings alle wieder in die Freiheit durften. Russ und sein Freund allerdings töteten alle essbaren Fische als ob es das normalste der Welt sei. Zu Anfang sagten sie mir ich bräuchte wahrscheinlich ein paar Anläufe bis ich etwas fangen würde, dich schon bald zerrte etwas an meiner Angel und ich rief die beiden zu mir. Sie lachten mich aus, da ich den Fisch kaum ranziehen konnte, denn es war sehr schwer. Dann sahen wir auch warum: aus dem Wasser tauchte ein kleiner Hai auf, der zappelnd an meiner Angel hing. Einerseits war ich schadenfroh, dass ausgerechnet ich als Anfängerin den dicksten Fisch gefangen hatte und dann auch noch einen Hai, aber andererseits war es schlimm für mich, als wir ihn erschießen mussten. Bei einem Hai kann man eben nicht einfach in den Mund fassen und den Haken wieder herausziehen und mit Haken im Mund hätte er Schmerzen gehabt. Das tat mir furchtbar leid und so konnte ich auch nur gezwungen lächeln als Russ ein Foto mit mir und dem toten Fisch machen wollte. Ich saß die meiste Zeit an der Spitze des Bootes mit dem Füßen fast im Wasser und blieb da auch die Fahrten über sitzen. Da wir ziemlich an Tempo drauf hatten, während wir zum nächsten Spot fuhren, tunkten meine Beine immer wieder kurze Zeit ins Wasser, während das Boot raste und hoch und runterschwankte.

Ich musste mich richtig festhalten da wir so schnell waren, doch Angst hatte ich nicht - im Gegenteil - ich strahlte von einer Wange zur anderen und quietschte vor Freude, wenn das Wasser hochspritzte. Neben mir bildeten sich Regenbögen, hinter mir ging die Sonne unter und tauchte die wenigen Wolken in rosarotes Licht. Weit am Horizont sahen wir Blitze in das Wasser zucken und neben uns Vögel mit uns fliegen. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lächeln und hatte dieses schon gewohnte Freiheitsgefühl, das mir Gänsehaut machte. Noch heute kann ich mich so gut an dieses Gefühl erinnern, denn ich gluckste vor Glück.

Einen weiteren Moment der hundertprozentigen Zufriedenheit hatte ich als ich mit Freunden zu den Nightmarkets am Strand Darwins ging. Nachdem wir die kleinen Buden mit Schmuck und Leckereien durchstöbert hatten, setzten wir uns im Dunklen in den Sand und warteten auf das Feuerwerk, das jedes Jahr die Markets eröffnet. Bunt und laut knallten die Lichter schließlich im Himmel über dem Wasser und ich starrte in die Luft, konnte meine Augen keine Sekunde lang von dem Spektakel abwenden. Ich wurde ganz sentimental weil schon so viel Zeit in Australien    

verstrichen war. So langsam kamen mehrere Leute nach Darwin, die ich in Melbourne kennengelernt hatte und so hatte ich die letzte Woche in Darwin genug Leute mit denen ich feiern gehen konnte. Auch genug Local-Freunde, die mich bei den Competitions lauthals unterstützten. Mein Ostern beispielsweise verbrachte ich abends auf der Bühne bei einer dieser Competitions, die ich schon so oft gemacht hatte. Den ganzen Tag über war ich aufgeregt und versuchte mich mit Paddleboarding in der Lagoone und Sonnen am Meer abzulenken. Die Competition startete allerdings erst Abends und so gingen wir zuerst in eine Bar um das Osterfest mal ganz anders mit lauter Musik zu feiern. Dann schließlich war es soweit und ich musste mich für den Easter Bunny Bikini Contest im Backstagebereich zurecht machen. Alle anderen Mädels hatten Highheels an, die ich nichtmal mit nach Australien genommen hatte. Auf der Bühne mussten wir einige Male den Laufsteg entlang gehen und posen bis die Entscheidung wie immer per Lautstärke des Publikums festgelegt wurde. Es war ein Hammergefühl wenn alle in dem riesen Club für einen gröhlten und man ganz genau wusste, dass man das Ding eindeutig in der Tasche hatte. Nach mehreren Runden Durchlauf wurde ich schließlich zu "Darwins Easter Bunny 2014" gekürt und bekam viel Geld und die Einladung zu der zweiten Runde, die Nationalweit stattfinden sollte. Am berühmten ANZAC Day, sollte alles noch einmal stattfinden, nur größer und länger. Während sich alle Australier schon Morgens betranken, verbrachte ich Stunden im Backstagebereich und auf der Bühne, überlebte unzählige Entscheidungen bis ich im Finale schließlich den 2. Platz machte. Als "Australias 2. Bikinimodel of the year" bekam ich wieder Geld und war deshalb froh, nicht den ersten Platz gemacht zu haben, denn der war eine bezahlte Goldcoast Tour, die ich aus Zeitgründen sowieso nicht mehr hätte machen  können und diese außerdem schon erlebt hatte. So konnte ich meinen Gewinn für was Besseres ausgeben, denn ich wollte noch unbedingt einen Fallschirmsprung in Sydney machen. Die letzten Tage verbrachte ich mit Freunden in einer Creek sitzend und Biertrinkend , in Clubs oder im Shoppingcenter, sodass die Zeit ziemlich schnell umging und der Tag meiner Abreise und somit der Abschied von Freunden und vorallem von Lisa anstand. Josh fuhr auf dem Weg zu ihr am Armybase vorbei und ich durfte einen Blick in die Welt des Krieges, der Disziplin und der Waffen hineinwerfen. Endlich sah ich wo die meisten meiner Darwinbekanntschaften arbeiteten und zu gern hätte ich das alles mit Lisa anschauen können. Mit jeder Minute in ihre Richtung wurde ich trauriger, denn ich wusste, dass mich dieser Abschied sehr mitnehmen würde. Wir fielen uns in die Arme und mir stiegen die Tränen in die Augen, nachdem ich ihr mein Abschiedsgeschenk überreichte. Ich würde sie nun mehr als einen Monat nicht mehr sehen! 

In dieser Nacht ging es dann zum Flughafen und ich stieg mit einem lachenden Auge und einem weinenden in das Flugzeug ein. Ich freute mich schon auf Sydney, endlich wieder Großsstadt und viele Leute , aber vermisste schon die Hitze, die bekanntgewordenen Straßen Darwins und meine neugewonnenen Freunde. Ich hatte eine tolle Zeit und erlebte viele Dinge die mein Leben bereicherten.