Roadtrip 2.0

Wir landeten auf unserem Roadtrip von Sydney nach Melbourne als erstes in dem kleinen Ort „Batemans Bay“ wo wir uns ganz dreist auf die Straße vor einen YHA- Campingplatz stellten und dort die Nacht verbrachten. Campingplätze sind in Australien teuer weswegen wir immer nur in der Nähe parkten um uns dann reinzuschleichen um zu duschen und die Toiletten zu benutzten. Leider waren diese Duschen nur mit einem Schlüssel zu betreten, weswegen wir ohne weiterfahren mussten. Auf dem Weg wollten wir auf einer Insel Halt machen, um eine Pinguinwanderung anzuschauen, doch wie sich herausstellte existierte diese Insel nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Es waren lediglich zwei Felsen die aus dem Wasser ragten und wir wurden dafür von den Anwohnern ausgelacht, da wir nach dem Weg dorthin fragten. So fuhren wir auch ohne Pinguine zu sehen weiter nach Canberra. Als echte Camper belegten wir einen kostenlosen Parkplatz und schlichen uns ganz auffällig -unauffällig in ein Hostel herein. Da die Badezimmer auch hier nur mit Karte zu betreten waren, lungerten wir vor der verschlossenen Tür herum, bis ich eine junge Asiatin darum bat die Tür zu öffnen. Da Menschen aus diesem Volk irgendwie nie Englisch verstehen, fragte sie nicht weiter nach, schloss brav die Tür auf und wir hatten endlich unsere ersehnte Dusche. Frisch und munter nahmen wir uns den Citywalk vor, der quer durch Canberra führt und uns an der größten Bibliothek Australiens und irgendwelchen politischen Häusern vorbei führte. Wenn man schonmal in der Hauptstadt Australiens ist, muss man das alles wenigstens einmal gesehen haben. Ich fand es dennoch viel spannender auf der Wiese zu liegen und einer Wasserfontäne in einem See zuzuschauen. Doch Lisa schleppte mich den ganzen Weg hinter sich her, bis sie selbst die Schnauze vom öden Canberra voll hatte. Die Stadt war zwar groß, wirkte aber wie ausgestorben und so stiegen wir in unseren Bus und fuhren weiter. Unser nächstes Ziel war das hochgelegene Dorf Jindabyne , das in der Nähe der australischen Alpen liegt (Wo es sogar manchmal Schnee gibt und man Skifahren kann). Neben einem riesengroßen tiefblauen Stausee hielten wir kurz an einer Fressbudenmeile an und dann setzte ich mich wieder hinter das Steuer und lenkte unseren kleinen Van weiter durch die Berge. Schließlich befanden wir uns auf einer ewig langen Straße ohne Tankstelle auf der ich natürlich bemerkte, dass das Benzin langsam alle wurde. Wir machten einen Roadtrip durch das weite, dürre und trockene Land , was an die Steppe Afrikas erinnerte. Liegen bleiben wollte ich hier nicht, weshalb ich so benzinsparend fuhr wie nur möglich. Dann endlich erreichten wir die erlösende Tankstelle nachdem wir gefühlte Ewigkeiten auf Reserve gefahren waren. Doch schon gab es das nächste Problem. Das Wetter schlug urplötzlich um und es fing an kräftig zu stürmen. Uns wurden Stöcke gegen das Auto geschleudert und ich musste mit voller Kraft gegen den Wind lenken, da das Lenkrad hin und hergerissen wurde. Die Wolken zogen sich immer mehr zu einem schwarzen Klumpen zusammen und mich hätte es nicht gewundert, wenn uns um die nächste Straßenecke eine Windrose erwartet hätte. Einen Wirbelsturm gab es zum Glück nicht, dafür mussten wir Slalom um umgekippte Bäume fahren bis sich der Himmel wieder auflockerte. Nach ein paar Stunden, als es schon dunkel war, erreichten wir das Dorf „Lake Entrance“. Auch hier parkten wir ganz frech vor einem Campingplatz, benutzten dessen sanitäre Anlagen und bezahlten nichts. Unser weiterer Plan war, in einem Dorf in der Nähe eines Nationalparks zu halten und den südlichsten Punkt von Australien näher zu betrachten. Doch hier erlebten wir zu viele schlimme Dinge auf einmal. Das Dorf mit dem Namen „Foster“ werde ich so schnell nicht vergessen. Zunächst schienen wir die einzigen Backpacker zu sein, da uns alle Anwohner grimmig anstarrten. Ich machte nur Witze darüber, dass sich das anfühlt wie in einem Horrorfilm mitzuspielen, in dem sich ein Dorf gegen Neulinge verschwört und diese nie wieder gehen lässt. Doch das Lachen sollte uns schnell vergehen….

 

Obwohl alles nur aus ein paar Straßen und einem Sportplatz bestand, fanden wir dennoch einen Campingplatz, vor dem wir mal wieder hielten. Neben uns stand ein Wohnhaus von dessen Terrasse aus wir mit neugierigen Augen beobachtet wurden. Der Herr der dort saß war ein mittelalter Bauarbeiter, der uns später noch behilflich sein würde. Wir kochten uns Nudeln und lebten unser Camperleben voll aus, doch als wir das Auto anlassen wollten, war die Batterie leer. So mussten wir wohl oder übel doch mit einem Einwohner Kontakt aufnehmen. Ich ging zu der Rezeption des Campingplatzes um dort nach Hilfe zu fragen, beziehungsweise nach einem Telefon, da wir absolut keinen Empfang mit unseren Handys hatten. Das Office war allerdings geschlossen, und als ich durch das Fenster hineinschaute sprach mich urplötzlich eine junge Frau an. Ich erklärte ihr unser Problem und sie antwortete mir schnippisch, dass sie uns nicht helfen wird, solange wir nicht Gäste auf dem Platz sind. Auch einen kostenlosen Anruf zum ADAC wollte sie nicht tätigen und wies mich zu einer Telefonzelle. Wir überwanden uns und sprachen dann doch lieber unseren Zuschauer und Nachbarn, den Bauarbeiter, an. Der marschierte voller Übermut von einem Haus zum anderen um uns ein Ding zu besorgen, was die Batterie wieder zum Laufen bringen würde. Mit seinem Freund im Schlepptau kam er an und beide halfen uns das Auto wieder zu starten. Sobald es lief, fuhren wir los um uns Marshmallows zu kaufen und um dann auf dem Sportplatz neben den öffentlichen Toiletten zu parken, da wor vor dem Campingplatz ja nicht mehr willkommen waren. Als es anfing zu dämmern hielten wir die weißen Zuckerteile über unseren Gasherd und tranken Tee. Noch lange danach quatschten wir im Van über Lisas Erfahrungen/Träume mit einem Geist (wenn ihr sie mal seht, fragt sie nach ihrer Geschichte , das ist echt nicht mehr witzig) und andere gruselige Storys. Das war allerdings keine gute Idee , denn ich malte mir schon den ganzen Tag Geschichten aus, was für Horrorgeschichten hier passieren könnten und auch wegen der folgenden Nacht hätten wir uns das sparen sollen. Zudem waren wir die einzigen Menschen weit und breit und das leere Fußballfeld erstreckte sich weit in das Dunkel hinein, nur beleuchtet durch wenige Laternen. Schnell zogen wir die Gardinen des Vans zu und verkrochen uns geistig in die Geschichten unserer Bücher. Um elf Uhr Abends hörten wir ein immer lauter werdendes Brummen über unseren Köpfen. Ich riss die Vorhänge beiseite und sah einen Helikopter, der nur ein paar Meter über unserem Van drüber flog. Er landete mitten auf dem Fußballplatz, während wir durch die Schlitze der Gardinen hindurchlugten um alles zu beobachten. Lange Zeit passierte nichts, niemand stieg aus, nichts war zu hören. Nach einer Weile kam ein Krankenwagen angefahren und hielt direkt neben dem Hubschrauber. Sechs in schwarz gekleidete Männer stiegen aus, verluden eine halbe Stunde lang dunkle Päckchen zwischen Helikopter und Krankenwagen, unterhielten sich und platzierten eine Krankenliege um. Ob ein Mensch darauf lag oder nicht konnten wir nicht sehen, da alles zu weit entfernt war. Uns kam das alles komisch vor, da bei einem Notfall , bei dem ein Helikopter notwendig ist, doch alles schnell ablaufen müsste, und niemand seelenruhig und komplett in schwarz gekleidet daneben steht und quatscht. Insgesamt verbrachten die Männer eine dreiviertel Stunde auf dem Feld, bis einer hektisch in den Wald stolperte und der Hubschrauber dröhnend abhob. Zurück blieben nur Lisa und ich, wie wir uns Geschichten ausdachten, was die Typen da wohl gemacht hatten. Wir legten uns wieder hin und Lisa schlief ein. Ich hörte das leise Kratzen an unserem Auto, das von den knorrigen Ästen des Baumes, unter dem wir geparkt hatten, stammte. Es klang als ob jemand mit Fingernägeln über unser Autodach schaben würde. Der Wind schaukelte unser Auto ganz leicht hin und her, sodass auch ich schließlich in einen unruhigen Schlaf sank, in dem ich von Hexen und Mördern träumte, die uns umbringen wollten. Plötzlich wurde ich aus dem Schlaf gerissen, weil ich gegen die Autowand prallte. Unser Auto wackelte, so als ob jemand daran mit voller Kraft rüttelte!!!!! Im selben Moment fuhr Lisa hoch und schrie gleichzeitig  mit mir markerschütternd! Das Wackeln hörte direkt auf! Ich wagte mich nicht zu regen und blieb in der Mitte des Vans voller Panik liegen. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper. Das Komische an allem war, dass wir weder gehört hatten, dass jemand gekommen war, noch dass wir denjenigen auch wieder weglaufen hörten. Bei dem Kiesboden auf dem wir parkten hätten wir zu hundert Prozent Schritte hören müssen, denn selbst die kleine Lisa hatte ich immer schon von Weitem gehört. Und so lagen wir da atmeten so leise wie möglich und lauschten.. Doch wir hörten nichts! Ich schaute auf die Uhr und da es 4 Uhr morgens war, war es noch ein Grund mehr Angst zu haben. Wer läuft bitte alleine um 4 Uhr morgens über einen Sportplatz in einem Dorf wie diesem und rüttelt an einem fremden Auto!? Wir flüsterten darüber, was derjenige wohl gewollt haben musste und wie sehr wir Angst hatten. Die Gardinen waren zum Glück vorgezogen und unser Bus abgeschlossen.  Der Typ der uns tagsüber geholfen hatte, hatte uns noch am Abend zum Biertrinken mit den Nachbarn eingeladen, doch wir hatten abgelehnt und überlegten jetzt, ob es welche von denen gewesen sein könnten. Doch das konnte nicht sein, denn wer sich einen solchen Spaß erlaubt, wäre wohl lachend davon gegangen und wäre vor allem zu zweit da gewesen und auch nicht wieder urplötzlich verschwunden. Da unsere Taschen sichtbar auf dem Beifahrersitz gelegen hatten, musste derjenige wohl geprüft haben, ob jemand in dem Van schläft um, falls dem nicht so ist, einbrechen zu können. Trotzdem hätten wir dann Schritte hören müssen, da wir nach unserem Schrei erst einmal mucksmäuschenstill waren... Einschlafen konnten wir nach diesem Vorfall nicht mehr und trauten uns erst nach einer Weile in den Vorderraum zu klettern und wegzufahren. Um wieder Mut zu haben, machten wir Deutschrap an, fragt mich nicht wieso, aber das war genau das was wir nun brauchten um in die Realität zurückzufinden. Laut drehten wir die Musik auf und fuhren so schnell es ging auf die Straße und parkten unter einer hell leuchtenden Laterne. Doch selbst an diesem Platz viel es mir schwer ruhig zu schlafen, ich träumte diesmal von einer Überwachungskamera die zeigte, dass niemand an dem Van gerüttelt hatte und alles von Geisterhand passiert war. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir sobald wir wach waren schnellstmöglich weiterfuhren. Während der Fahrt meinten wir Zeichen wie aus Final Destination zu sehen, und ich schwöre euch, dass auf der Straße „Hell“ stand, und dass an diesem Tag mehr tote Tiere am Rand lagen als sonst. Die übrig gebliebene Angst der letzten Nacht wurde mit lauter Musik übertönt und spätestens als wir ein hüpfendes Känguru neben unserem Auto sahen, war sie ganz verflogen. Wir steuerten Philip Island direkt an, ohne in den von Foster aus südlich gelegenen Nationalpark zu fahren. Unser nächster Stop war ein Touristendorf am Meer  bei dem wir Halt machten, kochten und uns eine Dusche erschlichen. Die Insel war schön, und wir verbrachten auch ein Weilchen am Strand, aber jede andere Aktivität, wie zB. Pinguine zu beobachten oder in den Wildlifepark zu gehen kostete zu viel, sodass wir auch hier früher wieder wegfuhren als geplant. So kamen wir noch am selben Abend in Melbourne an, einige Tage früher, als wir es eigentlich am Anfang wollten.