Roadtrip Richtung Süden

Wir hatten eigentlich vor die komplette Ostküste mit unserem Auto wieder runterzureisen, aber es kam alles ganz anders. Als wir in Cairns starteten hatten wir alle Zeit der Welt, mussten zu keinem bestimmten Zeitpunkt an einem Ziel ankommen und konnten Umwege fahren wie wir gerade lustig waren. Immer wenn wir ein Schild am Straßenrand sahen, das einen Strand oder einen Wasserfall ankündigte, fuhren wir spontan ab um der Sache nachzugehen. So landeten wir an unbekannten Stränden, wie dem von Kokospalmen gespickten „mission beach“ oder einem versteckten Wasserfall mit Campingmöglichkeiten. Die Zeit auf der Straße war dennoch das Highlight des Trips, denn wir begegneten auf den einsamen Landstraßen nur selten einem anderen Auto und merkten dadurch, dass wir durch fast unberührte Natur fuhren. Der Pacific Highway auf dem wir fuhren, führt einmal um Australien rum, immer an der Küste entlang bzw. in der Nähe davon. Dabei wird er mal zu einer mehrspurigen Autobahn und Mal ist er nur eine Landstraße, doch um in den Süden zu gelangen mussten wir nur geradeaus fahren. Alle großen Städte Australiens liegen an der Küste und sind vom Pacific Highway alle erreichbar. Ein Navi brauchten wir also nicht, nur gute Musik um uns die Zeit zu vertreiben. Allerdings hätte ich ewig durch diese Landschaft fahren können, denn es war wie im Traum. Ich kann es kaum beschreiben, denn es ist nicht in Worte zu fassen, wie schön die grasbedeckten Hügel in der Mittagssonne leuchteten, wie erhaben sich die Täler vor uns öffneten und wie blau der Horizont als Kulisse diente. Fröhlich sangen wir mit der Musik um die Wette und nichts konnte uns die Laune verderben. Auf unserem Roadtrip kamen wir auch an kleinen Farmen vorbei, die teilweise auch Melonen zur Selbstbedienung verkauften. Ich bin nicht stolz darauf, aber als armer Backpacker muss man manchmal Dinge tun, die moralisch verwerflich sind: Weit und breit war niemand zu sehen und so hielten wir an und mopsten eine Melone von dem Selbstbedienungsstand. Wir tauften die schwere, saftige Melone „Melina“ und hätten wir einen Edding gehabt hätte sie auch noch ein Gesicht bekommen. Man merkte, es wurde Zeit wieder im die Zivilisation zurückzukehren. Melina die Melone und wir fuhren bei der nächsten Ausfahrt zur größeren Stadt „Townsville“ ab und parkten an der Strandpromenade. Melina musste nun gegessen werden und wir waren dankbar dafür, dass sie so groß war, dass sie uns erstmal sättigte. RIP. Townsville, von dem ich noch nie vorher etwas gehört hatte, war größer als der Name verrät. Die Lagoone wo unser Auto stand, hatten wir als Übernachtungsplatz ausgewäht, da es dort immer Duschen, öffentliche BBQ Grills und Steckdosen gibt. Doch nicht nur das, auch ein toller Ausblick aufs Meer und ein schöner kleiner Strand machten unser „Zuhause“ für die nächste Nacht mehr als erträglich. Zumindest bis es Schlafenszeit war, denn um Geld zu sparen schliefen wir im Auto. Die Nacht war schlimm, denn es war furchtbar eng, furchtbar heiß und furchtbar unbequem. Der Morgen machte die Strapazen der Nacht wieder wett, da wir mit Blick auf unseren hauseigenen „Pool“, den Palmen und dem Meer aufwachten. In dem durch Netze geschützten Schwimmerbereich gingen wir uns abkühlen und hatten anschließend ein kleines Frühstück im Strandpark. Ein bisschen was sahen wir auch noch von der Stadt, bevor es wieder zurück auf die Straße ging. Mitten zwischen den Hochhäusern ragte ein roter, sandfarbener Berg heraus, den man über Serpentinen erreichen konnte. Wir machten einen kleinen Abstecher dorthin und schauten uns ganz Townsville und Umgebung (Magnetic island) von oben an- Wow !! Doch dort oben wurde einem in der prallen Sonne schnell zu heiß, sodass wir schnell ins Auto hüpften um den nächsten Strand anzusteuern. Dieser begegnete uns mitten im Nirgendwo, weshalb wir auch fast die Einzigen dort waren. Der Meeresboden war hellgrün von den Algen, sodass das Wasser türkis -grün schimmerte und es war zudem so flach, dass man viele Meter weit ins Meer reinlaufen konnte. Und eines sage ich euch: egal, wirklich ganz egal wo man einen Wegweiser zu einem Strand sieht, er ist es zu 100% wert einen kleinen Umweg zu machen. So schmerzten unsere Herzen, als wir an mehreren Wasserfällen und Stränden vorbeifahren mussten, denn Zeit und Spritgeld hatten wir nicht genug um jedes kleine Wund der Natur zu erkunden. Ich erwähnte, wie einsam die Straße teilweise war, es ist also ein ziemliches Risiko den Sprit für Abstecher zu verschwenden, weil die nächste Tankstelle weit weg sein könnte. Wir schafften es zum Glück ohne Probleme sechs Stunden durchzufahren bis wir die nächste Stadt erreichten. "Mackay" war uns gleich ganz sympatihsch mit seiner schönen Lagoone mit Wasserfall und Rutsche. Nur leider wurde diese Nachts abgeschlossen und somit wurden uns die Steckdosen verwehrt. Der Parkplatz neben der Lagoone, auf dem wir unser Auto abstellten , war nicht weit von einem Einkaufszentrum entfernt. Es hatte noch geöffnet, jedoch waren schon alle Läden geschlossen. Dennoch gingen wir hinein um eine Toilette zu suchen, da die meistens Steckdosen hatten. Leider hatte diese keine, doch bevor wir gingen musste Lisa noch für kleine Backpacker. Ich erkundete derzeit den Flur vor der Toilette und entdeckte eine Milchglastür .. wörtlich sehr passend, denn sie war der Zugang zu dem Mami-Kind Raum. Ich drückte den Knopf, die Tür schoss zur Seite und was ich darin sah war Luxus pur: Waschbecken, Kabinen mit großen Ledersesseln, einer Mikrowelle und Steckdosen. Es ist schon erschreckend, dass man erst auf etwas verzichten muss um zu merken, wie gut wir es doch normalerweise haben. Vor allem bei unserer häufigen Steckdosensuche wurde mir das besonders klar vor Augen geführt. In der Mitte des Mama-Kind- Raumes war eine große Lederbank auf die ich mich erstmal drauflegte während mein Handy Saft bekam. Da es spät war, war keine Mutter mehr in dem Raum und wir relaxten dort eine Weile. Lisa hatte so Panik, dass irgendein Wächter kommt und uns rausschmeißt , da das Einkaufszentrum jede Minute hätte schließen können. Doch solange von draußen noch Musik ertönte, machte ich mir keine Sorgen. Ich war einfach nur froh, dass mein Akku wieder voll war und machte mir lieber einen Spaß daraus über meine Fantasien zu sprechen, was ich alles Nachts eingesperrt in einem Einkaufszentrum anstellen würde. Die Vorstellung davon, sich bei Subway selber zu bedienen oder auf dem roten Samt Sessel von Santa zu schlafen beruhigte Lisa ein wenig. Doch dann endete die Musik und sie verließ panisch den Mutti- Raum. Leider wurden wir nicht eingeschlossen, denn es wäre um einiges bequemer gewesen dort auf der Ledercouch zu schlafen als im Auto. Wir gingen auch noch nicht ins „Bett", sondern packten rotes Tape aus und beklebten unser Auto von außen damit, sodass es ein wenig cooler aussah. Die linke Seite bekam Rennstreifen und ein „A milli kolo “ daneben eine Hand die das Peace Zeichen macht, auf der Rückseite stand fett “ Faster than u “ ( Ironie bei unserer Schrottkarre, aber trotzdem lustig wenn man jemanden mit dem ollen Teil überholt) , und auf der anderen Seite den Kontinent Australien. Hätten wir gewusst, dass wir nicht lange Spaß mit unserem beklebten Auto haben würden, hätten wir nicht… okay doch, wir hätten uns trotzdem die Mühe mit dem Bekleben gemacht. Am nächsten Morgen ging ich eine Runde in der Lagoone schwimmen , ließ mich vom Wasserfall massieren und ging zur Rutsche. Dort standen zwei Lifeguard Mädels, die mich seltsam anschauten als ich mich zum Rutschen bereit machte. Ich nahm Anlauf, blickte sie nur an und sagte: “I'll never be too old for that!“ und rutschte diese super spaßige Rutsche hinunter. Anschließend suchten wir im Einkaufszentrum nach einem Autoladekabel für unsere Handys, damit wir nicht immer nach Steckdosen suchen mussten, nachdem wir uns schon ein Aux – Kabel gegönnt hatten. Unsere "Karre war gepimpt", technisch aufgemotzt und bereit für die nächsten Stunden im Nirgendwo.

Ich habe die Lebenseinstellung immer positiv zu denken und immer fest daran zu glauben, dass immer alles gut wird und solange ich darauf vertraue ich meinen Weg finden werde. Bisher hatte ich immer Glück mit diesem blinden Vertrauen und ich glaube auch daran, dass es Gott ist, der mir beisteht. Mancher wird sagen es ist Zufall oder sonst etwas, aber ich erlebte schon viele solcher Situationen wie die folgende, wo ich mir sicher bin, dass ein Schutzengel über uns wachte. Ich spielte gerade Luftgitarre auf dem Beifahrersitz als es plötzlich laut knallte, Rauch aufstieg und Dreck gegen die Windschutzscheibe spritzte. Erschrocken lenkte Lisa das Auto an den Straßenrand und wir blieben qualmend stehen. Ich dachte erst es wäre vielleicht unser Vorderreifen der geplatzt war, denn er war eh schon etwas schepp, doch die Reifen waren noch ok. Es qualmte unter der Motorhaube hervor und sah gar nicht gut aus. Wir waren irgendwo im Nirgendwo und hatten seit Stunden kein anderes Auto gesehen. Doch bevor wir in Panik ausbrechen konnten, kam doch tatsächlich ein Jeep angefahren und hielt auch noch sofort an, als er uns sah. Und als ob das nicht schon Glück genug gewesen wäre, war der Typ der ausstieg auch noch Automechaniker! Er fragte uns ob wir Hilfe bräuchten und gab uns nach dem Öffnen der Motorhaube schließlich die Diagnose, dass unser Auto „totally shit“ ist (auch hier R.I.P.). Er bot uns an uns mit in das nur ein paar Kilometer entfernte Rockhampton mitzunehmen. Wir mussten unser liebgewonnenes Auto am Straßenrand stehenlassen und uns für immer von ihm verabschieden. Damit endete der schönste Roadtrip überhaupt, doch es sollten noch einige Weitere folgen. Während der Fahrt in dem nun ziemlich vollgepackten Geländewagen unseres Retters, mussten wir uns gezwungener Maßen Gedanken über alles Weitere machen. Schließlich hatten wir nicht genug Geld um uns ein neues Auto in Rockhampton zu kaufen oder dort für längere Zeit zu bleiben. Die einzige Möglichkeit für uns war wieder nach Brisbane zu reisen, denn dort hatten wir Kontakte zu unserem alten Spendensammler-Job, wo wir jederzeit wieder anfangen konnten. Doch wie sollten wir nach Brisbane kommen? Wir informierten uns und fanden einen günstigen Flug von Rockhampton noch am selben Abend. Unser Schutzengel setzte uns am Flughafen ab und wir bedankten uns noch einmal für alles herzlich. Mal wieder war es Glück im Unglück, dass Rockhampton kein kleines Kaff ohne Flughafen war. Wir checkten direkt ein und warteten bis es losging. Die ganze Aufregung war verflogen, denn ich machte per Anruf direkt den Job für den nächsten Morgen klar und kümmerte mich um eine Nacht in einem Hostel. Ziemlich aufgedreht und voller Vorfreude auf Brisbane stiegen wir in das Flugzeug ein. Die Sonne ging unter und als wir abhoben bestellte ich mir ein Bier und schaute zufrieden dem Sonnenuntergang zu. Was ein Tag!