Tempel, Elefanten & paradiesische Strände- Die ersten zwei Wochen auf Bali

Die Anreise

Endlich sollte es passieren, 1 1/2 Monate im Paradies standen kurz bevor und ich platzte fast vor Vorfreude. Früh morgens standen wir auf und fuhren zum Flughafen, wo uns der erste Flieger innerhalb von 12 Stunden nach Singapur bringen sollte. Leider saßen wir nicht nebeneinander, da wir unterschiedliche Rückflüge gebucht hatten. Mein Pech war, dass ich in der Mitte von zwei Männern sitzen musste, die alles andere als angenehme Sitznachbarn waren. Links von mir am Fenster saß ein Asiate, der alle Klischees der asiatischen Kultur und ihrer Manieren erfüllte. Selbst mit Kopfhörern im Ohr und einem laufenden Film konnte ich sein Schmatzen, Rülpsen und Nase hochziehen hören. Wer mich kennt weiß, dass mich so etwas aggressiv macht und es wohl auch verständlich ist so etwas ekelhaft zu finden. Doch damit nicht genug. Aß er mal nicht die vielen Menüs der Singapur Airline, musste der Inhalt seiner Nase dafür herhalten. Rechts neben mir saß ein dicker Mann, der über seine Sitzlehne hinaus quoll und sich dauernd in meine Angelegenheiten einmischte. "Was guckst du da?", "Wieso machst du nicht dies oder jenes?" usw. Als ich dann mein Rührei mit Pilzen nicht aß, weil ich Pilze nicht ausstehen kann, hob er ernsthaft den Aludeckel meines Essens hoch, inspizierte die Überreste meines Frühstücks und schaute mich kritisch an: "Isst du das nicht mehr?". Ich konnte eingequetscht zwischen den Beiden kein Auge zu machen und nutzte die paar Momente, um zu Nicki oder auf die Toilette zu flüchten. Endlich war der Flug vorbei und nun mussten wir nur noch umsteigen, um 2 1/2 Stunden später in Denpasar, Bali zu landen. Ich vergaß schnell wie anstrengend die Anreise war, endlich waren wir in Bali! Dort begrüßte uns eine Traube von balinesischen Taxifahrern, die alle nach einem riefen und Schilder mit Namen in die Höhe streckten. Man kam sich vor, wie auf einem Viehmarkt, wo man schließlich einen besonderen "Ochsen" auswählte, um von ihm ins Hotel gebracht zu werden. Unser Fahrer war ein lustiges kleines Kerl'chen, sah viel jünger aus als er war, so wie die meisten Balinesen, und erzählte uns in gebrochenem Englisch von dem anstehenden Feiertag dem Melasti Day.

 

Changuu

Dann kamen wir endlich in unserer ersten Unterkunft In Changuu an, einem kleinen Homestay mit vielleicht nur 6 verschiedenen Bungalows, von denen einer uns gehörte. Schmale, sich schlängelnde Steinwege führten an Gebüschen voller Palmen und Buddhastatuen vorbei, bis hin zu unserem kleinen Holzhäuschen, das, etwas höher gelegen, nur durch eine kleine Holztreppe zu erreichen war. Es hatte eine Veranda, ein Kingsize Bett mit massiven Holzbalken, die das Moskitonetz hielten und, mein Highlight, ein Outdoor Bad. Ich fühlte mich gleich unglaublich wohl, denn das Personal war unfassbar nett und unser Bungalow erinnerte mich an das Haus, das ich mir für meine Zukunft vorgestellt hatte. Wir beide waren sehr müde, doch es war erst Vormittags und so machten wir uns direkt auf den Weg Changuu zu erkunden. Dafür mieteten wir uns einen Roller und fuhren bis zum schwarzen Vulkan- Strand, an dem es eine Strandbar nach der nächsten gab und so einige Surfer im Wasser waren. Changuu ist eine kleine süße Stadt, wohl eher Ort, in dem es viele Restaurants und Cafes gibt, die alle kreativ aussehen. Nicht wenige haben Schaukeln als Sitze und auf der Karte stehen meistens alle möglichen Bowls. Die kleinen Läden boten Surfwear, Bohokleider oder süße Accessoires an. Ich konnte mich kaum sattsehen beim Vorbeifahren und wünschte mir mehr Zeit dort zu haben. Unsere Tour hatten wir, spontan und abenteuerlustig wie wir sind, so gut wie gar nicht geplant, geschweige denn gebucht. Wir hatten nur eine Liste mit Orten und Sehenswürdigkeiten, die wir unbedingt besuchen wollten und an der richteten wir unseren Trip aus. In den zwei Tagen in Changuu entschieden wir als nächstes nach Ubud, in die Mitte Balis, zu fahren und buchten einen Tag vor Abreise ein Airbnb Hotel. Bei allen weiteren Buchungen machten wir das selbe und es fühlte sich toll an frei von jeglichen Plänen zu sein. Bevor wir jedoch hochfahren konnten, musste ich zum Immigration Office, um mein Visum verlängern zu lassen, doch wegen dem Feiertag gab es eine große Parade auf den Straßen, sodass es kein Durchkommen durch die Menschenmassen gab. Wenigstens konnten wir aus dem Taxi heraus die tollen geschmückten Wagen und die traditionell zurechtgemachten Balinesen und Balinesinnen beobachten. Wir hatten Glück zu einer Zeit dort zu sein, wo dieses Fest stattfindet, denn das gibt es nur einmal im Jahr. Ich gab auf an diesem Tag noch in das Office zu kommen und so traten wir den Weg nach Ubud an, ohne das ich eine Ahnung hatte, wie ich das mit meinem Visum von weiter weg deichseln sollte. Doch wie es bei mir im Leben so ist, entschied ich mich dazu mich in Ubud um den nächsten Schritt zu kümmern und genoss erstmal unseren Ausflug zum Tanah Lot Tempel, der auf dem Weg nach Ubud lag. Der Tempel steht auf einem Felsen im Meer, den man nur erreichen kann, wenn man barfuß durch das flache Wasser watet, was wir allerdings nicht taten, da wir unseren Fahrer nicht lange warten lassen wollten. Wir kauften uns stattdessen Frühlingsrollen, die drei mal so groß sind, wie die, die man aus Deutschland kennt, und betrachteten den Tempel aus sicherer Entfernung. Als wir zum Auto zurückkehrten brachte ich unserem Fahrer meine letzte Frühlingsrolle mit und er freute sich riesig darüber und bedankte sich mehrmals bei mir. Er erzählte uns, dass alle Balinesen nicht viel Geld haben, die meisten nicht mal so viel,  um auf die schönen kleinen Inseln vor Bali  zu kommen. Trotz der Armut sind alle dennoch immer am lachen, offen gegenüber Ausländern und sie wollen immer ihr Englisch üben und freuen sich über die Kleinigkeiten im Leben, wie bspw. eine Frühlingsrolle. In meiner ganzen Zeit dort wurde mir das immer mehr bewusst, wie sehr wir Deutschen doch verwöhnt sind und vieles nicht mal mehr schätzen, weil wir es als selbstverständlich ansehen. 

 

Ubud

Wir kamen nach einer Stunde Fahrt in dem schönen Ort Ubud an und ich war auch hier gleich verliebt. All die kleinen Lädchen, Boutiqen, Restaurants und Yogastudios. Überall wimmelte es von Rollerfahrern und Menschen aus allen möglichen Ländern. Wir erkundeten die Ecken der Stadt und mieteten uns einen Roller um zum Monkey Forest zu kommen. Noch bevor man überhaupt dort war sah man schon die ersten  Affen auf den Dächern sitzen und über die Straße rennen. Je mehr wir in das bewaldete Gebiet kamen, desto mehr Affen konnte man sehen. Im Affenwald selber war es drückend heiß doch die Atmosphäre dort war sehr mystisch. Überall ragten große, alte Bäume in die Höhe, an deren dicken Stämmen saftig grünes Moos wuchs. Lianen hingen herunter und umrahmten eine massive Steinbrücke, die schwungvoll von einer Seite eines Bachufers zur anderen reichte und auf der zwei riesige steinerne Drachen lagen, deren Köpfe den Anfang der Brücke markierten. Auf den hölzernen Wegen saßen die Affen und erfreuten sich daran die Waldbesucher zu ärgern und auch mal an ihnen hochzuklettern. Mitten in diesem Wald gab es ein Gebäude in das wir uns vor der Hitze retteten und bemerkten dort drin Wände voller handgemalener Gemälde, die das Balinesische Leben zeigten. Mir gefielen vor allem die, auf denen die Reisterrassen zu sehen waren und Menschen mit dreieckigen Hüten auf dem Kopf und Holzkörben über den Schultern schufteten. Als Erinnerung spendeten wir Geld um davon zwei Postkarten mit meinen Lieblingsmotiven mitzunehmen. Als wir wieder auf unserem Roller saßen wurden wir von einem traditionell gekleideten Mann angesprochen der uns in sehr schlechtem Englisch über alle Sehenswürdigkeiten in Ubud sprach. Wir wussten nicht, was genau er von uns wollte, doch sagten wir, trotz komischem Bauchgefühl, zu ihm zu folgen. Ziemlich zügig fuhr er voraus und wir hinterher. Die Fahrt machte Spaß, denn wir fuhren nicht über die üblichen Straßen und sahen daher viele Ecken, die wir sonst niemals entdeckt hätten. Schließlich kamen wir an einer Kaffeeplantage an und ich erinnerte mich, dass mir meine Cousine empfohlen hatte eine zu besuchen. Wir wurden von einer üppigen Balinesin mit nichtssagenden Augen herumgeführt und so sahen wir, all die verschiedenen Kaffeesorten, wie der Kaffee zubereitet wurde und die Tiere durch deren Magen er ging. In Bali gibt es nämlich eine bestimmte Kaffeesorte, genannt "Kopi Luwak", die als Spezialität gilt. Dabei werden die Kaffeebohnen von Fleckenmusangs, die zu der Familie der Schleichkatzen gehören, gegessen und der Kot, der die halbverdauten Bohnen enthält wird eingesammelt. Dann werden die Bohnen gewaschen, geröstet und schließlich als Kaffee serviert. Dies macht man, da die Bohnen im Darm der Tiere fermentiert und ändern so ihren Geschmack. Uns wurden insgesamt 12 kleine Tassen voller verschiedener Tee- und Kaffee-Kostproben vorgesetzt, doch von dem Kopi Luwak konnte ich nichts trinken.  Dafür schmeckte der Rest sehr außergewöhnlich und wir testeten uns durch alle Tassen und benannten unsere Favoriten. Der Durst war gelöscht und wir stiegen, dankbar für dieses unerwartete Erlebnis, auf unseren Roller, um zu einem nahe gelegenen Wasserfall zu fahren. Dieser lag in einem Tal eines Dschungels und man konnte ihn nur durch etliche Treppenstufen erreichen. Majestätisch ragte er schließlich vor uns auf und es tat gut an diesem schwülen Tag ein paar Wassertropfen ins Gesicht geweht zu bekommen, während die baren Füße durch das frische Wasser wateten. Vollkommen erschöpft kamen wir wieder am Roller an, denn die Treppenstufen hinauf gaben uns den Rest. Es war ein tolles Gefühl nach solch einem langen Tag die Straßen entlang zu düsen und den Wind auf der Haut zu fühlen. Doch so ganz war dieser Tag nicht vorbei, denn abends gab es eine Parade, die jedes Jahr am Abend vor dem Silent Day stattfindet. Der Silent Day ist der Tag der Ruhe, an dem alle Läden geschlossen haben, das Wlan ausgeschaltet wird, der Hanyempfang abgekappt wird und selbst die Geldautomaten keinen Strom mehr haben. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nur, dass alle Läden zu haben würden und gingen seelenruhig an den großen Monsterstatuen vorbei, ohne uns Gedanken über den nächsten Tag zu machen. Wir jubelten, als die Balinesen zum letzten Mal vor dem Tag der Ruhe Krach machten und ihre selbstgebauten Statuen durch die Straßen trugen, begleitet von Trommeln und Gongs. Ab 1o Uhr nachts war es dann still auf Ubuds Straßen und wir kurvten lange mit unserem Roller herum, bis wir schließlich eine Bar mit Livemusik fanden, wo wir den Tag ausklingen ließen. Am nächsten Morgen öffnete ich meine Augen und versuchte die Uhrzeit auf meinem Handydisplay zu entziffern. Noch ganz verschlafen musste ich feststellen, dass mir keine einzige ungelesene Nachricht entgegen blinkte. Ich wunderte mich und sah schließlich, dass ich keinen Empfang hatte, Als Nicki wach wurde musste er das selbe feststellen, es war klar, dass der Silent Day was damit zu tun hatte. Im ersten Moment der Erkenntnis dachte ich an meinen Vater, der sich immer schnell Sorgen macht, wenn ich mich mal nicht melde und da wir nicht wussten, dass wir keinen Empfang haben würden, hatte ich ihn auch nicht vorgewarnt. Auch Nicki befürchtete, dass sich seine Mutter Gedanken machen würde und so versuchten wir das schlechte Gefühl wieder herunterzuschlucken. Doch nicht genug, am Silent Day ist es einem untersagt auf die Straßen zu gehen, denn der Tag der Ruhe ist nur für die Meditation gedacht. Schon früh Vormittags fing es auch noch an zu regnen, sodass wir nicht mal am Pool unsere Zeit vertreiben konnten. Auch hatten wir vorgehabt unsere nächste Unterkunft für den nächsten Tag zu buchen, doch das war ja ebenso nicht möglich. Wir lasen in unseren Büchern und hüpften dann auch mal im Regen in den Pool und ich machte Yoga, um wenigstens ein bisschen Bewegung an diesem Tag zu bekommen. Der Silent Day war schließlich geschafft und endlich konnten wir wieder Unternehmungen machen und auch unseren nächsten Trip planen. Sobald wir unser nächstes Hotel gebucht hatten, schwangen wir uns auf unseren gemieteten Roller und fuhren Richtung Norden an Reisfeldern vorbei bis hin zu den Tegalalang Reisterrassen zwischen denen man spazieren gehen konnte. Wir hatten Glück, dass die vielen Touristen an diesem Tag ausblieben und wir so alles in unserer Zeit erkunden konnten. Leider hat man das Gefühl nicht wirklich in der Natur zu sein, denn an jeder Ecke gibt es Fotomotive und überall sind Schaukeln, an denen man Geld bezahlen muss. Durch die vielen Spenden an kleinen Stationen mitten auf dem Weg, kam einem alles erst recht nicht kostenlos vor. Ich finde es schade, dass man an solchen schönen Ecken der Erde (übrigens auch an dem Wasserfall, wo wir waren)  Eintritt dafür zahlen muss, um die Natur zu sehen und an den Straßen und Parkplätzen Massen an Touristenbuden gebaut werden, um ja genug Geld zu machen. Natürlich brauchen die Balinesen Geld und ich gönne es ihnen, dass die Touristen dieses auch bezahlen, aber dennoch wünscht man sich doch freie Natur. Trotz diesem Eindruck nutzte auch ich mal die Gelegenheit zu schaukeln und insgesamt hatten wir einen wunderschönen Ausflug. Doch das Highlight folgte erst danach, denn wir besuchten eine Elephant Sanctuary, um die geretteten Elefanten zu sehen. In Bali und generell in Indonesien gibt es viele angebliche Sanctuarys, die Elefanten aus schlimmen Umgebungen rauskaufen. Leider kann man sich nie so sicher sein, dass die Elefanten auch wirklich gut behandelt werden. Ich recherchierte schon Monate vorher, da die Elefanten zu meinen Lieblingstieren gehören und ich unbedingt welche sehen wollte. In dem Elefantenpark konnte man die großen Dickhäuter füttern, streicheln oder sogar abduschen. Mein Herz klopfte bis zum Hals, als ich den Rüssel einer Elefantendame streichelte, mich an sie schmiegte und ihr in die gutmütigen Augen blicken konnte. In dem Moment war alles ruhig und ich konnte spüren, wie intelligent und aufmerksam das Tier war. Mit einem Lächeln auf den Lippen ging ich mit Nicki durch den Rest des Parks und mussten feststellen, dass die Elefanten es nicht dauerhaft gut hatten. Wir sahen Tiere, die angekettet auf einer Wiese standen und darauf warteten, dass die Touristen kamen, um auf die Sitze auf dem Rücken der Elefanten zu klettern und auf ihnen Runden zu drehen. Ich finde es schrecklich, wenn man auf ihnen reitet, denn es muss nicht sein und den Elefanten hat man die Traurigkeit und Erschöpfung angesehen. Mit gemischten Gefühlen verließen wir den Park wieder und fuhren zurück nach Ubud. Dort kam auch schon bald unser Fahrer, der uns nach Norden bringen sollte. 

 

Tianyar

Wenn man sich Bali auf der Karte anschaut, sieht es aus wie eine kleine Insel und groß ist Bali nicht, jedoch dauert es ewig bis man am Ziel ist. Das liegt einerseits an den vollen Straßen und vor allem auch an den Straßen selber, denn es gibt keine Schnellstraßen und oft auch nur eine, die ans Ziel führt. Das bemerkten wir besonders bei der Fahrt nach Tianyar, dem Ort, wo wir unser nächstes Hotel hatten. Die Straße dorthin schlängelte sich um den Vulkan herum und auf Berge hoch und wieder runter. Wir hatten häufig eine wunderschöne Aussicht auf die Weite Balis, jedoch dauerte es 3 Stunden bis wir 100 km zurückgelegt hatten. Da Tianyar nah an dem größten Vulkan, gennant Gunung Agung, liegt mussten wir dort vorbeifahren und sahen die Spuren des letzten Ausbruchs. Es sah aus wie ein ausgetrocknetes Flussbett, wo einst eine reißende Strömung den Berg runter floss, ohne Rücksicht auf die Straßen und Häuser zu nehmen. Nun war dort nichts mehr außer ein langer Graben mit verkohlter Erde. Am Fuße dieses Vulkans lag dann der Norden Balis mit dem kleinen Dorf Tianyar. Mitten auf der Hauptstraße ließ uns der Fahrer raus und wir waren im ersten Augenblick etwas skeptisch dem Hotel gegenüber. Doch dann traten wir durch die massive Einganstür und sahen die wunderschönen Bungalows und das Meer hinter dem Garten. Wir wurden gleich herzlich begrüßt und uns wurden frische Begrüßungssäfte serviert. Unser Raum war ganz nah am Ozean dran und da kaum andere Gäste im Hotel wohnten, hatten wir die mehreren Pools ganz für uns alleine. Dann erlebten wir den lustigsten Strandspaziergang überhaupt. Wir wollten einfach mal loslaufen und nach einem Geldautomaten suchen und spazierten deshalb am Straßenrand entlang. Kaum hatten wir die ersten Schritte getan, hupten die vorbeifahrenden Autos und die Menschen auf den Scootern zeigten auf uns, grinsten und winkten. Jeder zweite Balinese rief uns etwas zu und wir winkten zurück, worüber sie sich sehr freuten. Diese Menschen dort schienen wohl nur sehr selten Europäer gesehen zu haben. Das bestätigte sich vor allem dann, als wir zum Strand abbogen und dort ein Fest für Kinder stattfand. Die dort anwesenden Kinder starrten uns mit großen Augen an wieder zeigten Menschen auf uns. Die Menschenmenge spaltete sich, sobald wir durch zum Strand gehen wollten und auch am Strand war es nicht anders. Wir sahen sogar, dass heimlich Handys auf uns gerichtet wurden. Wir kamen und vor, wie Berühmtheiten und grinsten, winkten und riefen nette Worte zurück. Wir wurden mehrmals durch Rufen eingeladen mit ein paar Balinesen etwas zu trinken, doch wir hatten ziemlich Hunger und kehrten daher ins Hotel zurück, noch ziemlich aufgedreht von diesem Erlebnis. Zurück im Hotel aßen wir frischen Fisch, der hervorragend schmeckte und schließlich fielen wir wie Steine ins Bett. Wir waren hier nach Tianyar gekommen, um von hier aus den Mount Batur zu besteigen. Dieser Berg ist ein Nachbarberg von dem Vulkan, an dem wir bei unserer Reise vorbeigefahren waren. Dort sollte es mitten in der Nacht hochgehen, jedoch waren wir zu erschöpft, um diese Aktion direkt am Folgetag zu machen und buchten die Tour für einen Tag später. An unserem ersten ganzen Tag in Tianyar schien die Sonne heiß auf uns herab und daher genossen wir den Luxus des Hotels und entspannten in den Hängematten am Pool. Am Nachmittag lud uns Chris, ein Mitarbeiter de Hotels ein uns kostenlos in die balinesische Welt mitzunehmen. Zunächst wollte er uns einen traditionellen Tanz zeigen, zu dem wir mit dem Auto fahren mussten. Hinten auf dem Jeep gab es eine Ladefläche mit eingebauten Sitzbänken, auf denen wir die Fahrt über sitzen durften. Als wir ankamen wurden wir mal wieder von allen Seiten ungläubig angeschaut und aber freundlich in Empfang genommen. Wir waren nun auf einer traditionellen Feier auf einem der Felder des Ortes und saßen dort zwischen vielen Menschen an einem der Tische und tranken Bintang, das einzige balinesische Bier. Während wir das uns schon bekannte Bier genossen, fand innen in einer überdachten Arena gerade ein Hahnenkampf statt, den wir uns nicht ansehen wollte. Leider ist dies noch eine beliebte Tradition auf Veranstaltungen, wo für balinesische Verhältnisse viel Gled fließt. Dabei werden zwei Hähne in einen abgesperrten Bereich gesetzt und man lässt sie solange miteinander kämpfen bis einer stirbt. Zum Glück war Chris gegen diese Brutalität und wollte uns nicht unbedingt zeigen, wie "lustig" solche Wetten sind. Wir warteten also draußen auf die nächste Vorführung. Schließlich konnten wir in "die Arena" treten und setzten uns auf die Steinbänke zwischen den Balinesen. Die schienen sich zu freuen ausländische Zuschauer dabei zu haben. Schließlich wurde von zwei jungen Frauen ein sogenannter Pfauentanz aufgeführt, mit viel viel Schmuck, vielen verschiedenen Stoffen und Farben und ungewöhnlicher Musik. Es war schön so mitten zwischen den Einheimischen zu sein und das Gegenteil von den Touri Unternehmungen zu erleben. Nach diesem traditionellen Erlebnis wartete noch mehr auf uns, denn Chris nahm uns wieder in seinem Jeep mit und fuhr mit uns an wunderschönen Feldern vorbei bis hin zu einem voller junger Menschen mit Motorrollern. In der Ferne sah man auf der einen Seite den Vulkan aufragen, auf der anderen das Meer schimmern, neben uns viel Grün und einige imposante Hügel. Wir setzten uns auf eine Decke und bekamen den leckersten balinesischen Kaffee, den wir bis dahin getrunken hatten. Auf dem Rückweg standen Nicki und ich auf der Ladefläche des Jeeps und winkten den Jugendlichen zu, die mal wieder vollkommen begeistert von unserem Dasein waren. An diesem Abend ging es früh ins Bett, da ja für die nächste Nacht der Hike auf den Mount Batur anstand. Um 1 Uhr morgens wurden wir abgeholt und nach einer Stunde Fahrt in das Basecamp des Berges gebracht. Dort gab es das erste Frühstück (Pfannkuchen, yaayy), um uns für den Aufstieg zu stärken. Immer mehr Menschen kamen in das Basecamp, darunter auch das andere Pärchen, das bei uns in der Gruppe war. Der erste Eindruck von ihnen war nicht der Beste, denn sie schienen hochmotiviert zu sein und waren viel zu laut für eine solche Uhrzeit. Wir stiegen zu viert ins Auto und fuhren schließlich zum Fuß des Berg auf einen Parkplatz, wo wir eingewiesen wurden und Taschenlampen bekamen. Dann ging es los und wir stiefelten näher an den Berg heran und stiegen schließlich hinauf. Teilweise war der Weg sehr steil und es wurde anstrengend, aber es machte auch Spaß sich in der dunklen Nacht zu bewegen, es war ein bisschen wie die Aufregung bei einer Nachtwanderung, als man noch Kind war. Immer wieder blickte ich hinunter und sah nur leicht die Umrisse des gegenüberliegenden Vulkans, sowie aber mehrere Lichtpegel der anderen Wanderer, die uns auf den Fersen waren. Nach 1 1/2 Stunden kamen wir auf der Spitze des Berges an und bekamen den perfekten Sitzplatz für den Sonnenaufgang, da wir eine der ersten waren, die oben ankamen. Wir saßen zu viert auf einer Decke und verspeisten unser zweites Frühstück in dieser Nacht. Um halb 5 Uhr Morgens ist es echt kalt dort oben und so wärmten wir uns mit Tee und Gesprächen auf. Die zwei Holländer waren gar nicht mal so nervig, wie wir zunächst dachten und wir konnten uns gut unterhalten, bis schließlich ganz langsam der Himmel orange wurde. Es wurde immer heller und alles verfärbte sich in sanftes, rotes Licht und schließlich schaute die große runde Sonne hinter den Bergen der Insel Lombok hervor. Nun sah man wie gewaltig der Vulkan vor uns aufragte und wie wunderschön der See zwischen ihm und unserem Berg war. Das Morgenlicht glitzerte und schimmerte auf dem Wasser und die Vögel fingen ganz leise an aus der Ferne zu zwitschern. Mit jedem Sonnenstrahl mehr wurde es wärmer und wärmer und als die Sonne dann ganz aufgegangen war, war es wie gewohnt heiß und schwül. Wir wagten den Abstieg und blickten immer wieder auf die Weite vor uns. Ich war unglaublich müde und erschöpft, aber während der wunderschönen Aussicht bemerkte ich das gar nicht und viel erst während der Rückfahrt in einen tiefen Schlaf. Zurück im Hotel bekamen wir das dritte Frühstück an diesem Tag und aßen es mit großem Appetit nach der ganzen Anstrengung. Leider war auch die Zeit im Norden nun vorbei, doch ich konnte es kaum abwarten auf die Inseln vor Bali zu fahren, wo ich längere Zeit bleiben würde. Doch noch war Nicki dabei und noch hatten wir eine Woche voller Abenteuer vor uns. Wir stiegen mit einem Lächeln auf die Fähre und blickten auf das immer kleiner werdende Land Balis zurück. 

 

Nusa Penida 

Bei strahlendem Sonnenschein stiegen wir auf die Fähre, die uns zu einer Insel vor Bali brachte. Wann ich das nächste Mal wieder auf Bali sein würde wusste ich nicht, denn wir würden die letzte Woche gemeinsam auf den kleinen Inseln verbringen, bevor es für mich dann zum Yogakurs ging. Auf dem Boot setzten wir uns nach oben aufs Deck und blickten den kleinen „Hafen“ an, der umringt von Palmen in einer Bucht lag. Die Sonne brutzelte auf uns hinab, als wir schließlich in See stachen. Die Bucht wurde immer kleiner und in der Ferne erkannte man allmählich die Umrisse der Inseln. Indonesien besteht ja bekanntlich aus vielen Inseln, doch diese drei sind nur selten auf einer Landkarte abgebildet, da sie wirklich klein sind. Die Größte von ihnen, und unser nächster Stop, war Nusa Penida, dann daneben zwei kleine Inseln Nusa Ceningan, die Kleinste von den Dreien und schließlich Nusa Lembongan, auf der mich mein Yogakurs erwartete. Als ich zum ersten Mal diese Inseln sah, ahnte ich noch nicht, wie gut ich mich in Zukunft auskennen würde und jetzt muss ich darüber lachen, wie Nicki und ich bei Google Maps schauen mussten, welche Insel das nun ist, die wir im Süden sahen. Nach 40 Minuten fuhren wir ganz nah an Nusa Lembongan vorbei und ich blickte voller Vorfreude auf ihren Mangroovenwald. Was würde ich dort erleben? Wie würde diese Insel wohl aussehen, wenn ich erstmal drauf war? Mit wem würde ich wohl jede Ecke Lembongans erkunden? Doch noch war die Zeit auf der Insel nicht gekommen und ich musste mich weiterhin gedulden, bevor ich Antworten auf diese Fragen kriegen würde. Nun war erstmal Nusa Penida an der Reihe. Dorthin kamen wir nur, indem wir auf ein kleines Tuckerboot umstiegen, um somit an den Strand heranzukommen. Dort erwartete uns der Fahrer von unserer nächsten Unterkunft. Aus dem Auto heraus sah ich zum ersten Mal de extremere Armut Indonesiens, denn die kleinen Inseln vor Bali erlebten erst seit Kurzem einen Aufschwung an Tourismus. Dementsprechend gab es noch nicht viele hübsche, westlich aussehende Cafes oder Unterkünfte mit schönen Fassaden. Wir fuhren häufiger durch Rauchwolken verbrennenden Plastiks hindurch, was zwar nichts neues für uns war, jedoch hier viel intensiver war. Die Balinesen haben keine Müllverbrennungsanlagen, demnach natürlich keine Müllabfuhr,  geschweige denn Mülleimer. Sie verbrennen ihren Müll samt allem Plastik vor ihren kleinen Häuschen mit ihren Kindern daneben spielend. Dieser Anblick erschreckt, denn in Deutschland werfen wir Plastik in den Müll und wir sehen ihn nie wieder- aus den Augen, aus dem Sinn- und dort wird jede einzelne Wasserflasche zu Gift. Wir sahen allerdings nicht nur Schlechtes, denn die Strände waren gespickt mit Strandbars und einheimischen Restaurants und überall sah man fleißige Balinesen neue Bungalows bauen. Man merkte schon jetzt, dass der Tourismus in den nächsten Jahren sehr viel Geld auf die Insel bringen würde und ich war froh drum ein Teil davon zu sein. Wir kamen schließlich bei unserer Unterkunft an, die nur aus vier Bungalows auf einem Hang direkt am Meer bestand. Auch hier hatten wir einen Bungalow aus Holz ganz für uns alleine und eine Terrasse mit Blick aufs Meer und die fernen Berge Lomboks. Die Mauersegler zischten um die Häuserecken und begrüßten uns mit hellen Rufen. Unser Bett stand direkt am Fenster, sodass wir selbst von dort immer das weite Wasser sehen konnten und wieder einmal hatten wir ein Badezimmer im Freien. Da wir früh aufgestanden waren drückte uns die Müdigkeit die Augenlieder zu, obwohl es erst Mittag war. Also beschlossen wir uns einen Roller zu mieten und in das „City Center“, wie unser Fahrer es nannte und was natürlich nur aus ein paar Läden bestand, zu fahren. Wir kamen am Hafen vorbei und erkundeten die kleinen Straßen, die sich dort zwischen den vielen Häusern versteckten. Neben unserem Bungalow gab es einige Restaurants mit toller Sicht auf das Meer, wo wir bei Cocktails den Abend begrüßten und uns schließlich in eine der Strandbars aufmachten, um dort mit Bintang anzustoßen. Wir hatten es geschafft uns bis zur Dunkelheit wach zu halten und setzten uns auf unseren Roller um zurückzufahren. Nach einigen Metern hörte ich Nicki sagen, dass irgendetwas komisch war. Wir stiegen ab und mussten feststellen, dass ein Reifen platt war. Wir schoben unseren Scooter vor einen Kiosk und warteten dort auf den Hotelbesitzer, dass er uns abholte. Es dauerte eine halbe Stunde in der wir den Geckos an den Ladenwänden zuschauten und ein paar Worte mit den Besitzern sprachen, bis schließlich das Auto vorfuhr. Wir konnten uns nicht erklären wie das mit dem Reifen passiert war und mussten auch noch die Reparatur bezahlen. Völlig geschafft vielen wir ins Bett und schliefen wie Babys bis am nächsten Morgen an unsere Tür geklopft wurde und das Frühstück serviert war. Mit Blick auf den Ozean verspeiste ich mit die leckersten Pancakes, die ich je gegessen hatte - Ein guter Start in einen Tag, der noch sehr anstrengend werden sollte.  Wir bekamen einen neuen Roller zugewiesen und brausten mit gepacktem Rucksack auf dem Rücken und Navi um den Hals gehängt los, um einmal von der Nordküste der Insel bis zur Südküste zu fahren. Dort unten befinden sich mehrere wunderschöne Strände mit weißem Strand und klarem, hellblauen Wasser. Ich hatte mir schon vor Monaten die Strände auf unsere Bucketlist geschrieben, die wir nun erkunden sollten. Der Weg dort hin war recht einfach zu finden, denn viele befahrbare Wege gibt es nicht, die einmal durch die ganze Insel führen. Wir fuhren Kurve um Kurve über Hügel und durch grüne Täler und begegneten kaum einem anderen Gefährt. Langsam machte sich der fast leere Tank bemerkbar und wir bangten mit jedem Kilometer mehr, ob wohl bald ein kleiner Kiosk kommen würde. Diese kleinen Lädchen verkaufen direkt am Straßenrand abgefülltes „Petrol“ in einst geleerten Alkoholflaschen, denn wie man sich denken kann, gibt es auf diesen Inselchen keine Tankstellen. Endlich kamen wir in ein kleines Dorf wo uns gleich ein Pappschild vor einem solchen Laden ins Auge sprang. Erleichtert konnten wir unsere Fahrt fortsetzen und kamen auch bald zu einer Kreuzung, an der eine Richtung zum ersten Strand führte. Der Weg der nun vor uns lag war absolut grauenhaft. Überall gab es tiefe Schlaglöcher und unbefestigte Wegesränder, sodass wir weder schnell, noch angenehm fahren konnte. Die losen Steine, die rundherum im Weg lagen, sorgten dafür, dass unsere Reifen wegrutschten, sobald wir über sie drüberfuhren. Da ich meistens Barfuß hinten drauf saß, stieß ich mir meinen Fuß mehrmals an spitzen Steinen, wenn ich mich beim Wegrutschen halten musste. Leider sind solche löchrigen und auch langen Wege kein Einzelfall, um zu Stränden auf Penida zu gelangen. Wir mussten also wohl oder übel die Zähne zusammenbeißen und halbe Stunden ruckelnd und zuckelnd diese Wege auf uns nehmen. Nass geschwitzt und mit schmerzenden Hinterteilen kamen wir am Kelingking Beach an, einem der schönsten Strände, an denen ich je war. Hier wartete die nächste Anstrengung auf uns, denn der Strand war nur zu erreichen, indem man die hohe Klippe herunterkletterte- und „klettern“ ist nicht übertrieben. Nicki hatte darauf überhaupt keine Lust, aber ich konnte nicht anders, als einmal in diesem wunderbar blauen Wasser zu baden. Also zogen wir unsere festen Schuhe an, schnallten unsere Sachen fest auf den Rücken und machten uns an den Abstieg in praller Sonne.  Schon zu Anfang kamen uns triefend nasse Menschen entgegen, die vollkommen außer Atem fragten, wie weit der Weg denn noch sei. Meine anfängliche Motivation sank und wäre ich nicht so stur, hätte ich den Weg abgebrochen. Die Stufen wurden immer steiler und bestanden schon bald nicht mehr aus gepflastertem Stein, sondern aus losen Steinen die irgendwann Mal in die Erde geklopft wurden. Auch diese wurden seltener und man konnte sich nur noch an den provisorisch befestigten Geländern aus Stöcken festhalten. Wir überholten so einige Leute, die keine festen Schuhe, sondern Sandalen oder Ähnliches anhatten, und nur noch weiterkamen indem sie auf dem Popo Stück für Stück nach unten rutschten. Je weiter man herunterkletterte, desto weniger Menschen stiegen mit einem hinab. Nach 40 Minuten kamen wir endlich, endlich an und mussten nur noch eine wackelige Leiter abwärts klettern, um endlich, endlich den Sand unter den Füßen zu spüren. Wir suchten uns einen Platz im Schatten, denn Platz war genug, nicht Viele hatten den ganzen Weg gemeistert, und sprangen direkt in das erfrischende Wasser. Es war von traumhaftem Blau und die Wellen trugen unsere erschöpften Glieder, während wir die Blicke auf den zurückgelegten Weg richteten. Im Sand sitzend konnte ich meinen Augen kaum trauen, denn diese unfassbar schöne Natur sah so unecht aus- es war wie im Traum. Dieser Anblick war es wert sich solcher Anstrengung und Sonnenbrand hingegeben zu haben. Allerdings blieb die komplette Entspannung aus, denn uns schwirrte der Aufstieg zurück nach oben im Hinterkopf herum. Ich beschloss meinen Bikini anzulassen, um nicht zu warm angezogen zu sein und so besser klettern zu können. Kurz vorher hüpften wir nochmal in das kühle Wasser und machten uns auf den Weg nach oben. Nach nur ein paar Klettereinheiten waren wir wieder vollkommen nass geschwitzt und das Meerwasser schon längst in der Sonne verbruzelt. Ich hatte am ganzen Körper Spuren von den erdigen Stufen, an denen man sich hochzog und Nicki, der hinter mir kletterte sah ebenfalls so aus. Diesmal wartete kein blaues Meer am Ende des Weges, wo wir uns hätten abkühlen können. Diesmal schafften wir den Weg jedoch schneller hoch und entspannten uns bei kalten Getränken an einer Bar und blickten nun weit über das Meer, das sich eben noch neben uns im Sand gebrochen hatte. Mit roten Schultern und müden Füßen kletterte ich hinter Nicki auf den Scooter und wir ruckelten zurück auf die feste Straße. Von dort aus machten wir uns auf zu dem nächsten Strand auf unserer Liste. Auch diesmal führte nur ein von Schlaglöchern durchfressener Weg zu unserem Ziel. Wir stellten unseren Roller im Schatten ab und spazierten an einem natürlichen Pool vorbei bis hin zum sogenannten Broken Beach. Man muss sich diesen Strand folgendermaßen vorstellen: Er liegt in einer kleinen Bucht, die einmal umgeben rundherum umgeben von Klippen ist. Nur an de Seite, wo das Meer ist, befindet sich ein Loch, wie ein großer Torbogen, wo das Wasser durchkann. Die Strömungen sind gefährlich und somit führt auch keinerlei Treppe herunter. Doch allein so einen besonderen Strand zu sehen ist es wert, sich das Ganze auf einem kleinen Abstecher mal anzuschauen. Weite ging es auf den kaputten Straßen bis hin zum Crystal Bay, einem Strand, der berühmt für sein kristallklares Wasser ist, wie ja auch schon der Name vermuten lässt. Überall gab es Bean Bags vor kleinen Hütten, an denen man Kokosnüsse trinken konnte oder frisch gefischten Fisch gebraten bekam. Hier entspannten wir eine Zeit lang und sahen dem Sonnenuntergang zu. Im Dunklen fuhren wir zurück, aßen Pizza und erklärten schließlich auch diesen Tag für beendet. Auch am nächsten Morgen ließ ich mir die Pancakes nicht entgehen, denn auch heute brauchte ich viel Energie für den Tag. Mein Hinterteil tat von den löchrigen Straßen und den holprigen Fahrten furchtbar weh und ich war mir sicher, dass ich blaue Flecken hatte, als ich mich nun wieder einmal hinten auf den Roller draufschwang. Dieses Mal fuhren wir in Richtung Osten an der Küste der Insel entlang bis wir zu einem uns nahegelegenen Strand kamen. Dieser Strand heißt Atuh Beach und liegt neben dem berühmten Diamond Beach, den man so oft auf Instagram sieht, wenn man Bali sucht. Am Atuh Beach ließen wir es uns mehrere Stunden gut gehen. Das Wasser dort war ebenso hellblau, wie am Tag zuvor am Kelingking Beach und das Schwimmen in den großen Wellen machte viel Spaß. Nachdem wir dort also den halben Tag verbracht hatten, gingen wir essen und erkundeten den Rest vom „City Center“. Die Tage auf Penida verflogen zu schnell und zum ersten Mal musste ich den Gedanken zulassen, dass Nicki und ich uns bald einen ganzen Monat nicht mehr sehen würden. Der Abschied von unserem Bungalow mit Blick aufs Meer viel mir wieder einmal sehr schwer, doch ich freute mich schon auf unsere nächste Unterkunft auf Nusa Ceningan.

 

Nusa Ceningan

Diesmal mussten wir nicht auf eine große Fähre steigen, sondern konnten auf ein kleines Fischerboot hüpfen. Wir wurden an der sogenannten Yellowbridge herausgelassen, eine leuchtend gelbe Brücke, die die Inseln Nusa Ceningan und Nusa Lembongan verbindet. Allerdings passen nur Roller und Fußgänger über die Brücke, sodass man kaum Autos entdecken kann, dafür aber massenhaft Scooter. Mit unseren Backpacks auf dem Rücken marschierten wir auf die Seite von Nusa Ceningan, wo uns ein sehr netter und lauter Balinese abholte. Wir fuhren in einem der seltenen Autos, die Touristen von A nach B bringen und bei denen man hinten auf der Ladefläche auf Bänken sitzen kann. Ich verliebte mich direkt in Ceningan, denn es gab so viele niedliche Strandbars mit Pools, Schaukeln und Hängematten im flachen, türkisen Wasser und Bean Bags, auf denen man Cocktails schlürfen konnte. Unser Hotel  war direkt neben einer solchen Bar und diesmal hatten wir sogar einen ganz eigenen Pool an unserer privaten Mini Villa. Ich quietschte vor Freude, als ich diese zum ersten Mal betrat und konnte es kaum erwarten auch auf dieser Insel einen Roller zu mieten und herumzufahren. Gleich nach Ankunft mieteten wir uns einen und fuhren über die Yellowbridge nach Nusa Lembongan , wo wir kurze Zeit vorher aus dem Boot gestiegen waren. Diesmal fuhren wir an dem „Hafen“ vorbei und immer weiter, ohne Navi, ohne Plan. Die Inseln waren beide klein, also  konnten wir uns nicht verfahren und so fuhren wir immer der Nase nach, sodass ich mehr und mehr von meinem zukünftigen Zuhause zum ersten Mal sehen konnte. Hier würde ich also einen Monat bleiben, ohne Nicki mit neuen Menschen um mich herum und neuen Routinen. Wir schauten auch schonmal an meiner zukünftigen Yogashala vorbei und aßen das erste Mal das teure Essen im Ginger&Jamu’s, das sich direkt darunter befindet. Ich konnte mir noch nicht ganz vorstellen, wie wohl alles werden würde, aber ich freute mich darauf, jeden Tag direkt am Meer, an diesem weißen Strand Yoga zu machen. Wir erkundeten allerdings auch schonmal den Rest der Umgebung, die ich bald auswendig kennen würde. Es war ein komisches Gefühl das erste Mal an diesen Läden und Restaurants vorbeizufahren und sich zu fragen, was wohl mein Lieblingsrestaurant werden würde und mit wem ich wohl an dieser einen Strandbar mit Bintang anstoßen würde. Doch nicht nur Lembongan nahmen wir genauer unter die Lupe, sondern erkundeten auch Ceningan. Dort fuhren wir an einem kleinen, älteren Balinesen auf einem Roller vorbei, der uns zuwinkte und rief, wir würden in die falsche Richtung fahren. Da Ceningan aber nur eine Hauptstraße hat und wir aus nur dieser einen Richtung kommen konnten, waren wir verwirrt und hielten an. Es stellte sich heraus, dass dieser Mann uns auf eine private Tour mitnehmen wollte, wie es die gastfreundlichen Balinesen immer tun wollen. Er fuhr uns voraus und wir hinterher, zumindest versuchten wir es zu schaffen mitzuhalten, denn seine Rollerreifen waren viel eher für diese holprigen Wege über Stock, Stein und Loch gemacht, als unsere. Schließlich kamen wir oben auf einer der höchsten Punkte in Ceningan an, wo wir ein leerstehendes Restaurant betraten. Von dort hatte man eine atemberaubende Sicht auf Nusa Lebmbongan und Nicki fantasierte darüber, was er alles mit dem Restaurant und der nebenstehenden Villa anstellen würde. Der Balinese erzählte uns, dass Asiaten dieses Haus gekauft hatten und ein chinesisches Restaurant eröffnen wollten, wo man zudem auch an mehreren Pools entspannen konnte. Die Besitzer hatten allerdings nur wenige Wochen vor der großen Eröffnung kein Geld mehr und so waren alle Pools leer und das Haus wurde zum Treffpunkt für Jugendliche, um bei einer guten Aussicht Bier zu trinken. Unsere private Führung war aber noch nicht zu ende, denn er brachte uns noch zu einem wirklich geöffneten Restaurant, von dem man aus ebenfalls eine gute Sicht, diesmal über Penida hatte. Nun hatten wir erstmal genug gesehen und bezahlten unserem Balinesen ein bisschen was für seine Mühe. In der Nähe unserer Villa setzten wir uns in eine Strandbar, die natürlich Schaukeln überall im Wasser hatte. Wir fingen an die leckersten Cocktails zu trinken und spielten mit einem kleinen Welpen, der flink über unsere Schöße hüpfte und frech versuchte meinen Bikini aufzuziehen. Am nächsten Tag hakten wir alle Strände auf Nusa Lembongan ab und blieben lange Zeit in einer Strandbar, um dort im Pool zu schwimmen und den letzten Tag gemeinsam zu genießen. Dort warf ich das erste Mal einen Blick auf meinen Yogaplan und musste erschrocken feststellen, dass ich einen ganzen Monat lang jeden Morgen um 5:30 in der Yogashala sein musste. Nicki meinte mir Langschläferin würde das mal guttun und ich versuchte mir das auch selbst schön zu reden. An diesem Abend schauten wir einem der schönsten Sonnenuntergänge zu, den wir in Bali gesehen hatten. Der Himmel verfärbte sich tieforange und sobald es dunkel war fing es an aus Eimern und urplötzlich zu schütten. In der Strandbar, wo wir die ganze Zeit waren, konnten wir uns schnell noch ins Trockene retten und saßen dort mit einigen anderen Menschen zusammen. Hinter uns am Tisch saßen drei fleischige Frauen, die alle ein herzliches Lächeln hatten und mit denen wir schnell ins Gespräch kamen. Sie waren alle drei Köchinnen aus Ubud und wir tranken zusammen noch lange nachdem der Regen aufgehört hatte. Es war ein sehr amüsanter, letzter Abend, bevor ich mich von Nicki verabschieden musste. Der nächste Tag hing als großer Countdown über alles, was wir erlebten und obwohl es einem zu Beginn der Reise noch so lange hin vorkam, brach auch dieser Tag schließlich an. Am Vormittag regnete es fürchterlich und so konnten wir zumindest solange im Bett liegen bleiben und die Zweisamkeit genießen. Unsere Sachen waren schon gepackt und standen vor der Tür zur Abfahrt bereit. Wir hatten aber noch etwas Zeit und fuhren deshalb noch einmal nach Nusa Lembongan, um dort ein letztes Mal gemeinsam zu essen… und dann ging alles furchtbar schnell, am Hotel wurden wir auf zwei verschiedene Roller hinten draufgesetzt und zu unseren unterschiedlichen Zielen gefahren. Eine zeitlang war Nicki vor uns und ich konnte meinen Blick nicht von ihm abwenden. Wir fuhren über die Yellowbridge und der Fahrer mit Nicki blieb bei den Booten stehen, sodass wir nur noch im Vorbeifahren letzte Worte austauschen konnten. Und dann sah ich ihn nicht mehr. Es war ungewohnt hinter dem Hotelbesitzer auf dem Scooter zu sitzen, anstatt hinter Nicki, an den ich mich so oft bei der Fahrt angeschmust hatte. Wir fuhren immer weiter durch Nusa Lembongan, eine Strecke, die ich schon von unseren Erkundungstouren her kannte. Ich wusste den Weg ganz genau und wurde immer trauriger, als ich die vielen Restaurants sah, bei denen ich mit ihm gegessen hatte. Dann schließlich wurde ich an der Straße abgesetzt und lief den engen Weg mit meinem viel zu großen Backpack entlang in Richtung Ginger&Jamu’s, wo sich auch mein Bungalow befand. Ich betrat den Eingangsbereich und suchte nach Jemandem der mich zu meinem Bungalow bringen konnte. Luna, eine Mitarbeiterin in der Unterkunft, zeigte mir mein kleines Häuschen, das sehr nah an der Yogashala stand. Es war ein dunkler Bungalow mit großem Bett ohne Decke, sondern nur mit Laken als Decke. Das Badezimmer hatte keine Fenster, sondern offene Nischen am Rand, durch die nur sehr selten Licht reinkam. Als ich nun das erste Mal alleine war brach ich zusammen. Ich fing an zu weinen und konnte mich kaum beruhigen, ich hatte nicht erwartet, dass mich der Abschied so sehr treffen würde. Ich war nun alleine, wusste nicht was mich bei meinem Yoga Teacher Training erwarten würde, ob ich überhaupt Freunde finden würde und in meinem Bungalow war es zu düster. Da mich meine neue Bleibe erdrückte, musste ich raus, um frische Luft zu schnappen und mich vielleicht bei einem Spaziergang zu beruhigen. Ich überlegte noch, ob ich mir spontan einen Roller mieten sollte, um zu schauen, ob Nicki noch am Hafen auf sein Boot wartete. Doch ich ließ es bleiben und ging deshalb so lange am Strand entlang, bis ich Bali am anderen Ende des Wassers in der Ferne sehen konnte. Ich betrachtete den Vulkan und blickte mit schmerzendem Herzen auf all die schönen letzten paar Wochen zurück. Ich versuchte mich mit meinem Buch abzulenken, doch das gelang mir recht schwer. Als mich der Hunger antrieb aufzustehen, ging ich an der Straße entlang, um dort etwas Essbares zu finden. Mit Nüssen im Gepäck ging ich zurück in meinen Bungalow und versuchte die Hausaufgaben für den ersten Tag des Yogakurses zu machen. Die Besitzerin der Unterkunft kam zu mir und begrüßte mich freundlich. Sie erzählte mir, dass in den vielen Zimmern mir gegenüber noch so einige aus meinem Kurs am selben Abend einziehen würden. Ich fragte mich, wer diese Menschen wohl waren… ich konnte ja damals noch nicht ahnen, dass ich bei deren Verabschiedung, einen Monat später, noch mehr heulen würde, als ich es noch an diesem Abend in meinem Bett tat.